Marode Straßen Verkehrsminister kündigt Paket zur schnelleren Brückensanierung an

Rund 4000 Brücken sollen nach dem Willen von Verkehrsminister Wissing bis etwa 2030 verstärkt oder erneuert werden. Auch das Baugewerbe macht Druck beim Kampf gegen die marode Infrastruktur.
Marode Talbrücke der Autobahn 45: Wie schnell kann für sie Ersatz entstehen?

Marode Talbrücke der Autobahn 45: Wie schnell kann für sie Ersatz entstehen?

Foto: Dieter Menne / dpa

Die deutsche Autobahn-Infrastruktur ist marode, als besonderer Schwachpunkt gelten die zahlreichen Brücken aus den Sechziger- und Siebzigerjahren – unter denen die zuletzt gesperrte Talbrücke Rahmede auf der A45 als Symbol des Verfalls gilt.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing will dagegen ankämpfen – und das Tempo für Modernisierungen verdoppeln. Bis etwa 2030 soll dafür eine weitere Milliarde Euro mobilisiert werden. »Es ist um die Brücken alles andere als gut bestellt, daher besteht hier Handlungsbedarf«, sagte der FDP-Politiker nach einem Expertentreffen und der Vorlage einer Bestandsaufnahme.

Insgesamt gebe es rund 40.000 Autobahn- und Bundesstraßen-Brücken mit 52.000 Teilstücken. Davon müssten mehr als 10.000 modernisiert werden. An vielen werde bereits gearbeitet, aber 2700 Teilbauwerke müssten nun neu in Angriff genommen werden. Da man sich zunächst auf ein Kernnetz konzentriere, geht es um insgesamt 4000 Brückenbauwerke in den nächsten zehn Jahren. Jährlich sollten nun 400 statt wie bisher 200 Brücken saniert oder neu gebaut werden.

Die Autobahnbrücken sind nicht nur in die Jahre gekommen, sondern waren auch für das Verkehrswachstum nicht ausgelegt. Die Rahmede-Talbrücke soll nun noch dieses Jahr abgebrochen werden, die wichtige Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Hessen könnte aber noch lange leiden.

Damit es dort und andernorts schneller geht, will Wissing auch Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen. Ausschreibungs- und Vergabeverfahren sollen gestrafft und Anreize für kürzere Bauzeiten geschaffen werden. Bei der Bestimmung, welche Brücken zuerst erneuert werden müssen, sollen auch Roboter zum Einsatz kommen.

Verband fordert Nutzung standardisierter Typentwürfe

In einem Papier zum Brückengipfel heißt es laut Nachrichtenagentur dpa, der überproportionale Anstieg des Schwerverkehrs sowie die immer höhere Frequenz von Fahrten hätten den Bauwerkszustand der Brücken sehr belastet. Dies erfordere nun »umfängliche« Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen.

Minister Wissing sieht Handlungsbedarf

Minister Wissing sieht Handlungsbedarf

Foto: Political-Moments / IMAGO

Bei dem Treffen im Bundesverkehrsministerium forderte das Baugewerbe, Brücken müssten als »systemrelevante Infrastruktur – gleich der Windkraft – eine überragende Bedeutung bei der Abwägung mit anderen Schutzgütern haben«, wie Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), mitteilte .

Deutschlands bedeutsame Verkehrsinfrastruktur müsse am Laufen gehalten werden, mahnte Quast. Notwendige Ersatzneubauten müssten baurechtlich künftig als Maßnahmen »unwesentlicher Änderung« eingestuft werden. Damit würde das »erneute extrem zeitaufwändige Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung entfallen«, argumentierte er.

Quast mahnte zudem, die bereits vorhandenen Planungsunterlagen für Standard-Typentwürfe von Brückenbauwerken einzusetzen. Dadurch könnten Planungskosten eingespart und Planungskapazitäten für andere Großprojekte freigehalten werden.

apr/dpa/Reuters/AFP