Porsche-Deal Brüderle kritisiert VW-Steuertrick

Volkswagen spart bei der Übernahme von Porsche bis zu 1,5 Milliarden Euro - dank eines geschickten Steuersparmodells. Nun kommt Kritik von FDP-Fraktionschef Brüderle: "Von so viel Nachsicht der Finanzämter können viele Handwerker nur träumen." VW selbst sieht kein Problem.

Carrera 911 vor VW-Logo: Der Steuertrick beim Porsche-Deal ist ein Extrem, aber erlaubt
DPA

Carrera 911 vor VW-Logo: Der Steuertrick beim Porsche-Deal ist ein Extrem, aber erlaubt


Berlin - FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat den Steuertrick von VW bei der milliardenschweren Fusion des Autobauers mit dem Sportwagenhersteller Porsche scharf kritisiert. "Das mag alles legal sein, zeigt aber, wie dringend wir ein einfacheres und gerechteres Steuerrecht brauchen", sagte Brüderle dem "Handelsblatt" laut einer Vorabmeldung. Wenn Weltkonzerne durch Schlupflöcher im Steuerrecht Milliarden sparen könnten, müsse sich jeder Steuerzahler veräppelt fühlen. "Von so viel Nachsicht der Finanzämter können viele Handwerker nur träumen."

VW wird den grundsätzlich steuerpflichtigen Kauf der noch ausstehenden zweiten Hälfte der Porsche AG als eine Umstrukturierung ausweisen. Diese ist steuerfrei. Normalerweise fließt bei einem Geschäft dieser Art jedoch auch kein Geld, es handelt sich um einen Anteilstausch. Für die noch ausstehende Hälfte der Porsche AG hätten also eigentlich VW-Aktien zum Kaufwert von 4,5 Milliarden Euro fließen müssen. Nun aber wandern nur eine Aktie plus der Kaufpreis an Porsche. Diese Variante ist ein Extrem, aber erlaubt.

Volkswagen sieht den Staat dennoch nicht als großen Verlierer der Porsche-Übernahme. "Es fallen Steuern von deutlich über 100 Millionen Euro an. Diese Steuern sind transaktionsbedingt", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch am Donnerstag in Wolfsburg. Er verwies auf Transaktionssteuern wie Grunderwerbsabgaben. Zudem werde der Staat künftig davon profitieren, dass die beiden Autobauer zusammen Kostenvorteile nutzen können und so mehr Gewinn machen.

Die Fusion von Europas größtem Autobauer und der Porsche AG war am Mittwochabend nach monatelanger Blockade überraschend schnell zum 1. August verkündet worden.

Die Ankündigung der Fusion sorgte am Donnerstag auch am deutschen Aktienmarkt für Bewegung: Die Volkswagen-Aktie machte einen deutlichen Sprung nach oben. Die im Leitindex Dax gehandelten VW-Vorzüge kletterten im frühen Handel um knapp sechs Prozent. Auch die Aktien der Porsche SE - der Holdinggesellschaft, die ihr in der Porsche AG gebündeltes Autogeschäft an Volkswagen verkauft - legten um 2,6 Prozent zu.

mal/dpa



insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Fangirl 05.07.2012
1. oh je
Na super Herr Brüderle....das ist ja eine Bombenkritik. Bzw der Artikel sollte wenn eher unser Steuersystem anprangern, als mit dieser Überschrift VW. Da Steuersystem versteht kaum noch ein Mensch, aber hallo??? Wenn ich als Unternehmen 1,5 Mrd Steuern weniger zahlen muss, dann tue ich das doch auch?? Warum auch nicht? Würde der angesprochene Handwerker in seinem Rahmen ja auch nun. Dieser Artikel ist daneben, sorry.
Asirdahan 05.07.2012
2. ohne
Zitat von sysopDPAVolkswagen spart bei der Übernahme von Porsche bis zu 1,5 Milliarden Euro - dank eines geschickten Steuersparmodells. Nun kommt Kritik von FDP-Fraktionschef Brüderle: "Von so viel Nachsicht der Finanzämter können viele Handwerker nur träumen." VW selbst sieht kein Problem. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,842759,00.html
Wenn VW mit ein einer offenbar legalen Aktion (die dann auch kein Trick ist, denn tricksen steht für mich in der Nähe von betrügen) 1,5 Milliarden Steuern sparen kann, so ist das ein Armutszeugnis für die Gesetzgebung, die das zulässt. Auf der anderen Seite ist es von dem größten Automobilhersteller auch nicht gerade fein, dem Staat diese 1,5 Milliarden vorzuenthalten, die dieser dringend für Bildung, Kindergärten etc. braucht. Aber wahrscheinlich gehört VW auch zu denjenigen, die meinen, wir tun schon genug Gutes, aber da, wo wir es für nötig halten. Eben nach Gutsherrenart.
paretooptimal 05.07.2012
3. Gedächtnislücke?
Wozu die Aufregung Herr Brüderle. Sie werden sich ja noch an den Flick-Konzern mit dem US-Deal erinnern. Und die FDP war ja da ebenfalls involviert.
tubaner 05.07.2012
4. Zynismus
---Zitat von Artikel--- Volkswagen sieht den Staat dennoch nicht als großen Verlierer der Porsche-Übernahme. "Es fallen Steuern von deutlich über 100 Millionen Euro an. Diese Steuern sind transaktionsbedingt", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch am Donnerstag in Wolfsburg. Er verwies auf Transaktionssteuern wie Grunderwerbsabgaben. Zudem werde der Staat künftig davon profitieren, dass die beiden Autobauer zusammen Kostenvorteile nutzen können und so mehr Gewinn machen. ---Zitatende--- Der Staat soll doch nicht jammern, wir zahlen statt 1,5 Mrd. immerhin 0,1 Mrd., alles halb so wild! Und wegen den höheren Gewinnen zahlen wir in Zukunft viel Steuern. Vielleicht.
huggi 05.07.2012
5.
Zitat von sysopDPAVolkswagen spart bei der Übernahme von Porsche bis zu 1,5 Milliarden Euro - dank eines geschickten Steuersparmodells. Nun kommt Kritik von FDP-Fraktionschef Brüderle: "Von so viel Nachsicht der Finanzämter können viele Handwerker nur träumen." VW selbst sieht kein Problem. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,842759,00.html
... schon wieder hat jemand ein Steuerschlupfloch ausgemacht, ich würde auch gerne einmal eines sehen. Entweder entsprechen die bei der Transaktion anfallenden, oder auch nicht anfallenden Steuern der gültigen Steuergesetzgebung, oder sie tun es nicht. Werden die geltenden Steuerregeln eingehalten gibt es nichts zu lamentieren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.