BSkyB-Kauf Britische Regierung stellt Murdochs Lieblingsprojekt in Frage

Die "News of the World" hat Rupert Murdoch wegen des Abhörskandals dichtgemacht - doch das scheint der Politik nicht zu genügen. Vizepremier Nick Clegg legt dem Medienmogul nahe, auf die geplante Übernahme des Bezahlsenders BSkyB zu verzichten: "Tun Sie das Anständige und Vernünftige."

Verleger Murdoch: Ist der Deal "so gut wie tot"?
REUTERS

Verleger Murdoch: Ist der Deal "so gut wie tot"?


London - Rupert Murdoch muss sich gerade schlagartig umgewöhnen. Wurde der mächtige Medienunternehmer bislang von britischen Politikern umworben, so spürt er seit dem Abhörskandal um die am Sonntag eingestellte Boulevardzeitung "News of the World" starken Gegenwind. Vize-Regierungschef Nick Clegg rief den Medienmogul nun sogar auf, die Milliarden-Übernahme des britischen PayTV-Senders BSkyB abzublasen. "Tun sie das Anständige und Vernünftige und überdenken sie noch einmal ihr Gebot für BSkyB Chart zeigen", sagte Clegg in der BBC.

Der liberaldemokratische Politiker hatte sich zuvor mit Opfern des Abhörskandals der Murdoch-Zeitung getroffen. Die Opposition verlangt einen Stopp des Geschäfts im Volumen von 14 Milliarden Dollar. Oppositionsführer Ed Miliband drohte damit, noch in dieser Woche eine Abstimmung im Parlament über Murdochs Übernahmepläne zu beantragen, was die Koalition in eine schwierige Lage bringen dürfte. Denn die Liberaldemokraten haben als Bündnispartner der Konservativen bereits signalisiert, in dieser Frage mit der oppositionellen Labour-Partei zu stimmen. Der Aktienkurs von BSkyB verlor mehr als sechs Prozent.

Cleggs Appell zeigt, wie sehr die britische Regierung mittlerweile fürchtet, selbst in den Strudel der Affäre um "News of the World" zu geraten. Politiker aller großen Parteien müssen sich derzeit vorwerfen lassen, die zweifelhaften Praktiken der Boulevardzeitung bislang bestenfalls halbherzig verfolgt zu haben. "Wir stecken alle mit drin", bekannte der konservative Premierminister David Cameron.

Mit Blick auf die geplante Übernahme von BSkyB sagte Cameron noch vor wenigen Tagen, dies sei keine Entscheidung des Premierministers, sondern der zuständigen Behörde. Diese wurde von der Regierung aber bereits angewiesen, den BSkyB-Kauf angesichts der jüngsten Enthüllungen bei dem Murdoch-Blatt nochmals zu überprüfen. Die Aufsichtsbehörden hatten eigentlich bereits ihr Einverständnis signalisiert. Medienminister Jeremy Hunt wollte nach einer positiven Vorentscheidung der Regierung vergangenen Freitag eigentlich zugestimmt. Er verlängerte das Verfahren, nachdem 135.000 Beschwerden eingegangen waren.

Die Regierung setzt offenbar darauf, dass bei einer abermaligen Prüfung genug Anhaltspunkte auftauchen, um in einem nächsten Schritt das Kartellamt einzuschalten und die Übernahme dann noch einmal gründlich zu überprüfen. Dies könnte ein Jahr dauern.

Der "Independent" berichtete, die Regierung habe sogar Anwälte beauftragt, eine Strategie zu entwickeln, wie die Komplettübernahme des lukrativen Bezahlsenders verhindert werden könne. "Wir glauben, dass der Deal so gut wie tot ist", sagte der Analyst Alex DeGroote von der Investmentbank Panmure Gordon.

dab/Reuters



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