Buchungstricks Bank of America versteckte eigene Schulden

Die zeitweise staatlich gestützte Bank of America hat eingeräumt, während der Finanzkrise den eigenen Schuldenstand schöngerechnet zu haben. Es soll um fast elf Milliarden Dollar gehen - "unbedeutende Ungenauigkeiten", heißt es bei der Bank.

Filiale der Bank of America: Jahrelange Schönrechnerei
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Filiale der Bank of America: Jahrelange Schönrechnerei


New York - Die Bank of America hat mitten in der Finanzkrise ihre wahren Risiken verschleiert. Das zeitweise staatlich gestützte Institut räumte gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC ein, in den Jahren 2007 bis 2009 mehrere Geschäfte falsch gebucht und so den Schuldenstand rein optisch gedrückt zu haben. Die Bank schrieb in einem Brief von "unbedeutenden Ungenauigkeiten".

Wie das "Wall Street Journal" und die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg berichteten, geht es um insgesamt 10,7 Milliarden Dollar, die an falscher Stelle in den Bilanzen auftauchten. Für die Großbank ist das ein vergleichsweise kleiner Betrag. Allerdings werden derlei Tricksereien für die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers mitverantwortlich gemacht. Die SEC durchleuchtet deswegen seit Monaten alle wichtigen US-Institute. Die Bank of America kündigte an, die internen Kontrollen zu verschärfen.

"Die Transaktionen hatten keine wesentlichen Auswirkungen auf den Gewinn in der Bilanz", sagte Konzernsprecher Jerry Dubrowski. Wären sie korrekt verbucht worden, hätte sich die Kernkapitalquote der Bank am 30. September 2008 um lediglich 0,01 Prozent verringert, fügte er hinzu. Seitdem habe das Geldhaus nach internen Überprüfungen keine weiteren Fehler entdecken können.

Bank of America kapitalstärkste Bank der Welt

Es geht um sogenannte Repo-Geschäfte. Diese sind eigentlich ein normaler Vorgang in der Finanzwelt: Banken haben den Großteil des Geldes in langfristige Anlagen investiert. Um für neue Geschäfte flüssig zu bleiben, nehmen die Institute mit diesen Vermögenswerten als Sicherheit kurzfristige Kredite auf. Statt als Schulden hatten aber die Bank of America und Lehman Brothers das Ganze als Verkäufe gebucht.

Lehman Brothers hatte sich mit US-Hypothekenpapieren verspekuliert und war 2008 zusammengebrochen. Durch Repo-Geschäfte verschleierte die Bank ihren wahren Zustand. In den Wirren der folgenden Finanzkrise musste die US-Regierung der Bank of America mit 45 Milliarden Dollar zur Seite springen. Das Geld hat die Bank mittlerweile samt Zinsen zurückgezahlt.

Einer Studie zufolge ist die Bank of America die kapitalstärkste Bank der Welt. Im jüngsten Ranking des Magazins "The Banker" stieß das Institut damit seinen US-Rivalen JPMorgan vom Thron. Den Angaben zufolge stieg das Kernkapital der Bank of America im vergangenen Jahr um ein Drittel auf 160 Milliarden Dollar, während das von JPMorgan um zwei Prozent zurückging auf 133 Milliarden Dollar. Allerdings profitierte die Bank of America dabei auch von der Übernahme von Merrill Lynch im Zuge der Finanzkrise 2008.

otr/dpa/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Fuinlhach, 10.07.2010
1. .
Oh, 11 Milliarden nur. Na diese "unbedeutende Ungenauigkeit" hätte ich gern mal als + auf meinem Konto. An wen kann ich mich da bei der Bank of America wenden? Oder muß ich gleich zu Obama laufen? Oder ist die FED der Ansprechpartner? Menno.... so far.... ein Bürger
dutchinnz 10.07.2010
2. Es wird wohl an mir liegen...
Wenn 10.7 miljarden Dollar nur 0,01% Kernkapitalquote sind und das Kernkapital ist 160 miljarden Dollar, wird m.E.n. wieder mal kriminelles Benehmen mit Unwahrheiten bagatellisiert.
JaguarCat 11.07.2010
3. Irgend jemand kann wohl nicht rechnen ...
Zitat von dutchinnzWenn 10.7 miljarden Dollar nur 0,01% Kernkapitalquote sind und das Kernkapital ist 160 miljarden Dollar, wird m.E.n. wieder mal kriminelles Benehmen mit Unwahrheiten bagatellisiert.
Wären es 10 Millionen (nicht Milliarden), dann würden die 0,01% ja stimmen. Na ja, wer vor ein paar Jahren falsch verbucht kann ja heute vielleicht immer noch nicht rechnen. Jag
saul7 11.07.2010
4. ++
Zitat von sysopDie zeitweise staatlich gestützte Bank of America hat eingeräumt, während der Finanzkrise den eigenen Schuldenstand schöngerechnet zu haben. Es soll um fast elf Milliarden Dollar gehen - "unbedeutende Ungenauigkeiten", heißt es bei der Bank. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,705810,00.html
Das ist kriminell und gewissenlos und sollte bestraft werden. Elf Milliarden Dollar Schulden" zu verschweigen oder zu verstecken sind keine unbedeutende Ungenauigkeit" sondern eine Unverschämtheit.Irgendwie erinnert mich das Ganze an Herrn Koppers Ausspruch von den "Peanuts". In welcher Welt leben die Banker eigentlich????
Transmitter, 11.07.2010
5. Millionen, Milliarden, Billionen
Zitat von saul7Das ist kriminell und gewissenlos und sollte bestraft werden. Elf Milliarden Dollar Schulden" zu verschweigen oder zu verstecken sind keine unbedeutende Ungenauigkeit" sondern eine Unverschämtheit.Irgendwie erinnert mich das Ganze an Herrn Koppers Ausspruch von den "Peanuts". In welcher Welt leben die Banker eigentlich????
Das verblödete Stimmvieh hüben wie drüben hat längst den Überblick über all die Milliarden und Billionen verloren, die da so in den Medien "herumschwirren". Zwar wissen auch die Schlichteren unter uns, dass aktuell alles, was wir Ökonomie nennen, auf einer gigantischen Geldblase basiert. Vorstellen, was genau das bedeutet, kann sich dies aber kaum einer. Auch nicht in den Medien oder der Politik. Wir fahren mit verbundenen Augen Motorrad. Voll Speed. Mit 180 km/h. Solange die Mehrheit für bestimmte Euro-Beträge arbeitet, den Tank voll bekommt, Urlaubsreisen machen kann usw. wird sich auch nichts ändern. Was solls also? Prost!
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