Kinderbücher im "Happy Meal" Foodwatch kritisiert McDonald's-Aktion

Bei McDonald's gibt es jetzt Lesestoff statt Spielzeug: Der Konzern verteilt ab sofort vier Millionen Kinderbücher - als Teil des "Happy Meals". Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft der Stiftung Lesen vor, sich für das Marketing der Fast-Food-Kette einspannen zu lassen.
Kinder bei McDonald's: Umstrittene Kooperation mit der Stiftung Lesen

Kinder bei McDonald's: Umstrittene Kooperation mit der Stiftung Lesen

Foto: Kristian Dowling/ Getty Images

Hamburg - Vier Wochen lang gibt es bei McDonald's nun Bücher zum Burger. Der Fast-Food-Konzern kooperiert bei der Aktion mit der Stiftung Lesen, einer gemeinnützigen Organisation, deren Ziel lautet: "Lesefreude wecken, um Lesekompetenz zu vermitteln." Die Stiftung bezeichnet die Aktion, bei der insgesamt vier Millionen Kinderbücher verteilt werden, als Chance, bildungsferne Schichten zu erreichen.

Doch ist dieses hehre Ziel Grund genug, Teil des Marketings der Burger-Kette zu werden? Die Verbraucherschützer von Foodwatch finden: nein. In einem Offenen Brief  übt die Organisation scharfe Kritik an dem Projekt und fordert von der Stiftung, "auf Kooperationen zu verzichten, die Unternehmen wie McDonald's helfen, ihre Geschäftsinteressen mit einem Bildungsauftrag für Kinder zu bemänteln".

In dem Brief heißt es weiter: "Die Stiftung Lesen unterstützt ein Unternehmen, das seit Jahrzehnten kalorienreiche Burger, Pommes und Softdrinks an Kinder vermarktet." Damit präge McDonald's den Geschmack und die Ernährungsgewohnheiten der Kleinsten, "damit sie ein Leben lang Kunden bleiben".

Foodwatch schreibt weiter, man teile die Ziele der Stiftung Lesen, bildungsfernen Schichten den Zugang zu Büchern zu erleichtern. Der Zweck heilige aber nicht die Mittel. Denn genauso wie Lesen sei es für Kinder wichtig, einen ausgewogenen Ernährungsstil zu lernen. Und genau dies werde durch die Aktion erschwert - immerhin seien die "Happy Meal"-Bücher bereits für Dreijährige gedacht.

"Man muss ungewöhnliche Wege gehen"

Bei der Stiftung Lesen reagiert man gelassen auf die Foodwatch-Kritik. "Es war uns bewusst, dass die Aktion für Kontroversen sorgen wird", sagte Bettina Müller, die Leiterin der Kommunikation, SPIEGEL ONLINE. "Wir sind aber der Meinung, dass man angesichts der erschreckend hohen Zahl von Analphabeten auch ungewöhnliche Wege gehen muss."

Insgesamt verteilt McDonald's in den kommenden vier Monaten acht verschiedene Bücher: Vorlese- und Bilderbücher für Drei- bis Fünfährige, Werke der "Was ist was?"-Reihe sowie die Titel "Conni geht in den Zoo" und "Der kleine Drache Kokosnuss".

Deutschland ist übrigens nicht das erste Land, in dem McDonald's zum "Happy Meal" Bücher verteilt. Anfang des Jahres sorgte die Aktion in Großbritannien für Aufregung. Der Chef einer Kampagne für gesunde Kinderernährung sprach von einer "unangemessenen Marketing-Strategie". Man müsse hinterfragen, ob es McDonald's Rolle in der Gesellschaft sei, sich um die Alphabetisierung der Kinder zu kümmern.

cte