Büro-Alltag Meine Kollegin arbeitet nicht!

Faulheit am Arbeitsplatz - in Millionen Büros ist das der absolute Klimakiller. Manche Kollegen reißen sich ein Bein aus, um die Firma voran zu bringen, und andere legen einfach nur die Beine hoch. Managementberater Rüdiger Klepsch verrät, wie Sie sich in dieser Situation verhalten sollten.
Untätigkeit am Arbeitsplatz: Manchmal ist eine Trennung unausweichlich

Untätigkeit am Arbeitsplatz: Manchmal ist eine Trennung unausweichlich

Foto: DDP

"Ich hatte über Jahre eine Kollegin, die schlicht nicht gearbeitet hat. Nennen wir sie Müller. Frau Müller war mit der Pflege ihrer Familie ganze Tage beschäftigt. Auf Arbeit hingegen entwickelte sie Tricks, jede noch so kleine Aufgabe in die Länge zu ziehen. Während meiner Zeit in ihrem Büro hat sie drei Führungskräfte verschlissen. Unser ganzes Team hat darunter gelitten, aber keiner konnte ihr klarmachen, das auch sie ihren Teil zu leisten hat." Ulrich S., Frankfurt am Main.

Lieber Herr S., eine Kollegin, die nicht arbeitet, ist in der Tat ein großes Problem. Dabei können die Gründe höchst verschieden sein: Manchmal ist es Faulheit, manchmal Kränkung durch frühere Erlebnisse, manchmal Angst zu versagen. Wie auch immer - eines steht fest: Die übrigen Kollegen werden entsprechend mehr belastet. Und aus duldendem Schweigen wird schnell Wut.

Dieses Problem muss zuvorderst der Vorgesetzte angehen, denn sonst hat er neben dem leistungsschwachen Mitarbeiter bald auch ein vollkommen unzufriedenes Team. Und als Arbeitsklima entsteht ein feucht-warmes Biotop, in dem "Spaltpilze" entstehen.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten:

  • Keine Lösung ist es, über den Kollegen hinter seinem Rücken zu reden. Auszugrenzen, zum Beispiel nicht gemeinsam Mittagessen, führt zu einem Teufelskreis.
  • Laufen lassen und die Augen zu machen. Das schafft nur schlechte Stimmung im Team, ist also ebenfalls keine Alternative.
  • Teamentwicklungs-Trainings durch externe Trainer machen bei solchen Problemen ebenfalls nur bedingt Sinn. Denn so umschifft man lediglich das eigentliche Problem und schwächt den Vorgesetzten, der ja einem Konflikt aus dem Weg geht.

Was soll man also tun?

Unzufriedene Kollegen sollten unter vier Augen auf den leistungsschwachen Mitarbeiter zugehen und konkret ihre Beobachtung mitteilen. Auch der Ärger, den das Nicht-Arbeiten auslöst, muss in diesem Gespräch benannt werden.

Ob sich dann tatsächlich etwas verändert, haben die Kollegen allerdings nicht in der Hand. Hier muss der Vorgesetzte aktiv werden:

1. Schritt: Termin vereinbaren und Feedback geben: Wie ist die ideale Soll-Situation? "Ich wünsche mir eine Mitarbeiterin, die ... Wo sehe ich Sie zurzeit? In der Situation 1, in der Situation 2 zeigten Sie das Verhalten … Damit bin ich unzufrieden!

2. Schritt: Wie kommt der Unterschied zwischen Soll und Ist zustande? Woher kommt der Leistungsabfall oder die Nicht-Leistung?

3. Schritt: Wie wollen Sie die Lücke schließen? Welche Vorstellungen haben Sie, um leistungsmäßig wieder aufzuschließen?

Wenn nichts vom Mitarbeiter kommt, muss der Vorgesetzte Vorgaben machen. Es geht also um konkrete und messbare Entwicklungsschritte, die klar vereinbart werden. Und um einen Termin, an dem der erreichte Stand ausgewertet wird.

Kommt es zu keiner Veränderung, folgen Kritikgespräche, die der Vorgesetzte dokumentieren muss. Wenn das alles nichts hilft, gibt es nur noch eins: Das Unternehmen muss sich von seinem Mitarbeiter trennen.