Angst um Sparguthaben Kunden stürmen bulgarische Großbank

Es ist der Alptraum für jedes Finanzinstitut: Lange Schlangen vor der Tür, verzweifelte Kunden, die ihr Geld wiederhaben wollen. Genau das passiert gerade der bulgarischen Corpbank. Die Zentralbank des Landes hat kurzerhand das Kommando übernommen.

Schlange vor der Bankzentrale in Sofia: Besorgte Kunden wollen ihr Geld zurück
REUTERS

Schlange vor der Bankzentrale in Sofia: Besorgte Kunden wollen ihr Geld zurück


Sofia - Es sind Bilder, die man zuletzt in der Finanzkrise gesehen hat: Vor der Zentrale der bulgarischen Corpbank haben sich am Freitag lange Schlangen gebildet. Die Kunden wollen ihr Geld abheben. Sie fürchten um ihr Erspartes.

Die Sorge ist wohl nicht ganz unbegründet. Am Freitagmorgen hatte das Institut die Zentralbank des Landes darüber informiert, dass es aufgrund eines Liquiditätsengpasses alle Zahlungen und Bankaktivitäten einstellen müsse. Die Notenbank griff daraufhin durch und übernahm vorrübergehend die Kontrolle. Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Bank werden für die kommenden drei Monate abgesetzt.

Die Corpbank ist die viertgrößte Bank des Landes. Der Handel der Aktie wurde am Freitagnachmittag ausgesetzt. Die Sperre solle bis kommenden Mittwoch anhalten, teilte die bulgarische Finanzaufsicht mit. "Die Maßnahme zielt darauf ab, die Investoren zu schützen und den Markt zu beruhigen und zu stabilisieren."

Die Zentralbank versuchte indes, die Sorgen der Sparer zu lindern: Corpbank sei nicht pleite, die Einlagen der Kunden seien garantiert. Zudem sei der Bankensektor nicht stark vernetzt. Deshalb dürften sich die Probleme der Corpbank nicht auf andere Geldhäuser ausweiten. Die russische VTB Bank, die Anteile an der Corpbank hält, habe bereits signalisiert, das strauchelnde Institut stützen zu wollen.

Warum die Bank in solche Schwierigkeiten geraten ist, war zunächst unklar. Im Mai hatte das Institut die Genehmigung von der Zentralbank erhalten, die bulgarische Sparte der französischen Großbank Credit Agricole zu übernehmen.

Ein plötzlicher Kundenansturm kann auch eine eigentlich gesunde Bank in große Schwierigkeiten bringen, weil die Finanzinstitute niemals 100 Prozent der Kundeneinlagen in bar vorhalten. Wenn alle Kunden gleichzeitig ihr Geld abheben wollen, kann das also nicht funktionieren.

stk/Reuters/AP



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
yves_matthes 20.06.2014
1. Auf die Plätze...
Man soll ja bei einem Feedback mit den positiven Seiten beginnen. Danke das so etwas hier veröffentlicht wird. "Es sind Bilder, die man zuletzt in der Finanzkrise gesehen hat" Wie sind mitten in einer Krise! Aber danke liebes Spiegel Team. Ihr bestätigt mir auch immer mehr was langsam um uns herum passiert. Lange ist es nicht mehr hin, bis das gesamte System kollabiert. Mal sehen wie uns die aufgesetzte Regierung diesmal abspeisen wird.
Rudolf_56 20.06.2014
2. verniedlicht
Zitat von sysopREUTERSEs ist der Alptraum für jedes Finanzinstitut: Lange Schlangen vor der Tür, verzweifelte Kunden, die ihr Geld wiederhaben wollen. Genau das passiert gerade der bulgarischen Corpbank. Die Zentralbank des Landes hat kurzerhand das Kommando übernommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bulgarien-kunden-stuermen-corpbank-a-976516.html
....weil die Finanzinstitute niemals 100 Prozent der Kundeneinlagen in bar vorhalten.... -so im Artikel. Eine herrliche Verniedlichung. Wenn die Banken in kurzer Zeit 10% der Spareinlagen bedienen können, ist das eine Ausnahme.
Privatier 20.06.2014
3. Um solchem Erlebnis zu entgehen, ist es alternativlos anderen Kunden zuvorzukommen!
Zitat von sysopREUTERSEs ist der Alptraum für jedes Finanzinstitut: Lange Schlangen vor der Tür, verzweifelte Kunden, die ihr Geld wiederhaben wollen. Genau das passiert gerade der bulgarischen Corpbank. Die Zentralbank des Landes hat kurzerhand das Kommando übernommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bulgarien-kunden-stuermen-corpbank-a-976516.html
Und dazu bereits in guten Zeiten die Scheidung zwischen seinem Vermögen und seiner Bank zu vollziehen. Angesichts der lärcherlichen aktuellen Zinssätze in der TransferEuroGemeinschaft ist es inzwischen ebenso unverantwortlich wie nutzlos, sein Vermögen gutgläubig der Willkür von Instituten auszusetzen, die nicht (mehr) annäherend lokal und kundenorientiert operieren, sondern inzwischen unter der Kandarre der obersten Europäischen Währungsglücksspielagentur, der EZB, auschließlich zur Befriedigung der Gier Großeuropas und seiner Vasallen fremdbestimmt werden. Wer mit seinem Vermögen nicht schnellstmöglichst vor Europas Banken das Weite sucht - und vor allem findet, so lange dies noch erlaubt ist - wird nicht mehr zu helfen sein, wenn dereinst Hr. Draghi die frisch installierte Taste "Europäischer zentraler Schalterschluß" drücken wird. Wer danach noch im Boot seiner Bank sitzt, wird unnachsichtig geschröpft und enteignet werden, und von heute auf morgen vom Kunden zu einem Teil der zu verwurstenden Konkursmasse mutieren. MfG
Lexx 20.06.2014
4.
zum Post Nr.1 : dazu wird in absehbarer Zeit nicht kommen. Sobald es zu kollabieren droht, gibt es halt Krieg. Wichtige Entscheidungen werden im geheimen getroffen und die Menschheit hat dann andere Probleme. Und schuld am elend ist dann nicht das Geldsystem, sondern dieser verdammte Krieg...
nofreemen 20.06.2014
5. Banking: Entwendung zum Gebrauch ist auch Diebstahl
...weil Finanzinstitute niemsls 100 % der Kundeneinlagen vorhalten. Genau dies ist ja das Problem. Das darf man de Banken nicht mehr durchlassen. Das ist Diebstahl auf Zeit. Das Risiko trägt wieder einmal der Bürger. Der kleine gerne grosse Banker duckt sich einfach weg. Schweinerei.
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