Bulgarien RWE prüft Ausstieg aus umstrittenem Atomprojekt

RWE überprüft seine Investitionen in Bulgarien. Da es beim Bau eines Atommeilers nahe der Stadt Belene Finanzierungsprobleme gibt, erwägt der Energiekonzern nun den Ausstieg aus dem Engagement - eines der umstrittensten Nuklearprojekte Europas droht zu platzen.

AKW-Baustelle bei Belene: Umstrittenes Atomprojekt vor dem Aus
REUTERS

AKW-Baustelle bei Belene: Umstrittenes Atomprojekt vor dem Aus


Essen - Der Bau eines Atomkraftwerks nahe der erdbebengefährdeten bulgarischen Stadt Belene hat europaweit für Proteste gesorgt - jetzt steht das Projekt vor dem Aus, weil einer seiner wichtigsten Investoren abzuspringen droht.

Nach eigenen Angaben prüft der deutsche Energieriese RWE den Ausstieg aus dem umstrittenen Atomkraftwerksprojekt. "Wir haben den Bau von Anfang an vom Erreichen bestimmter Meilensteine abhängig gemacht. Dazu gehört auch die Finanzierung. Fakt ist, dass es mit der Finanzierung auf bulgarischer Seite nun Schwierigkeiten gibt", sagte eine Sprecherin. Eine Entscheidung über die Zukunft von Belene sei in der Konzernführung aber noch nicht gefallen. Derzeit liefen "intensive Gespräche".

Die Aussagen der Sprecherin decken sich mit einem Bericht der "Süddeutsche Zeitung". Laut diesem hat der bulgarische Wirtschaftsminister Traicho Traikow vor dem Parlament in Sofia davor gewarnt, dass sich der Essener Konzern aus dem Milliardenprojekt zurückziehen könnte. "Unser Wunsch ist es, den Prozess mit RWE fortzusetzen", sagte der Politiker. Da sich RWE aber nicht deutlicher zu Belene bekenne, beginne die Regierung nun ohne Verzögerung mit unabhängigen Planungen.

RWE war im vergangenen Jahr in die Projektgesellschaft für das AKW eingestiegen. Bulgarien hält 51 Prozent der Anteile, RWE den Rest. Die bulgarische Regierung sucht neue Investoren, um ihren Anteil an der Finanzierung zu sichern. Dies gilt allerdings wegen der Wirtschaftskrise als praktisch unmöglich. Auch RWE hatte sich bereits vergeblich um einen weiteren Partner bemüht.

ssu/dpa-AFX



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