Untersuchung Diese Regionalflughäfen sind laut Umweltschützern überflüssig

Umweltschützer des BUND haben zahlreiche Regionalflughäfen in Deutschland scharf kritisiert. Zwölf von 14 schrieben laut einer Analyse der Organisation ohne öffentliche Subventionen rote Zahlen.
Geparkte Maschinen am Flughafen Erfurt-Weimar: Sollte nach Ansicht der Umweltschützer sofort geschlossen werden

Geparkte Maschinen am Flughafen Erfurt-Weimar: Sollte nach Ansicht der Umweltschützer sofort geschlossen werden

Foto: Karina Hessland / imago images

Schon der Titel der von der Umweltorganisation BUND in Auftrag gegebenen Untersuchung zu deutschen Regionalflughäfen hat es in sich. Er lautet: "Ökonomisch und klimapolitisch unverantwortliche Subventionen" - und hinter dem Deckblatt der vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) vorgenommenen Analyse geht die Kritik an den oft als "Landratspisten" verspotteten Flughäfen in der Provinz weiter.

Nur drei von 14 untersuchten Standorten hätten einen verkehrspolitischen Nutzen durch die Anbindung ihrer Region an den internationalen Flugverkehr. Bei den restlichen angebotenen Verbindungen handele es sich fast ausnahmslos um Urlaubsflüge. Die Untersuchung fordert daher die sofortige Schließung der Hälfte der 14 Regionalflughäfen.

Untersucht wurden ausgewählte regionale Airports, in der Regel die kleineren der 24 sogenannten Hauptverkehrsflughäfen in Deutschland. Die Untersuchung  beschäftigt sich mit der Wirtschaftlichkeit, der Bedeutung für die Verkehrsanbindung und der Entwicklung der Passagierzahlen von Flughäfen mit 200.000 bis drei Millionen Fluggästen im Jahr.

Nutzungszahlen stünden "in keinem Verhältnis zu Klimaschäden"

Nach Abzug der Subventionen wiesen zwölf der 14 untersuchten Flughäfen anhaltend negative Jahresergebnisse auf, teilte das FÖS mit. Gründe dafür sind demnach oft rückläufige Passagierzahlen, Überkapazitäten, Ineffizienzen im Flughafensystem und regionaler Wettbewerb. Die Unterstützung kleiner Flughäfen mit Steuermitteln sei eine klimaschädliche Geldverschwendung, sagte BUND-Chef Olaf Bandt.

Die Regionalflughäfen zeigten "die ganze Absurdität des Fliegens" auf, sagte Bandt. Die Nutzungszahlen stünden "in keinem Verhältnis zu Klimaschäden und den Subventionen". Am Betrieb der Regionalflughäfen gibt es immer wieder Kritik, wie etwa nach der Pleite der Fluggesellschaft Germania. Ungeachtet dessen hat erst diese Woche der Flughafen Lübeck nach jahrelanger Pause mit einem neuen Investor wiedereröffnet - unter scharfem Protest, wie unter anderem der Norddeutsche Rundfunk berichtete .

Flughafenverband verweist auf wirtschaftliche Effekte in den Regionen

In der Untersuchung von BUND und FÖS nun bewertet wurden die Flughäfen Bremen, Dresden, Dortmund, Erfurt-Weimar, Frankfurt-Hahn, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden, Kassel-Calden, Memmingen, Münster/Osnabrück, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken. Grundlage waren die Geschäftsberichte 2014 bis 2018.

  • Bremen und Memmingen schnitten mit einer "gelben Karte" und zwei positiven Bewertungen in den drei Kategorien noch am besten ab.

  • Je eine positive Bewertung und damit eine "orangefarbene Karte" gingen an Dresden, Dortmund, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Münster/Osnabrück.

  • Sofort geschlossen werden sollten aus Sicht der Umweltschützer diejenigen Regionalflughäfen, die nur negative Bewertungen und damit eine "rote Karte" erhielten:
    Erfurt-Weimar, Frankfurt-Hahn, Kassel-Calden, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken.

Der Flughafenverband ADV kritisierte die Studie scharf. Ein pauschales Urteil zur Daseinsberechtigung von kleineren Flughäfen anhand von rein betriebswirtschaftlichen Kennzahlen vorzunehmen, sei voreilig und greife zu kurz. Entscheidend seien die wirtschaftlichen Effekte in der Region, die durch den Flughafen erzielt würden.

Der ADV verlangte Kostenentlastungen insbesondere bei Sicherheitsvorkehrungen, die in anderen EU-Ländern vom Staat getragen würden. Das polyzentrische Flughafensystem sei ein Abbild der föderalen Struktur Deutschlands mit seinen starken Wirtschaftszentren und Metropolregionen.

apr/dpa
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