Negative Zinsen Rendite für Bundesanleihen fällt auf Rekordtief

Wenn der deutsche Staat 100 Euro Schulden aufnimmt, bekommt er 21 Cent geschenkt: Die Rendite für Bundesanleihen ist deutlich gesunken. Grund sind Äußerungen Donald Trumps.
Finanzminister Olaf Scholz bei einem Gespräch mit Pierre Moscovici, dem EU-Wirtschaftskommissar

Finanzminister Olaf Scholz bei einem Gespräch mit Pierre Moscovici, dem EU-Wirtschaftskommissar

Foto: Francisco Seco/ dpa

Die Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump halten die Finanzmärkte in Atem. Neben dem Handelskonflikt mit China hat der Präsident die Auseinandersetzungen mit Mexiko wieder angeheizt - und zwar just in einem Moment, in dem die Märkte eigentlich davon ausgingen, die Auseinandersetzung mit dem Nachbarland sei beigelegt.

Investoren haben darauf mit Umschichtungen in verhältnismäßig sichere Anlagearten reagiert, insbesondere in Staatsanleihen solventer Industriestaaten. Die höhere Nachfrage nach den Wertpapieren kann die betroffenen Staaten freuen: Sie finanzieren mit solchen Anleihen ihre Staatsdefizite. Bleibt der Zinssatz auch bis zur nächsten Ausgaberunde niedrig, macht die Regierung damit sogar einen Gewinn.

Normalerweise müssen die Staaten den Investoren für diese Darlehen Geld zahlen, also Zinsen als Rendite. Wenn sich besonders viele Investoren um die Papiere reißen, sinkt die Rendite allerdings. Zuletzt lag sie im Falle deutscher Bundesanleihen sogar im negativen Bereich. Die aktuelle Entwicklung hat das noch verstärkt: Der Zins für zehnjährige Bundesanleihen hat so ein neues Rekordtief von minus 0,21 Prozent. Damit wurde der Rekord aus dem Jahr 2016 leicht unterboten.

Mit anderen Worten: Wenn der Staat über Bundesanleihen 100 Euro Schulden macht, muss er dafür keine Zinsen bezahlen - sondern bekommt im Gegenzug von den Gläubigern sogar 21 Cent gezahlt.

Enttäuschende Zahlen aus China

Deutlichen Zinsdruck gab es auch an vielen anderen Märkten für Staatsanleihen, nicht nur im Euroraum. In den USA fiel die Rendite für zehnjähriger Staatsanleihen weiter in Richtung der Marke von zwei Prozent. In Japan und der Schweiz drifteten die Renditen weiter in den negativen Bereich ab.

Erneut hat die protektionistische Handelspolitik von US-Präsident Trump für Verunsicherung gesorgt. Trump will Mexiko mit Strafzöllen dazu zwingen, die illegale Migration durch das Land in die Vereinigten Staaten zu stoppen. Vom 10. Juni an würden Zölle in Höhe von fünf Prozent auf sämtliche Einfuhren aus Mexiko erhoben. Damit macht Trump neben dem Handelskonflikt mit China eine weitere Front auf.

Auftrieb erhielten sichere Anlagen auch durch enttäuschende Konjunkturdaten aus China. Der Einkaufsmanagerindex der Regierung fiel unter die Schwelle von 50 Punkten. Alle Werte darüber signalisieren Wachstum, Werte darunter ein Schrumpfen der Wirtschaft.

beb/Reuters