Negative Zinsen Rendite für Bundesanleihen fällt auf Rekordtief

Wenn der deutsche Staat 100 Euro Schulden aufnimmt, bekommt er 21 Cent geschenkt: Die Rendite für Bundesanleihen ist deutlich gesunken. Grund sind Äußerungen Donald Trumps.

Finanzminister Olaf Scholz bei einem Gespräch mit Pierre Moscovici, dem EU-Wirtschaftskommissar
DPA

Finanzminister Olaf Scholz bei einem Gespräch mit Pierre Moscovici, dem EU-Wirtschaftskommissar


Die Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump halten die Finanzmärkte in Atem. Neben dem Handelskonflikt mit China hat der Präsident die Auseinandersetzungen mit Mexiko wieder angeheizt - und zwar just in einem Moment, in dem die Märkte eigentlich davon ausgingen, die Auseinandersetzung mit dem Nachbarland sei beigelegt.

Investoren haben darauf mit Umschichtungen in verhältnismäßig sichere Anlagearten reagiert, insbesondere in Staatsanleihen solventer Industriestaaten. Die höhere Nachfrage nach den Wertpapieren kann die betroffenen Staaten freuen: Sie finanzieren mit solchen Anleihen ihre Staatsdefizite. Bleibt der Zinssatz auch bis zur nächsten Ausgaberunde niedrig, macht die Regierung damit sogar einen Gewinn.

Normalerweise müssen die Staaten den Investoren für diese Darlehen Geld zahlen, also Zinsen als Rendite. Wenn sich besonders viele Investoren um die Papiere reißen, sinkt die Rendite allerdings. Zuletzt lag sie im Falle deutscher Bundesanleihen sogar im negativen Bereich. Die aktuelle Entwicklung hat das noch verstärkt: Der Zins für zehnjährige Bundesanleihen hat so ein neues Rekordtief von minus 0,21 Prozent. Damit wurde der Rekord aus dem Jahr 2016 leicht unterboten.

Mit anderen Worten: Wenn der Staat über Bundesanleihen 100 Euro Schulden macht, muss er dafür keine Zinsen bezahlen - sondern bekommt im Gegenzug von den Gläubigern sogar 21 Cent gezahlt.

Enttäuschende Zahlen aus China

Deutlichen Zinsdruck gab es auch an vielen anderen Märkten für Staatsanleihen, nicht nur im Euroraum. In den USA fiel die Rendite für zehnjähriger Staatsanleihen weiter in Richtung der Marke von zwei Prozent. In Japan und der Schweiz drifteten die Renditen weiter in den negativen Bereich ab.

Erneut hat die protektionistische Handelspolitik von US-Präsident Trump für Verunsicherung gesorgt. Trump will Mexiko mit Strafzöllen dazu zwingen, die illegale Migration durch das Land in die Vereinigten Staaten zu stoppen. Vom 10. Juni an würden Zölle in Höhe von fünf Prozent auf sämtliche Einfuhren aus Mexiko erhoben. Damit macht Trump neben dem Handelskonflikt mit China eine weitere Front auf.

Auftrieb erhielten sichere Anlagen auch durch enttäuschende Konjunkturdaten aus China. Der Einkaufsmanagerindex der Regierung fiel unter die Schwelle von 50 Punkten. Alle Werte darüber signalisieren Wachstum, Werte darunter ein Schrumpfen der Wirtschaft.

beb/Reuters

Mehr zum Thema


insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pauschaltourist 31.05.2019
1.
Klasse. Nun bitte Anleihen für 1,5 Billionen Euro auageben und die Bundesschulden auf einen Schlag zurückzahlen. Wir sparen Zinsen :)
TomTheViking 31.05.2019
2. einfach nur noch krank wie sich der Staat auf Kosten der Sparer
entschuldet. Rentenversicherungen waren nie die Rendite Renner. Aber wer seine Policen durchhielt wurde dafür belohnt. Heute sind das alles nur noch Schrottpapiere, kann man sein Geld auch unterm Kopfkissen verstecken. Aktien sind nun mal riskant und Immobilienfonds auch. Nicht jeder kann die eigene Immobilie als Altersvorsorge stemmen. Gerade die Kleinsparer der finanziell gesehen unteren Schichten welche ihren Hintern zu schlecht bezahlten Jobs schieben, vor denen ich aber größere Hochachtung habe als vor Dummschwätzern in Politik und Medien....... Gerade diesen Leuten tritt der Staat in den Allerwertesten und pampert die Sozialmatte auch für Leute die sich dort eingerichtet aber nichts zu suchen haben. Zu Lasten Derer die aus eigener Kraft nicht mehr können.
michael1971 31.05.2019
3. Warum investiert jemand in Wertpapiere mit Negativzins?
Ich kann mir nicht recht erklären, was der Vorteil dabei sein könnte, statt es unverzinst liegen zu lassen. Kann man daraus irgendwelche steuerlichen Vorteile entwickeln? Oder kann eine Motivation sein, es sicher anzulegen, falls der Euro theoretisch entwertet werden könnte? Für mich ist das ein Rätsel..
shardan 31.05.2019
4. America first??
Nun ja. Irgendwie muss man die Mexikaner ja zwingen, die Mauer zu bezahlen..... Anyways. In ein paar Jahren wird sich zeigen, wohin das "America First" dieses Trumpels führt. Meine Prognose: USA isoliert, abgehängt und in weiten Teilen rückständig, dafür ist China die erste Weltmacht. Aber dafür sind die Amis fein unter sich. Die Konsequenzen für den Menschen sind solchen Nationalisten nicht nur in den USA vollkommen wurst. Das dann wieder aufzuholen wird für die USA sehr, sehr schwierig.
mccartney11 31.05.2019
5. Lachplatte....
an der die Niedgrigzins-Katastrophe in Europa ist nun auch Donald Trump schuld? Sorry -Spon ihr lebt wirklich in einem absoluten Parallell-Universum. Wahrscheinlich ist er auch der Verursachen von Krebs und Cholera..... unfassbarer fake news nonsense , der hier verzapft wird. Wirklich unglaublich........Wundert Euch nicht , wenn mit solchem BS Euch die Leser weglaufen....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.