Steigende Corona-Zahlen Deutsche Wirtschaft erholt sich langsamer

Im Sommer haben Deutschlands Unternehmen mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs in der Coronakrise wettgemacht. Nun rechnet die Bundesbank damit, dass sich die Konjunktur wieder eintrübt.
Einzelhändler in Hamburg: Zeit positiver Nachrichten "erst einmal vorbei"

Einzelhändler in Hamburg: Zeit positiver Nachrichten "erst einmal vorbei"

Foto: Christian Charisius/ DPA

Nicht nur die Unternehmen schauen derzeit mit einer großen Portion Skepsis auf die nähere Zukunft. Auch die Bundesbank befürchtet, dass die konjunkturelle Erholung wegen der aktuellen Infektionswelle erst einmal ausgebremst wird. "Aus heutiger Perspektive dürfte die deutsche Wirtschaft ihre Erholung im laufenden Vierteljahr zwar fortsetzen, dabei jedoch eine erheblich langsamere Gangart einlegen", schreibt die Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. "Das Vorkrisenniveau dürfte auch zum Jahresende noch deutlich unterschritten werden."

Diese Einschätzung folgt auf eine monatelange Phase der Besserung. Im Zeitraum Juli bis September sei die Wirtschaftsleistung "stark angestiegen", schreibt die Bundesbank. Gemessen am vierteljährlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte bereits mehr als die Hälfte des drastischen Einbruchs im Frühjahr wieder wettgemacht worden sein.

Krise führt zu strengeren Kreditvergaben

Doch mit den steigenden Infektionszahlen schwächelt auch die Wirtschaft erneut. Bei der Kreditvergabe, prognostiziert die Bundesbank, könnten viele Geldhäuser nun wieder restriktiver werden. Durch den konjunkturellen Einbruch aufgrund der Pandemie sei "mit einer Eintrübung der Ertragslage der deutschen Banken zu rechnen". Zudem legen die Institute wieder deutlich mehr Geld für mögliche Kreditausfälle zurück.

Pessimistischer noch als die Bundesbank beurteilt die Bundesregierung die Lage. Die deutsche Wirtschaft schrammt danach in diesem Jahr voraussichtlich um Haaresbreite am tiefsten Wirtschaftseinbruch seit Gründung der Bundesrepublik vorbei. In der für Mittwoch erwarteten Herbstprognose werde Wirtschaftsminister Peter Altmaier die Erwartung an die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr leicht anheben auf minus 5,5 Prozent von zuvor minus 5,8 Prozent, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag von einer mit der Abstimmung in der Regierung vertrauten Person. Für 2021 gehe Altmaier unverändert von einem Wachstum um 4,4 Prozent aus. Die Rezession als Folge der Corona-Pandemie bliebe damit in diesem Jahr knapp unterhalb der Rekordmarke von minus 5,7 Prozent im Jahr 2009 im Zuge der globalen Finanzkrise. Das Bundeswirtschaftsministerium war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Am Morgen hatten das Ifo-Institut eine ähnlich pessimistische Stimmung aus den Unternehmen gemeldet. Danach fiel der Geschäftsklima-Index im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Punkte auf 92,7 Punkte und damit stärker als erwartet. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 93,0 Punkte gerechnet.

Schlechte Nachrichten, aber keine zweite Rezession

Die Zeit positiver konjunktureller Nachrichten dürfte "erst einmal vorbei sein", kommentierte der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, Uwe Burkert, die jüngsten Veröffentlichungen. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet für das Schlussquartal 2020 jedoch nicht mit einer zweiten Rezession, da "ein erneuter undifferenzierter Lockdown unwahrscheinlich" sei: "Anders als bei der ersten Corona-Welle dürfte die Regierung ein Dichtmachen der Geschäfte vermeiden wollen."

Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands um 9,7 Prozent zum Vorquartal abgesackt. Dies war nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen im Jahr 1970.

rai/dpa/Reuters
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