Facebooks Digitalwährung Bundesbank fordert Überprüfung von Libra

Aufseher und Währungshüter sollen aus Sicht der Bundesbank Facebooks Digitalwährung Libra sorgfältig prüfen. Finanzstabilität und Sicherheit des Zahlungsverkehrs dürften nicht beeinträchtigt werden.
Deutsche-Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: "Notenbankaufgaben müssen Vorrang haben"

Deutsche-Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: "Notenbankaufgaben müssen Vorrang haben"

Foto: Herbert Neubauer/ dpa

Die Deutsche Bundesbank befürchtet Folgen für die Sicherheit des Zahlungsverkehrs und die Finanzstabilität durch Facebooks geplante Digitalwährung Libra. Zwar seien wichtige Fragen zum Vorgehen des Libra-Konsortiums um Facebook noch offen, schrieb die Notenbank in ihrem Monatsbericht. "Gleichwohl scheint es sinnvoll, dass Aufsichtsbehörden und Zentralbanken das Vorhaben schon jetzt sorgfältig beobachten und bewerten."

Grundsätzlich könnten sogenannte Stable Coins wie Libra die teilweise sehr hohen Gebühren bei grenzüberschreitenden Überweisungen senken, erläuterte die Notenbank. Zugleich könnten sie klassische Zentralbankaufgaben berühren. "Die Erfüllung der gesetzlichen Notenbankaufgaben muss jedoch Vorrang haben vor privaten geschäftspolitischen Interessen", schrieb die Bundesbank. Wichtige Ziele wie die Geldwertstabilität, die Finanzstabilität und die Sicherheit des Zahlungsverkehrs dürften nicht beeinträchtigt werden.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte im Juni die Einführung der eigenen Internetwährung angekündigt. Mit stabilen Währungen wie Dollar oder Euro soll man sie ab 2020 kaufen können. Libra könnte dann nach Vorstellungen von Facebook vor allem für grenzüberschreitende Überweisungen, aber auch zum Bezahlen von Einkäufen eingesetzt werden. Kursschwankungen sollen vermieden werden, indem die Libra an einen Korb etablierter Währungen gekoppelt und durch Staatsanleihen abgesichert wird. 28 private Unternehmen wie Mastercard , Visa, PayPal und Uber gehören zu den ersten Partnern.

Bundesbank will kein eigenes digitales Geld ausgeben

Die Diskussionen über solche Stable Coins hatten zuletzt auch die Frage aufkommen lassen, ob Notenbanken nicht eigenes digitales Zentralbankgeld ausgeben sollten. Die Bundesbank ist hier weiterhin skeptisch. Aus heutiger Perspektive sei dafür keine Notwendigkeit erkennbar, heißt es im Monatsbericht.

Die großen Wirtschaftsmächte stehen einer möglichen Libra-Einführung äußerst kritisch gegenüber. Bei ihrem Treffen hatten die Finanzminister der sieben großen Industrieländer (G7) und die Chefs der großen Notenbanken jüngst unisono "schwere Bedenken" gegen das Facebook-Geld zum Ausdruck gebracht. Zweifel gibt es unter anderem daran, wie effizient bei Libra Geldwäsche und Terrorfinanzierung unterbunden werden können.

Auch im US-Kongress wird das Projekt scharf kritisiert, ein Abgeordneter findet es gar gefährlicher als Osama Bin Laden.

hej/dpa-AFX