Nach zehn Jahren im Amt Bundesbank-Präsident Weidmann tritt zurück

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann will sein Amt aus persönlichen Gründen zum Jahresende aufgeben. Nach zehn Jahren an der Spitze sei es an der Zeit, »ein neues Kapitel aufzuschlagen«.
Jens Weidmann 2019: Hängt am »stabilitätspolitischen Erbe« der Bundesbank

Jens Weidmann 2019: Hängt am »stabilitätspolitischen Erbe« der Bundesbank

Foto: Arne Dedert / dpa

Jens Weidmann steht seit Mai 2011 an der Spitze der Bundesbank, nun möchte er zum Jahresende überraschend sein Amt aufgeben. Er habe Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier um seine Entlassung zum 31. Dezember 2021 gebeten, teilte die Zentralbank in Frankfurt am Main mit .

Der Rückzug erfolge aus persönlichen Gründen, heißt es in der Mitteilung. »Ich bin zur Überzeugung gelangt, dass mehr als zehn Jahre ein gutes Zeitmaß sind, um ein neues Kapitel aufzuschlagen – für die Bundesbank, aber auch für mich persönlich«, schreibt Weidmann in einem Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank.

Schwierige Gespräche im EZB-Rat

Die genauen Gründe für den Rückzug des 53-Jährigen sind bislang unklar. In dem Brief blickte er jedoch auf die bisweilen »schwierigen Diskussionen« im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Führung von Christine Lagarde in den vergangenen Jahren zurück, in denen aber zumindest eine »offene und konstruktive Atmosphäre« geherrscht habe.

Die EZB-Chefin sagte über Weidmann nach dessen Rückzugsankündigung, er sei ein »guter persönlicher Freund, auf dessen Loyalität ich immer zählen konnte«. Sie respektiere seine Entscheidung, bedauere sie jedoch sehr, so Lagarde. Weidmann habe »klare Ansichten« zur Geldpolitik vertreten, aber im EZB-Rat immer kompromissbereit nach Lösungen gesucht.

Womöglich haderte Weidmann jedoch damit, dass die Bundesbank im europäischen Gefüge an Einfluss verlor. Er mahnte an, dass geldpolitische Richtungsentscheidungen auch »gelebt« werden müssen. »Dabei wird es entscheidend sein, nicht einseitig auf Deflationsrisiken zu schauen, sondern auch perspektivische Inflationsgefahren nicht aus dem Blick zu verlieren.« Seit Monaten steigen in Deutschland und in Europa die Verbraucherpreise.

Krisenmaßnahmen mit ihrer außergewöhnlichen Flexibilität seien »nur in der Notsituation, für die sie geschaffen wurden, verhältnismäßig«, schrieb Weidmann. Er verwies darauf, dass ein klareres Inflationsziel vereinbart worden sei – und Nebenwirkungen und insbesondere Finanzstabilitätsrisiken stärker in den Blick genommen werden sollten.

Führt bald eine Frau die Bundesbank?

Der promovierte Volkswirt hatte in der Vergangenheit immer wieder die ultralockere EZB-Geldpolitik angegriffen. Er sprach der gemeinsamen Geldpolitik aber bezogen auf die Zeit der Pandemie eine »bedeutende, stabilisierende Rolle« zu.

Der Entschluss, sich von der Spitze der Bundesbank zurückzuziehen, sei ihm nicht leicht gefallen, schrieb Weidmann. Er verwies auf erreichte Erfolge in seiner Amtszeit, dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seines Instituts – und riet ihnen: »Bleiben Sie eine hörbare Stimme der Vernunft in den öffentlichen Diskussionen und bewahren Sie das wichtige stabilitätspolitische Erbe der Bundesbank.«

Weidmann hatte einst als damals jüngster Bundesbankpräsident im Alter von 43 Jahren von Axel Weber übernommen. Schon bald dürften auch Diskussionen über seine Nachfolge entbrennen.

Hoffnungen auf den Posten dürften sich insbesondere zwei Frauen machen. Zum einen Claudia Maria Buch – die frühere Wirtschaftsweise ist bereits seit 2014 Vizepräsidentin der Bundesbank. Zum anderen Isabel Schnabel, die bis 2019 ebenfalls dem Sachverständigenrat angehörte und seit 2020 Mitglied des EZB-Direktoriums ist.

apr

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