Bundesbankpräsident Weidmann hält Inflationsrate unter null für möglich

Der fallende Ölpreis könnte laut Bundesbank die Inflationsrate in Deutschland unter null drücken. Eine gefährliche Deflation wäre das aber noch nicht.

Jens Weidmann: Inflationsrate unter null "stellt für mich noch keine Deflation dar"
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Jens Weidmann: Inflationsrate unter null "stellt für mich noch keine Deflation dar"


Frankfurt am Main - Die Talfahrt des Ölpreises beschleunigt sich. Angesichts dessen schließt die Bundesbank negative Inflationsraten in Deutschland nicht mehr aus.

"Die Inflationsrate könnte in den nächsten Monaten unter null sinken", sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann am Montagabend vor Journalisten in Frankfurt. Die bereits deutlich auf 1,1 Prozent für das kommende Jahr gesenkte Prognose der Bundesbank dürfte damit nochmals unterschritten werden - denn der Ölpreis sei seit Mitte November um 25 Prozent gefallen.

Weidmann sieht darin aber kein Argument für eine starke Gegenreaktion der EZB - etwa in Form der von EZB-Chef Mario Draghi in Aussicht gestellten, breit angelegten Staatsanleihenkäufe: Unter den Notenbankern ist ein Streit um die geldpolitischen Maßnahmen ausgebrochen.

Gleichzeitig betonte Weidmann: "Eine für einige Monate unter null liegende Inflationsrate stellt für mich noch keine Deflation dar." Ein solcher Preisverfall liege erst dann vor, wenn es zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale aus negativen Inflationsraten, Rückgängen der Wirtschaftsleistung und Lohnsenkungen komme: "Dieses Risiko ist weiterhin gering." Allerdings werde der Preisauftrieb noch längere Zeit auf einem niedrigen, vielleicht sogar sehr niedrigen Niveau bleiben.

bos/dpa/Reuters

insgesamt 16 Beiträge
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Emmi 16.12.2014
1. Ich halte sogar Temperaturen von unter 0 für möglich!
Ich halte sogar Temperaturen von unter 0 Grad für möglich! Celsius, wohlgemerkt. Vor allem im Winter... Im Ernst: Das ist doch bei einer IR in der Nähe des Gefrierpunkts nun wirklich keine hellseherische Leistung, zu prophezeihen, dass es da auch mal kurz ins negative gehen könnte. Was ist das denn für ne Meldung!?
tailspin 16.12.2014
2. Ich liebe Deflation
Deflation ist nur fuer Geldverschwender gefaehrlich, die auf Pump leben. Fuer die anderen ist es ein Segen.
KuGen 16.12.2014
3. Japan zeigt seit 20 Jahren....
.....das eine leichte Deflation unproblematisch ist. Alles andere ist Ideologie.
wut62 16.12.2014
4. Inflation und Deflation
Deflation an sich ist nicht gut! Keine Frage,---- aber nicht in der augenblicklichen Situation. Die von Draghi angestrebte Inflationsrate von 2% soll es richten, --- funktionier aber nicht in der augenblicklichen Situation. Kein Unternehmen, wird seine Produkte über eine längere Zeit nicht zu Herstellkosten (oder darunter) anbieten können. Fazit: Deflation in der augenblicklichen Situation verhindert Vernichtung von Kapital und Kaufkraft, besonders unter Berücksichtigung der von der EZB künstlich angeordnete 0-Zins Politik. Kein Bürger wird wegen einer diskutierten Deflation seine Investitionen und Ausgaben einschränken, im Gegenteil: Durch die Angstmache des Euro-Crashs, investieren die Bürger in Immobilien, Renovierungen und in zweifelhafte Kapitalanlagen, usw.. Deflation bzw. Preisstabilität ist im Augenblick der Anker in einer nicht mehr beherrschbaren weltweiten Finanzmarkt Entwicklung. Lassen wir uns nicht von den "Experten" verrückt machen. Weidmann ist offensichtlich der Einzige, der die Lage noch überblickt.
kinngrimm 16.12.2014
5. und die schlechte Nachricht ist was?
Ah ja genau, wie von Elisabeth Warren angekreidet in der Washington Post, können Amerikanische Banken jetzt wieder durch Bailout aus dem Dreck gezogen werden. Damit sind wurden die Regulierungen welche 2010 als Reaktion auf den Kollaps 2008 eingeführt wurden wieder Rückgängig gemacht. Huckepack mit dem neuen Haushalt hat die Bankenlobby das eingefädelt. Auf zur nächsten Runde, ich hoffe mal das unsere Wirtschaft bereit ist für die nächste Blase aus Amerika. Wer gewinnt bei solchen Geschichten eigentlich ""immer""? Ah die Banken. Wer verliert? Die doofen Anleger und die noch dümmeren Steuerzahler. Na dann ist ja alles klar. http://www.washingtonpost.com/blogs/wonkblog/wp/2014/12/14/elizabeth-warren-is-changing-washington-without-giving-up-her-outside-status/?tid=gravity_1.0_strip_3
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