Illegales Preiskartell Pflanzenschutzmittel-Händler müssen 155 Millionen Euro Geldbuße zahlen

Die Zeche zahlten die Käufer: Fast zwei Jahrzehnte lang haben sieben Großhändler ihre Preise für Pflanzenschutzmittel eng abgestimmt. Jetzt hat das Bundeskartellamt hohe Bußgelder verhängt.
Agravis-Lagerhalle: Der Agrarhändler akzeptierte eine Geldbuße in Höhe von fast 44 Millionen Euro

Agravis-Lagerhalle: Der Agrarhändler akzeptierte eine Geldbuße in Höhe von fast 44 Millionen Euro

Foto: Oliver Krato/ picture alliance/dpa

Rund 18 Jahre lang sollen sie sich verbotenerweise bei den Preisen abgesprochen haben: Das Bundeskartellamt hat Bußgelder in Höhe von insgesamt fast 155 Millionen Euro gegen sieben Pflanzenschutzmittel-Großhändler und deren Verantwortliche verhängt.

"Unsere Ermittlungen haben gezeigt, dass die Unternehmen seit dem Jahr 1998 bis zum Zeitpunkt unserer Durchsuchung im März 2015 jeweils im Frühjahr und Herbst ihre Preislisten für Pflanzenschutzmittel miteinander abgestimmt haben", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Dies habe weitgehend einheitliche Preislisten für die Kunden zur Folge gehabt.

Der zweitgrößte europäische Agrarhändler Agravis hatte zuvor bereits mitgeteilt, eine Geldbuße der Wettbewerbshüter in Höhe von fast 44 Millionen Euro akzeptiert zu haben. Der Wettbewerber Baywa akzeptierte nach eigenen Angaben eine Geldbuße in Höhe von fast 69 Millionen Euro. Weitere Bußgelder wurden gegen die Unternehmen Agro Agrargroßhandel, BSL Betriebsmittel Service Logistik, die Getreide AG, die Raiffeisen Waren GmbH in Kassel und die ZG Raiffeisen eG in Karlsruhe ausgesprochen.

Vier führende Großhändler übernahmen Vorabstimmung der Preise

Die Beiselen GmbH profitierte von der Kronzeugenregelung. Ihr wurde das Bußgeld erlassen. Gegen zwei weitere Unternehmen werde noch ermittelt, teilte die Behörde mit.

In der Anfangszeit des Kartells trafen sich die Unternehmen nach den Ermittlungen des Kartellamts mehrmals im Jahr, um sich auf Listenpreise zu verständigen. In den späteren Jahren sei die Abstimmung dann überwiegend schriftlich und telefonisch erfolgt. Die vier führenden Großhändler im Markt hätten dabei die Vorabstimmung der Kalkulation übernommen.

Erst Durchsuchungen des Bundeskartellamts im März 2015 hätten die kartellrechtswidrigen Praktiken beendet. Die Bußgelder sind noch nicht rechtskräftig. Die betroffenen Unternehmen und ihre Verantwortlichen können dagegen Einspruch beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegen.

kko/dpa