Fusion von O2 und E-Plus Kartellamt will Prüfung an sich ziehen

Eigentlich ist für derart große Fusionen die EU-Kommission zuständig - doch bei der Übernahme von E-Plus durch die O2-Mutter Telefonica beansprucht das Bundeskartellamt die Prüfung für sich. Behördenchef Mundt spricht in einem Interview von "erheblichen Folgen für den Wettbewerb".
Logos von E-Plus und O2 im bayerischen Germering: Kartellamt ist kritisch

Logos von E-Plus und O2 im bayerischen Germering: Kartellamt ist kritisch

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

Berlin/Frankfurt am Main - Das Bundeskartellamt beansprucht die Zuständigkeit für die Prüfung der E-Plus-Übernahme durch Telefonica Deutschland (O2). Normalerweise ist in Fällen, in denen das entstehende Unternehmen einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro macht, die EU-Kommission zuständig. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" machte Kartellamtspräsident Andreas Mundt nun aber deutlich, dass er in diesem Fall die deutsche Behörde in der Verantwortung sieht.

"Sollte Telefonica Deutschland den Zusammenschluss mit E-Plus anmelden, gehört der Fall aus unserer Sicht eindeutig nach Bonn. Andere EU-Länder können keine Blaupause für dieses Fusionskontrollverfahren liefern. Es kommt allein auf die Marktverhältnisse in Deutschland an", sagte Mundt der Zeitung.

Zugleich erkennt der Wettbewerbshüter Schwierigkeiten in der geplanten Fusion. "Dass ein solcher Zusammenschluss erhebliche Folgen für den Wettbewerb hätte und in all seinen Facetten genau geprüft werden muss, liegt auf der Hand", sagte Mundt. O2, eine Tochter des spanischen Telefonica-Konzerns, bietet rund acht Milliarden Euro für E-Plus, eine Tochter des niederländischen Telekom-Konzerns KPN. Zusammen würden O2 und E-Plus in Deutschland zum Marktführer mit mehr als 40 Millionen Kunden aufsteigen. Die Konzernmütter hatten sich im Juli geeinigt.

Hauptantrieb für den Deal sind Einsparungen. Die Kosten sollen vor allem durch die Verschmelzung der beiden Handy-Netze um mehr als fünf Milliarden Euro sinken. Damit bleiben in Deutschland nur noch drei Mobilfunkanbieter. Laut Mundt sind es in den meisten EU-Staaten zumindest vier Anbieter.

Am 2. Oktober sollen die Aktionäre von KPN über den Deal entscheiden. Stimmberechtigt seien nur Aktionäre, die nach Börsenschluss am 4. September Anteile an dem Unternehmen hielten, teilte KPN am. Gleichzeitig bereitet aber der KPN-Hauptaktionär, der mexikanische Milliardär Carlos Slim, die mehrheitliche Übernahme von KPN vor. Slim ist scharfer Kritiker der Verkaufspläne. Die Finanzierung sei gesichert, teilte Slims Mobilfunkfirma América Móvil Medienberichten zufolge mit.

fdi/Reuters/dpa
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