Bundesliga Wettkampf um den Platz auf dem Bayern-Trikot

Sponsorenverträge mit Autokonzernen haben Tradition beim FC Bayern. Jetzt sieht es sogar so aus, als könnte sich der Rekordmeister aussuchen, ob BMW oder Audi zum Zuge kommt. Experten zufolge verfügen aber die Ingolstädter über die weit bessere Ausgangsposition.

Bundesligaspiel Bayern gegen Nürnberg: Intensivierung der Geschäftsbeziehung
dpa

Bundesligaspiel Bayern gegen Nürnberg: Intensivierung der Geschäftsbeziehung

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Hamburg - Die Nachricht löste bei Audi Chart zeigen spürbare Nervosität aus. "Das ist reine Spekulation", bescheidet die für die Sportkommunikation zuständige Sprecherin Iris Altig die Frage nach den Bayern-Plänen der Ingolstädter kurz und bündig. Mehr gebe es dazu zurzeit nicht zu sagen.

Doch dass Audi derzeit mit dem Einstieg beim FC Bayern liebäugelt, ist längst mehr als ein Gerücht. "Eine offizielle Bestätigung, dass Verhandlungen laufen, werden Sie nicht bekommen", heißt es im Audi-Konzern - auch wenn die Frage, ob denn verhandelt wird, nur mit einem Achselzucken beantwortet wird.

Aus Sicht von Branchenexperten liegt ein Einstieg aber nahe. "Fußball ist sicher die erste Wahl, wenn ein international aufgestelltes Unternehmen wie Audi über Sponsoring nachdenkt", erklärt Thomas Gebert, Sportkommunikationschef bei der Agentur Pilot. Und der FC Bayern sei eine der besten Adressen im Fußball - und das weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Eine Beteiligung käme ohnehin nur der Intensivierung einer längst bestehenden Geschäftsbeziehung gleich. Audi flimmert über die Elektronikbanden der Allianz-Arena und bewirtet regelmäßig Gäste in einer der größten VIP-Lounges im Stadion. Die Bayern ehrten die Ingolstädter wiederum mit einem Fußballturnier zum 100-jährigen Firmenjubiläum. Beim Audi-Cup liefen so illustre Mannschaften wie Manchester United Chart zeigen oder der AC Mailand auf. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf und den Fernsehrechten durfte Audi behalten. Insgesamt, so schätzen Fachleute, haben die Geschäfte zwischen Audi und den Bayern inzwischen einen Umfang von fünf bis sechs Millionen Euro jährlich.

Opel war einst Bayern-Sponsor

Die Kooperation mit Autoherstellern hat Tradition beim Rekordmeister. In den neunziger Jahren prangte der Opel-Schriftzug auf den Bayern-Trikots, bis GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster den Vertrag Ende 2001 überraschend kündigte. Er war dem Spardiktat aus Detroit gefolgt und wollte kurz vor dem Jahreswechsel noch schnell die Kosten um rund 15 Millionen Mark senken.

Ein Grund für die derzeitige Nervosität in Ingolstadt könnte darin liegen, dass sie nicht die einzigen sind, die an einem Engagement interessiert sind. Der wichtigste Konkurrent: BMW. Chart zeigen Die Münchner haben seit längerem erkannt, dass die Präsenz im Segel- und Golfsport zwar ein nobles Image mit sich bringt; den typischen BMW-Käufer, der aus ganz anderen Schichten kommt, spricht sie jedoch nur sehr indirekt an. Die Marketing-Strategen haben die Umorientierung längst vollzogen. Erstmals seit mehr als 20 Jahren haben sie Fernsehwerbung im Umfeld von Fußballübertragungen von ARD und ZDF geschaltet.

Die Konkurrenzsituation trägt wohl auch dazu bei, dass ein Zehn-Prozent-Anteil an der Bayern AG dem Vernehmen nach derzeit mit rund 100 Millionen Euro bewertet wird. Angesichts der Absatzkrise in der Autoindustrie dürfte eine solche Summe an die Grenze dessen gehen, was selbst Großkonzerne vom Schlage Audis oder BMWs verkraften können. Andererseits: Billiger dürfte es auch in Zukunft nicht mehr werden. Nach Überzeugung von Kommunikationsexperte Gebert bleibt der Markt für Sportmarketing auch in Zeiten der Krise ein echter Wachstumsmarkt, auf dem allein 2009 rund 2,9 Milliarden Euro umgesetzt werden dürften. "Für 2010 bis 2011 gehe ich sogar von einem Volumen von 3,1 Milliarden aus", versichert der Marketing-Experte.

FC-Bayern-Chef will vorsichtig haushalten

Die Bayern dürfen sich also auf üppig gefüllte Kassen freuen - zumal auch die Verlängerung des Vertrags mit der Deutschen Telekom Chart zeigen beschlossene Sache zu sein scheint. 25 Millionen Euro jährlich will die Bonner Telefongesellschaft in den kommenden vier Jahren bezahlen, um sich im Glanz des Rekordmeisters sonnen zu können - 25 Prozent mehr als bisher.

Manager Uli Hoeneß will das Geld dazu nutzen, um die Kredite für die Allianz-Arena vorzeitig zurückzuzahlen. Die ursprünglich auf 18 Jahre angelegte Finanzierung des 340 Millionen Euro teuren Stadions könne so möglicherweise auf zehn Jahre verkürzt werden. "Ein schuldenfreies Stadion wäre natürlich ein Traum, dann sind wir der reichste Verein der Welt", sagte Hoeneß der "Süddeutschen Zeitung".

Natürlich kommen auch die Bayern-Spieler nicht zu kurz. Bereits jetzt können sie für die Fahrt zum Trainingsgelände in der Säbener Straße auf einen attraktiven Fuhrpark von Audi zurückgreifen - kein Vergleich zu den Zeiten als die Nutzung von Opel-Autos Pflicht war. Stürmer-Star Luca Toni zum Beispiel bevorzugt bereits seit einiger Zeit den Gelände-Riesen Q7. Vielleicht ringt sich Bayern-Chef Hoeneß aber noch dazu durch, auch den Supersportwagen R8 in den Fuhrpark aufzunehmen.



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Dylan1941, 22.08.2009
1. Quo vadis FCB ?
Wie ich bereits vor 2 1/2 Jahren schrieb ist die dominante Ära vorbei und UH hat den grössten Anteil daran.
thiber 22.08.2009
2. ...
Mit den Auswirkungen der "Ära" Klinsmann werden die Bayern noch einige Zeit zu kämpfen haben. Van Gaal ist auch nicht unbedingt der Richtige, um die Aufarbeitung umzusetzen. Der macht selbst zuviele Baustelle auf. So beruht der schlechte Start insbesondere auf den Weggängen von Lucio und Zé Roberto. Und die waren haus-/Van Gaal-gemacht. Drei falsche Trainer hintereinander wird wohl auch die Führung der Bayern nicht einstellen. Die Nach-Van Gall-Zeit wird wohl wieder besser werden.
Ylex 22.08.2009
3. Der Untergang
Das Ende des fußballerischen Weißwurst-Wahns ist nah, nur noch Mau-Mau bei Weiß-Blau, Deutschland atmet auf, endlich befreit vom bajuwarischen Joch - Uli, denk' an Ludwig II, der Starnberger See ist nicht weit.
leopoldy 22.08.2009
4. Mir san mir....
Ja, der viel gescholtene JK ist scheinbar doch besser als der Mann aus Hollland. Der hatte 5 Punkte auf dem Konto. War von Anfang an fraglich, ob eine Hollandisierung des FCB sich wirklich auszahlt. Habe ich so schon vor einigen Wochen geschrieben. Wenn es mit dem FCB abwärts gehen sollte, stört mich relativ wenig. Der arrogante Vorstand mit dem naturgesetzmäßigen Anspruch auf die Meisterschaft hätte mal einen ordentlichen Dämpfer verdient. Der deutsche Fußball muß sogar aus mehr bestehen, als nur aus dem Fc Bayern.
Viper2024, 22.08.2009
5. Super Verstärkungen
Man verkauft mit Ze Roberto und Lucio die besten Bayernspieler der letzten Jahre, kauft dafür nur mittelmäßige Ergänzungsspieler (Braafheid, Pranjic,...) und wundert sich dann über so einen Saisonstart. Man hätte lieber Van Buyten, Ribery und Schweinsteiger verkaufen sollen und dafür richtige Verstärkungen kaufen sollen. Die Abwehr ist jedenfalls anfällig und das weiß man nicht erst seit dem Spiel gegen Barca sondern bereits seit St. Petersburg. Und dem Mittelfeld fehlt ohne Ribery jegliche Kreativität, weshalb ich schnellstens Van der Vaart verpflichten würde.
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