Bundeswehr-Affäre Airbus entlässt 16 Mitarbeiter

Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus hat aus der Affäre um vertrauliche Dokumente der Bundeswehr erste Konsequenzen gezogen. 16 Mitarbeiter wurden fristlos entlassen.

Airbus-Militärtransporter A400M: Verdacht von Verrat
Matthias Balk/DPA

Airbus-Militärtransporter A400M: Verdacht von Verrat


Wegen der Verstrickung von Airbus-Mitarbeitern in die Affäre um den verbotenen Besitz geheimer Unterlagen der Bundeswehr hat der Luftfahrt- und Rüstungskonzern 16 Mitarbeiter fristlos entlassen. Ein Sprecher bestätigte den Vorgang von Mitte September, ohne weitere Details zu nennen. Zuerst hatte die "Welt am Sonntag" darüber berichtet.

Die Staatsanwaltschaft München I ermittle weiter in der Sache, sagte eine Sprecherin. Im September war gegen 17 Beschuldigte "und weitere, bislang unbekannte Täter wegen Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen (oder Anstiftung hierzu)" ermittelt worden. Airbus selbst hatte Justizstellen und dem Verteidigungsministerium einen möglicherweise rechtswidrigen Umgang von Mitarbeitern mit Kundendokumenten gemeldet.

Die Dokumente stammten augenscheinlich von einer Behörde, die dem Verteidigungsministerium unterstehe und beträfen die unterste Geheimhaltungsstufe VS-NfD (vertraulich - nur für den Dienstgebrauch), hieß es im September von der Staatsanwaltschaft.

"Proaktive Offenlegung des Sachverhalts"

Unter den 16 entlassenen Mitarbeitern war auch ein Abteilungsleiter, wie aus Airbus-Kreisen zu hören war. Im September hieß es von Seiten des Konzerns, dass es keine Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft gegeben habe. "Es handelt sich um die sogenannte proaktive Offenlegung eines Sachverhaltes", sagte ein Airbus-Sprecher damals. Weiter hieß es im Spätsommer aus Unternehmenskreisen: "Wichtig ist, dass es zwei Projekte aus einem eher kleinen Geschäftsbereich der Verteidigungskommunikation sind und nicht die großen Projekte betrifft: Militärflugzeuge, Drohnen und Raumfahrt. Bei diesen geht es um die Kontinuität."

Airbus gehört zu den Großlieferanten der deutschen Streitkräfte. Das Unternehmen macht sein Geschäft im Bereich Luft- und Raumfahrt sowie den dazugehörigen Dienstleistungen. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 64 Milliarden Euro, die Anzahl der Mitarbeiter beträgt rund 134.000.

In Europa ist das Unternehmen Marktführer bei Tank-, Kampf-, Transport- und Missionsflugzeugen und international eines der größten Raumfahrtunternehmen. Es kommt allerdings auch immer wieder zu Problemen, wie etwa mit dem Transportflugzeug A400 M oder den Hubschrauber NH90 Sea Lion, der wegen lückenhafter Dokumentationen zunächst am Boden bleiben muss.

mik/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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Sueme 01.12.2019
1.
Hätten da nicht eher bei der Bundeswehr Leute gehen müssen, an die NfD Dokumente können die Airbus Mitarbeiter ja nur gekommen sein wenn vorher ein Bevollmächtigter der Bundeswehr die Dokumente übergeben oder zufällig irgendwo liegen gelassen hat.
Galluss 01.12.2019
2. Was soll an dieser veralteten Transport-Mühle denn interessant sein?
Russland z.B. testet schon Hyperschall-Raketen von Überschall-Flugzeugen abgeschossen. Während die Turboprop-Motoren des letzten Jahrhunderts der A400M noch nicht einmal ausgereift sind. Das russische Transportflugzeug Iljuschin Il-76 war schon 1972 technologisch weiter als heute die A 400 M. Sie können ja gerne mal die Daten vergleichen.
bajanibash 01.12.2019
3. Eine Redaktion
die sich regelmäßig in der Veröffentlichung geheimer Unterlagen sonnt sollte hinlänglich bekannt sein, dass "vertraulich" nicht die unterste Stufe der Geheimhaltung darstellt und "VS" Verschlusssache bedeutet. Profis am Werk.
stelzerdd 01.12.2019
4. Fehleinschätzung
Zitat von GallussRussland z.B. testet schon Hyperschall-Raketen von Überschall-Flugzeugen abgeschossen. Während die Turboprop-Motoren des letzten Jahrhunderts der A400M noch nicht einmal ausgereift sind. Das russische Transportflugzeug Iljuschin Il-76 war schon 1972 technologisch weiter als heute die A 400 M. Sie können ja gerne mal die Daten vergleichen.
Selbstverständlich darf man Hyperschallraketen-abschießende Überschall-Flugzeuge mit Transportflugzeugen vergleichen. Ob dies sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Wenn ein anderer Vergleich einer betagten 47 Jahre alten IL76 mit dem aktuellen Airbus A400M damit endet, eine technologische Überlegenheit der ersteren festzustellen bleibt nur festzustellen, daß der Forumsbeitrag jeder Sachkenntnis entbehrt. Lächerlich.
OompaLoompaOfScience 01.12.2019
5. @Sueme #1
Es ist vollkommen üblich, dass Auftragnehmer wie Airbus klassifizierte Dokumente erhalten. Sie verpflichten sich, diese so vertraulich zu behandeln, wie es eben gesetzlich vorgeschrieben ist. Das ist in diesem Falle scheinbar nicht geschehen.
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