Bundesweiter Pilotenstreik Hunderte Lufthansa-Flüge fallen aus

Lufthansa-Kunden in ganz Deutschland brauchen starke Nerven: Der größte Streik in der Konzerngeschichte führt bereits am frühen Morgen zu Chaos an den Airports. Hunderte Flüge wurden gestrichen - in Berlin ist noch nicht einmal klar, ob der Notfallplan eingehalten werden kann.
Lufthansa-Maschinen: Größter Streik in der Firmengeschichte

Lufthansa-Maschinen: Größter Streik in der Firmengeschichte

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Cockpit

Lufthansa

Hamburg - Die Pilotenorganisation zeigt der   ihre Macht: Der Streik, zu dem sie rund 4000 Lufthansa-Piloten aufgerufen hat, entfaltet bereits am frühen Montagmorgen massiv Wirkung. Dutzende Flüge sind schon jetzt ausgefallen, an den Drehkreuzen der Bundesrepublik herrscht den ganzen Tag über Ausnahmezustand:

  • In Frankfurt am Main fallen bis zum Mittag mehr als 60 Flüge aus.
  • In München sind es bis 12 Uhr mehr als 50.
  • In Hamburg heben im Laufe des Tages 44 von 97 geplanten Maschinen ab.
  • In Düsseldorf fallen bis zum Abend gut 40 Verbindungen aus.

In Berlin herrschen teils chaotische Zustände: Laut Notflugplan  werden nur 28 von sonst 70 Lufthansa-Flügen von Tegel starten. In Schönefeld starten zwölf von sonst 21 Germanwings-Flügen. Nach Einschätzung eines Lufthansa-Sprechers ist noch nicht einmal gesichert, dass der Notplan eingehalten werden kann. Die Flugpassagiere würden gebeten, sich vorher über ihre Flüge zu informieren oder auf die Bahn umzusteigen.

Zur Übersicht, welche Flüge wo ausfallen, siehe die Karte in der linken Spalte oder klicken Sie hier. Bei Fragen zu Fluggastrechten und Umbuchungen klicken Sie hier.

Der Cockpit-Streik könnte der größte in der Geschichte der Luftfahrt werden. Etwa 800 Flüge werden nach Einschätzung des Konzerns allein am Montag ausfallen; das wären etwa zwei Drittel aller Lufthansa-Verbindungen. Beim Billigflieger Germanwings  soll rund ein Drittel der Flüge gestrichen werden. Nicht bestreikt werden Lufthansa-Regionalpartner wie Cityline oder Eurowings, die auf weniger stark nachgefragten Routen unterwegs sind. Insgesamt hofft die Airline, die Hälfte des normalen Planes anbieten zu können.

Vermittlungsversuche in letzter Minute gescheitert

In den kommenden Tagen ist keine Besserung der Lage zu erwarten: Der Arbeitskampf soll bis zum Donnerstag fortgesetzt werden. Versuche, den Konflikt noch in letzter Minute abzuwenden, blieben ohne Ergebnis. Auch die Vermittlung von Verkehrsminister Peter Ramsauer brachte am Sonntag keine Annährung in dem Konflikt.

Den Piloten geht es vor allem um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Sie wollen verhindern, dass Flüge aus dem Mutterkonzern auf ausländische, billigere Töchter verlagert werden.

Was die Streitparteien wollen

Die Lufthansa-Führung schlägt dagegen nach Streikbeginn scharfe Töne an. Die derzeitige Lage sei "das dramatischste, was wir im Luftverkehr erlebt haben", sagte ein Konzernsprecher im Deutschlandfunk. "Die Verantwortung für sämtliche Auswirkungen - auf die Kunden, die Zukunft des Unternehmens und auf den Wirtschaftsstandort Deutschland - trägt einzig und allein die Gewerkschaft."

Seinen Worten zufolge lässt VC im entscheidenden Verhandlungspunkt keine Kompromissbereitschaft erkennen. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Gewerkschaft von ihrer Forderung abrücke, den Lufthansa-Tarifvertrag auch auf Piloten ausländischer Konzerntöchter auszuweiten. Das Management sieht darin einen juristisch unzulässigen Eingriff in seine Entscheidungsbefugnisse.

Ein VC-Sprecher sagte dagegen: "Das ist nicht verhandelbar". Die Gewerkschaft hatte am Sonntagabend in einer Presseerklärung einen anderen Kompromissvorschlag genannt. Man könne den Konflikt um die Ausweitung des Tarifvertrags ins Ausland so lange aussetzen, bis dieser höchstrichterlich geklärt ist; bis dahin solle die Lufthansa keine Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Gegenüber Ramsauer hatte die Gewerkschaft betont, zu vorbedingungslosen Verhandlungen zur Verfügung zu stehen - doch darauf sei der Konzern nicht eingegangen.

Zehntausende Passagiere pro Tag betroffen

Leidtragende des Tarifkonflikts sind nun die Passagiere. Rund 150.000 werden an einem normalen Arbeitstag von der Lufthansa und ihren Töchtern befördert, Zehntausende davon dürften von den Ausständen betroffen sein - Tag für Tag.

  • Lufthansa und Germanwings bieten Passagieren kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen auf Flüge bis spätestens 31. Mai an.
  • Zudem wollen die Airlines für die Betreuung der Fluggäste sorgen, wenn diese am Flughafen festsitzen.
  • Auch hat die Lufthansa Notflugpläne für jeden der vier Streiktage auf ihrer Internetseite veröffentlicht .
  • Kunden können sich außerdem unter der kostenfreien Nummer 0800-8 50 60 70 informieren. Germanwings bietet die Informationen unter der Nummer 0800-66 44 935 sowie im Internet .

Auf den innerdeutschen Strecken können Fluggäste auf die Bahn ausweichen. Passagiere können sich entweder direkt eine Bahnfahrkarte kaufen, oder sie holen sich an Lufthansa-Automaten Gutscheine, die in den Zügen als Fahrkarten gelten. Die Deutsche Bahn setzt bis Donnerstag zusätzliche Züge ein. Ein Zugpaar fährt zwischen Köln und Berlin, ein weiteres zwischen Hamburg und Berlin und zurück, teilte der Konzern mit. Zusätzliche Kapazitäten würden außerdem zwischen München-Hannover/Hamburg und Hamburg/Hannover-München angeboten.

Grundsätzlich ist die Lufthansa verpflichtet, ihren Passagieren nach Möglichkeit für die gebuchten Flüge Ersatzverbindungen zu beschaffen. Die Lufthansa-Tochter Swiss und der Star-Alliance-Partner LOT aus Polen haben angekündigt, zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen.

Chronologie der Lufthansa-Verhandlungen

Schadensersatz für weitergehende Folgen von Flugausfällen nach der EU-Verordnung über Fluggastrechte will Lufthansa dagegen nicht zahlen. Das Unternehmen sei von der Zahlungspflicht befreit, da Streiks außergewöhnliche Umstände seien.

ssu/AFP/apn/dpa/ddp/Reuters
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