Care Energy Umstrittener Stromdiscounter erhöht kräftig die Preise

Strom für 19,90 Cent die Kilowattstunde: Mit diesem Billigangebot gewann die Firmengruppe Care Energy Hunderttausende Kunden, trotz großer Zweifel an ihrem Geschäftsmodell. Jetzt erhöht der Anbieter kräftig die Preise - und zensiert Kritik daran auf Facebook.

Screenshot von gelöschtem Kommentar: "So kann man Kunden vergraulen"

Screenshot von gelöschtem Kommentar: "So kann man Kunden vergraulen"


Hamburg - Zweifel am Geschäftsmodell von Care Energy gab es schon lange. Der Hamburger Discounter hatte seinen Strom im vergangenen Jahr für 19,90 Cent die Kilowattstunde an seine Kunden verkauft, bei 6,99 Euro monatlicher Grundgebühr.

Nun hat die Firmengruppe die Preise erhöht. Und zwar saftig. Privatkunden müssen im sogenannten Classic Tarif kommendes Jahr 24,90 Cent pro Kilowattstunde berappen, die monatliche Grundgebühr steigt auf 9,90 Euro. Grund seien unter anderem höhere staatliche Abgaben und die Unsicherheit über die Entwicklung der Energiepreise in Deutschland nach der Regierungsbildung, teilt das Unternehmen mit.

Was Care Energy nicht erwähnt: Ein Unternehmen der Gruppe hatte kürzlich vor dem Landgericht Hamburg zwei Prozesse verloren - und muss nun Nachzahlungen in Millionenhöhe finanzieren, sofern die von Care Energy eingelegte Berufung und eventuelle weitere Rechtsmittel erfolglos bleiben.

Care-Energy-Chef Martin Richard Kristek hatte nie lückenlos erklären können, wie sein Unternehmen bei den Preisen von 2013 profitabel arbeiten konnte. Er beteuerte aber stets, man wirtschafte "voll kostendeckend". Ob dem tatsächlich so war, ließ sich nicht nachprüfen, weil mehrere Firmen der Unternehmensgruppe ihre Bilanzen nicht veröffentlichten. Das Bundesamt für Justiz leitete deshalb ein Ordnungsgeldverfahren ein.

Kritiker warfen der Firmengruppe unter anderem vor, sich um die korrekte Zahlung der Erneuerbare-Energien-Umlage zu drücken. Mehrere Übertragungsnetzbetreiber versuchten inzwischen, ausstehende Forderungen vor Gericht einzuklagen. Zwei Übertragungsnetzbetreiber, Tennet und 50Hertz, bekamen zuletzt vor dem Landgericht Hamburg in den beiden oben bereits erwähnten Prozessen Recht. Care Energy droht damit eine Nachzahlung von sieben Millionen Euro.

Kritik an der aktuellen Preiserhöhung scheint die Firmengruppe nicht zu dulden, zumindest nicht auf der eigenen Facebook-Seite. Wie aus Screenshots hervorgeht, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, hat die Firmengruppe negative Kommentare über die neue Preispolitik kurzerhand gelöscht. "Schade", schreibt dazu ein enttäuschter Verbraucher. "So kann man sich auch Kunden vergraulen."

Care Energy bestätigte den Vorgang auf Anfrage. "Wir löschen Beiträge auf unserer Facebook-Seite", teilte ein Sprecher mit. "Wir verfahren so seit Jahren und werden weiter Beiträge, die uns unangemessen erscheinen, löschen. Darüber schulden wir weder dem Einsteller des Beitrags, noch jemand anders Rechenschaft."

Anmerkung der Redaktion: Care Energy hat gegen die beiden Urteile des Landgerichts Hamburg Berufung eingelegt. Diese Information wurde im Artikel nachträglich ergänzt.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
vitalik 13.11.2013
1. Kommentare
Facebook-Kommentare? Wirklich? Zum Glück macht Spon soetwas nicht. Naja, hier werden manche Komemntare einfach nicht veröffentlicht. Mittlerweile überlege ich mir 2 Mal, ob ich hier ein Kommentar schreibe, da man ja in etwas Zeit investiert, was gar nicht zusehen sein wird. Wenn ich mir da überlege, dass manche die Texte auch noch mit BB-Codes ausschmücken.
gog-magog 13.11.2013
2.
Zitat von sysopStrom für 19,90 Cent die Kilowattstunde: Mit diesem Billigangebot gewann die Firma Care Energy Hunderttausende Kunden, trotz großer Zweifel an ihrem Geschäftsmodell. Jetzt erhöht der Anbieter kräftig die Preise - und löscht Kritik daran aus dem Internet. Care Energy zensiert Internet-Kritik über Preiseröhung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/care-energy-zensiert-internet-kritik-ueber-preiseroehung-a-933416.html)
Eine Glatte Lüge, da die staatlichen Abgaben nicht gestiegen sind. Eine Erhöhung um satte 25% ist in jedem Fall ungerechtfertigt und kann eine fristlose Kündigung des Anbieters rechtlich durchsetzbar machen. Ich sehe kein Problem, dass Kunden hier nicht aus ihrem Vertrag rauskommen.
GoBenn 13.11.2013
3. Jede Wette
...es wird hier sicher einige Kommentare geben, die auf vergleichbare Umstände im Spiegel-Onine-Forum hinweisen.
agash 13.11.2013
4.
"Privatkunden müssen im kommenden Jahr 24,90 Euro berappen, die monatliche Grundgebühr steigt auf 9,90 Euro. " Versteh ich nicht! Das sind dann zusammen 34,80 Euro im Monat oder wie? Mehr nicht? Da ja Strom in Deutschland nicht überall gleich viel kostet und ich leider in einer der teuren Regionen wohne, würde mich über 35 Euro im Monat freuen, ich muss als Single-Haushalt fast 60 Euro im Monat nur für den Strom abdrücken und ich verheize nicht unnötig viel Strom. Andere Anbieter sind der Region auch nicht billiger. Mal angenommen, es handelt sich um einen Schreibfehler und es sind 24,90 Cent pro kW gemeint, kann ich immer noch lachen, ich biete 34,80 ct/kWh (ohne Grundgebühr).
Mertrager 13.11.2013
5. Guck bei Anderen
Zitat von vitalikFacebook-Kommentare? Wirklich? Zum Glück macht Spon soetwas nicht. Naja, hier werden manche Komemntare einfach nicht veröffentlicht. Mittlerweile überlege ich mir 2 Mal, ob ich hier ein Kommentar schreibe, da man ja in etwas Zeit investiert, was gar nicht zusehen sein wird. Wenn ich mir da überlege, dass manche die Texte auch noch mit BB-Codes ausschmücken.
Wer viel kommentiert wird sich auch bei SPON über den einen oder anderen Kommentar ärgern, der nicht veröffentlicht wurde. Wer sich da ereifert, soll einmal bei einem konservativ beeinflußten Medien Leserbriefe schreiben. OK, bei Focus bekommt sogar eine schriftliche Mitteilung für die Zurückweisung. Dabei wird auf die Nettiquetten verwiesen. Dumm nur, wenn der Kommentar voll nettiquett war, aber eben nicht in die gewünschte Welt des Focus paßte. So ist das nebenbei auch bei anderen Medien dieser politischen Ausrichtung. Es reicht bspw., dasz man sagt, für dieses oder jenes ist Frau Merkel verantwortlich. So gesehen läßt SPON allerhand "durchgehen". Sogar Kritik an SPON selbst, was die anderen Verdächtigen gar nicht nettiquet fänden.
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