Ex-Renault-Nissan-Chef
Ghosns Frau verteidigt Flucht des Managers in den Libanon
Die Ehefrau des aus Japan geflohenen Ex-Automanagers Carlos Ghosn hält ihren Mann für das Opfer einer Verschwörung. Von der spektakulären Flucht will sie nichts gewusst haben.
Carlos und Carole Ghosn: "Carlos hatte nicht die Absicht, sich für Dinge schuldig zu bekennen, die er nicht getan hat.“
Issei Kato/ REUTERS
Carole Ghosn hat die Flucht ihres Ehemannes, des ehemaligen Automanagers Carlos Ghosn, aus Japan in den Libanon verteidigt. Ihr Mann sei das Opfer einer Verschwörung und eines Krieges zwischen Renault und Nissan, sagte sie der französischen Zeitung "Le Parisien". "Carlos hatte nicht die Absicht, sich für Dinge schuldig zu bekennen, die er nicht getan hat.“
Der ehemalige Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi stand in Japan unter Anklage, unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen. Er beteuert seine Unschuld. Im April war er auf Kaution freigekommen. Strenge Auflagen sollten verhindern, dass er flieht oder Beweismaterial vertuscht. Unter anderem wurde ihm verboten, das Land zu verlassen.
„Beste Überraschung meines Lebens“
Dennoch gelang es Ghosn, am 29. Dezember in den Libanon zu fliehen. Dabei soll der 65-Jährige sich in einer Kiste versteckt haben, wie japanische Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise berichteten. Die Kiste sei als Gepäck für Musikinstrumente deklariert gewesen. Bei der Flucht mit einem Privatjet hätten ihm zwei Amerikaner geholfen. Japan nannte die Ausreise illegal.
Von der spektakulären Flucht will Carole Ghosn nichts gewusst haben. "Ich war mit meinen Kindern in Beirut, um Weihnachten zu feiern, und jemand rief mich an und sagte: 'Ich habe eine Überraschung für dich.' Es war die beste Überraschung meines Lebens", sagte Carole Ghosn der Zeitung. "Wir trafen uns in der Wohnung meiner Eltern, ich umarmte Carlos ganz fest, mindestens fünf Minuten, bevor ich einen Ton rausbrachte."
Ghosn will sich an diesem Mittwoch äußern
Ihr Mann werde nun die Wahrheit ans Licht bringen, kündigte Carole Ghosn an. An diesem Mittwoch will er eine Pressekonferenz in Beirut geben. Er sei angespannt, sagte seine Frau. Es sei die wichtigste Rede seines Lebens. In einer ersten Stellungnahme hatte Carlos Ghosn betont, er sei "nicht länger eine Geisel des manipulierten japanischen Justizsystems". Er sei dem Unrecht und politischer Verfolgung entkommen.
Carlos Ghosn hat die libanesische, brasilianische und französische Staatsbürgerschaft. Nach Angaben von "Le Parisien" schloss seine Frau in dem in Beirut geführten Gespräch eine Rückkehr nach Frankreich nicht aus. Es sei allerdings keine Option in der nahen Zukunft.
Die japanische Justiz hatte nach Ghosns Flucht in den Libanon einen Haftbefehl gegen dessen Frau erwirkt. Ihr werde vorgeworfen, im vergangenen April bei einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft vor Gericht Falschaussagen gemacht zu haben, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Sie bezeichnete dies nun als "Rache der japanischen Staatsanwälte".
Staatsanwälte durchsuchen Büro von Ghosns Anwalt
In Japan durchsuchten Staatsanwälte in Tokio an diesem Mittwoch das Büro von Ghosns japanischem Anwalt Junichiro Hironaka. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Bilder japanischer Medien. Das Anwaltsbüro und die Ermittler äußerten sich zunächst nicht dazu.
Die strengen Kautionsauflagen hatten Carlos Ghosn vor seiner Flucht erlaubt, einen Computer im Büro seines Anwaltes zu nutzen. Die Staatsanwaltschaft wollte diesen Computer laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo nun beschlagnahmen. Jedoch hinderte Anwalt Hironaka die Ermittler offenbar daran. Der Verteidiger hat Kyodo zufolge von seinem Recht auf Verschwiegenheit Gebrauch gemacht und den Staatsanwälten das Betreten seines Büros untersagt.