Ex-Nissan-Chef Ghosn will wissen, warum er in U-Haft sitzt

Seit rund sieben Wochen sitzt Carlos Ghosn in Tokio in Untersuchungshaft. Jetzt will er den genauen Grund wissen und hat eine öffentliche Anhörung beantragt.
Carlos Ghosn, Chef von Renault

Carlos Ghosn, Chef von Renault

Foto: Regis Duvignau/ REUTERS

Der in Japan in Untersuchungshaft sitzende frühere Verwaltungsratschef des Renault-Partners Nissan, Carlos Ghosn, will den offiziellen Grund für seine Haft wissen. Ghosn habe eine entsprechende Forderung eingereicht, gab das Bezirksgericht in Tokio bekannt. Es hat hierzu für den 8. Januar einen Sitzungstermin anberaumt.

Ghosns Anwälte beriefen sich dabei auf Artikel 34 der japanischen Verfassung, der es Gefangenen erlaubt, den konkreten Grund für ihre Inhaftierung vor Gericht öffentlich zu erfahren. Die Justiz darf diese Forderung nicht zurückweisen. Der Betroffene hat dann das Recht, gemeinsam mit seinem Anwalt zu erscheinen und angehört zu werden.

Ghosn, der weiter Chef bei Renault ist, und sein früherer Vertrauter Greg Kelly waren am 19. November in Tokio wegen des Verdachts auf Verstoß gegen Börsenauflagen festgenommen worden. Der ehemalige Nissan-Chef wird verdächtigt, in Japan jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen deklariert und sich an Firmenkapital des Autobauers Nissan bereichert zu haben.

Kelly kam kürzlich gegen Kaution aus der Untersuchungshaft frei. Ghosn dagegen bleibt vorerst in Haft, nachdem die Staatsanwaltschaft weitere Vorwürfe gegen den Automanager erhoben hatte. Demnach soll er auch private Investitionsverluste auf seinen früheren Arbeitgeber Nissan übertragen haben. Erst am 31. Dezember hatte das Bezirksgericht in Tokio die Untersuchungshaft für Ghosn ein weiteres Mal bis zum 11. Januar verlängert.

Nissan sowie der japanische Autobauer Mitsubishi setzten Ghosn wegen der Affäre als Vorsitzenden ihrer Verwaltungsräte ab, Renault hält offiziell an ihm als Vorstandschef fest. Die Geschäfte für Renault führt vorläufig jedoch sein Stellvertreter Thierry Bolloré.

mal/AFP/dpa/Reuters