Ex-Renault-Chef Ghosn kommt erneut auf Kaution frei

Wird Carlos Ghosn an diesem Donnerstag aus der U-Haft entlassen? Ein Gericht gewährte dem Ex-Automanager die Freilassung auf Kaution. Die Staatsanwaltschaft kann noch widersprechen.

Carlos Ghosn nach seiner ersten Freilassung (Archiv)
Kyodo News/ AP

Carlos Ghosn nach seiner ersten Freilassung (Archiv)


Carlos Ghosn könnte bald erneut aus der Untersuchungshaft freikommen. Ein Gericht in Tokio gewährte dem Ex-Chef des Autoherstellers Renault die Freilassung auf Kaution. Die Höhe der Kaution betrage 500 Millionen Yen (rund vier Millionen Euro), teilte das Gericht mit. Die Staatsanwaltschaft kann die Entscheidung anfechten. Der öffentlich-rechtliche Sender NHK berichtete aber, der 65-Jährige könnte noch am Donnerstag aus der U-Haft entlassen werden.

Es wäre das zweite Mal, dass Ghosn aus der Untersuchungshaft kommt. Dem einst mächtigen Automanager wird in Japan eine Vielzahl von Finanzdelikten zur Last gelegt. Im November vergangenen Jahres war er in Tokio wegen angeblichen Verstoßes gegen Börsenauflagen erstmals in Haft genommen worden. Zudem soll er private Investitionsverluste auf den Renault-Partner Nissan übertragen haben, dessen Verwaltungsratschef er war.

Ghosn soll Firmengeld für Luxusjacht veruntreut haben

Ghosn wurde angeklagt und erst nach monatelanger Haft gegen Kaution entlassen. Knapp vier Wochen nach seiner Freilassung wurde er Anfang dieses Monats dann erneut in Untersuchungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft erhob Anfang dieser Woche abermals Anklage wegen Zahlungen an einen Vertriebspartner im Oman.

Ghosn soll demnach zwischen Ende 2015 und Mitte 2018 insgesamt 15 Millionen Dollar an Nissan-Geld an ein Unternehmen im Nahen Osten transferiert haben. Davon soll er fünf Millionen Dollar für Privatzwecke abgezweigt und davon unter anderem eine Luxusjacht finanziert und Investitionen in ein Unternehmen seines Sohnes in den USA getätigt haben.

Die Ermittler beschuldigen Ghosn zudem, jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den japanischen Autohersteller übertragen zu haben.

Einen Termin für einen Prozess gegen den Manager gibt es noch immer nicht. Ghosn hat alle Vorwürfe zurückgewiesen und spricht von einer Verschwörung.

brt/dpa/AFP



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