Ex-Renault-Chef Ghosns Anwälte legen Mandat nieder

Die Anwälte des in Japan inhaftierten Carlos Ghosn werden den früheren Renault-Nissan-Chef nicht weiter vor Gericht vertreten. Unklar ist, ob sie entlassen wurden.

Ein Bildschirm mit einem Bericht über Ghosn (Archivbild)
AFP

Ein Bildschirm mit einem Bericht über Ghosn (Archivbild)


Zwei Anwälte des in Japan inhaftierten Automanagers Carlos Ghosn haben ihr Mandat niedergelegt. Motonari Otsuru, ein früherer Staatsanwalt, und sein Kollege Masato Oshikubo reichten am Mittwoch beim Bezirksgericht in Tokio ihren Rücktritt als Anwälte des früheren Renault-Nissan-Chefs ein. Ob sie von sich aus ihre Aufgaben niederlegten oder von Ghosn entlassen wurden, blieb unklar.

Ghosn war vor drei Monaten in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Die japanische Staatsanwaltschaft wirft dem 64-Jährigen vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei dem Autohersteller Nissan deklariert und private Investitionsverluste auf Nissan übertragen.

Vor Gericht bestritt der Topmanager die Vorwürfe und vermutete einen Komplott gegen ihn. Sein bisheriger Anwalt Otsuru hatte kürzlich erklärt, es könnten noch Monate vergehen, bis es zu einem Prozess gegen Ghosn komme. Er hatte mehrmals einen Antrag auf Freilassung gegen Kaution gestellt, was das Gericht jedoch immer wieder ablehnte.

Motonari Otsuru (Archivbild)
REUTERS

Motonari Otsuru (Archivbild)

Ghosn hatte die Allianz aus Renault sowie den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi gebildet. Nissan entließ ihn kurz nach der Verhaftung als Verwaltungsratschef. Als Renault-Chef trat er im Januar zurück.

Die Festnahme von Ghosn hatte Risse zwischen Nissan und Renault gezeigt, die ihr Dreierbündnis mit Mitsubishi eigentlich vertiefen wollen. Renault kritisierte, Nissan wende zu harte Ermittlungsmethoden gegen Ghosn an. Zugleich wurde bekannt, dass Renault ebenfalls Vorwürfe gegen Ghosn prüft: Der Manager soll zum "persönlichen Vorteil" von einem Sponsoring-Vertrag mit dem Schloss Versailles profitiert haben - dort soll er seine Hochzeit gefeiert haben, ohne die dafür veranschlagten 50.000 Euro zahlen zu müssen.

kko/dpa



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