Automanager unter Anklage Nissan wirft Ghosn aus Verwaltungsrat

Den Chefposten musste er bereits abgeben, nun ist Carlos Ghosn endgültig kein Verwaltungsrat von Nissan mehr. Die Aktionäre wählten den unter Anklage stehenden Manager aus dem Gremium.

Carlos Ghosn verlässt am 3. April das Büro seines Anwalts in Tokio
Kazuhiro NOGI / AFP

Carlos Ghosn verlässt am 3. April das Büro seines Anwalts in Tokio


Seit vergangenem Donnerstag ist Carlos Ghosn wieder in japanischer Untersuchungshaft, an diesem Montag folgt die nächste schlechte Nachricht für den Manager: Die Aktionäre des japanischen Autobauers Nissan haben den Ex-Konzernchef aus dem Verwaltungsrat geworfen. Sie stimmten bei einer außerordentlichen Sitzung in Tokio dafür, Ghosn aus dem Führungsgremium zu entlassen. Seinen Platz im Nissan-Verwaltungsrat wird Renault-Chef Jean-Dominique Senard einnehmen.

Nissan hatte Ghosn bereits nach seiner überraschenden Festnahme im November als Verwaltungsratsvorsitzenden entlassen. Der 65-Jährige blieb aber vorerst Mitglied im Verwaltungsrat. Für die Entlassung aus dem Gremium war ein Votum der Aktionäre nötig. Ebenfalls aus dem Verwaltungsrat ausgeschlossen wurde am Montag Ghosns früherer enger Mitarbeiter Greg Kelly.

Ghosn war am 19. November in Japan festgenommen worden. Er soll jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den japanischen Autobauer übertragen haben. Nach hundert Tagen wurde er gegen eine hohe Kaution und unter strengen Auflagen freigelassen.

Vergangene Woche wurde er dann erneut festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zusätzlich zu den bisherigen Anklagepunkten vor, von Ende 2015 bis Mitte 2018 insgesamt 15 Millionen Dollar an Nissan-Geldern an eine de facto von ihm kontrollierte Gesellschaft transferiert zu haben. Davon soll er fünf Millionen Dollar für Privatzwecke abgezweigt und davon unter anderem eine Luxusjacht finanziert und Investitionen in ein Unternehmen seines Sohnes in den USA getätigt haben.

Ghosn war jahrelang zugleich Chef des französischen Autobauers Renault, für den er die Allianz mit Nissan und Mitsubishi schmiedete. Renault hatte am Mittwoch vergangener Woche neue Vorwürfe gegen seinen früheren Konzernchef erhoben: Dabei gehe es um Zahlungen an einen Vertriebspartner des Autoherstellers in der Region des Mittleren Ostens, wie das Unternehmen mitteilte. Zweifelhafte Zahlungen soll es zudem bei der gemeinsamen Tochtergesellschaft mit dem Allianzpartner Nissan gegeben haben.

Der einstige Vorzeigemanager, der auch jahrelang beim französischen Autobauer Renault die Geschicke lenkte, bestreitet alle Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Verschwörung.

fdi/AFP

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Teutonengriller 08.04.2019
1. Immer diese Überflieger
Wenn etwas zu schön ist um wahr zu sein, dann ist es nicht wahr. Madoff,Middelhoff, Ghosn u.s.w.. Jeder kennt einen dieser "Zauberer" aus seiner Gemeinde. Fallen auf durch Imponiergehabe und unglaubliches Geschäftsgeschick und irgendwann sind die entweder pleite oder werden kriminell und landen im Gefängnis. Ich glaube keine sagenhafte Erfolgsstory mehr
stolte-privat 08.04.2019
2. leider zu wenige.....
Leider werden viel zu selten solche Finanzhasardeure, die mit Milliarden und mit menschlichen Existenzen spielen wie mit Monopolygeld eingesperrt. Schlimmstenfalls werden sie mit einem goldenen Handschlag und lebenslanger Versorgung sogar für den Fischteich in den Ruhestand entlassen. Die Arbeitnehmerschaft und die Angestellten dürfen das dann durch mehr Effizienz und weniger Entlohnung wieder ausbügeln. Das Verfahren gegen Ghosn ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mir fallen da noch etliche Namen ein.........
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