Fall Ghosn Renault findet keine Belege für Veruntreuung

Der Autohersteller Nissan wirft Renault-Chef Carlos Ghosn vor, seine Einkünfte verschleiert zu haben. Deshalb sitzt der Manager in Tokio in Haft. Renault kann bisher allerdings keine Verstöße feststellen.
Carlos Ghosn (Archiv)

Carlos Ghosn (Archiv)

Foto: LUDOVIC MARIN/ AFP

Der Autohersteller Renault kommt in einer internen Untersuchung zu dem Schluss, dass die Bezahlung des Automanagers Carlos Ghosn als Vorstandschef rechtskonform war.

Eine Überprüfung für den Zeitraum 2015 bis 2018 habe ergeben, dass die Vergütung des Automanagers den einschlägigen Gesetzen und Standards entsprochen habe. Das teilte der Verwaltungsrat des Autokonzerns in Boulogne-Billancourt bei Paris mit. Es handele sich um eine vorläufige Schlussfolgerung.

Die Rechtsabteilung des Unternehmens werde die Vorwürfe von Nissan gegen Ghosn aber weiter untersuchen. Der Verwaltungsrat von Renault entschied, dass Ghosn Vorstandschef bleibt und an der Firmenspitze weiterhin vertreten wird. Nach der Verhaftung Ghosns in Japan hatte Renault rasch eine kommissarische Führung eingesetzt. Ghosn blieb aber offizieller Chef des Konzerns.

Klage gegen Ghosns Schwester

Der 64-Jährige sitzt seit mehreren Wochen in Tokio in Untersuchungshaft. Dem Ex-Topmanager des japanischen Renault-Partners Nissan wird vorgeworfen, dass er jahrelang ein zu niedriges Einkommen für seine Arbeit bei dem japanischen Autobauer Nissan deklariert haben soll. Er soll sich auch persönlich an Firmenkapital von Nissan bereichert haben.

Nissan und auch der japanische Autobauer Mitsubishi setzten Ghosn in der Folge als Vorsitzenden ihres Verwaltungsrats ab. Mitangeklagt ist sein früherer enger Mitarbeiter Greg Kelly, der ebenfalls in U-Haft sitzt. Ghosn hatte in den 1990er Jahren Nissan vor der Beinahe-Pleite gerettet.

Die am 19. November gegen ihn verhängte Untersuchungshaft verlängerte das Gericht in dieser Woche nach neuen Vorwürfen bei der Anklageerhebung. Ein Antrag seines Anwalts gegen die verlängerte U-Haft war gescheitert. Ghosn selbst bestreitet die Vorwürfe.

Renaults Partnerunternehmen Nissan, das die Vorwürfe gegen Ghosn enthüllt hatte, verfolgt inzwischen die vermutete Veruntreuung von Firmengeld rechtlich weiter. Der Autohersteller verklagte am Dienstag Ghosns Schwester in Brasilien wegen unrechtmäßiger Bereicherung. Details der Klage waren zunächst nicht bekannt.

100.000 Dollar für Beratertätigkeiten

Doch nach früheren Berichten der japanischen Tageszeitung "Yomuri" bewohnt die Schwester des in Brasilien geborenen Ghosn eine Dienstwohnung in Rio de Janeiro, die Nissan 2011 für den Autoboss gekauft hatte. Ghosn habe Nissan 2002 angewiesen, seiner Schwester im Jahr 100.000 Dollar für Beratertätigkeiten zu zahlen, die diese aber nicht erbracht habe.

Über das Apartment mit Strandlage an der Copacabana streiten Nissan und die Ghosns bereits vor Gericht. Das Unternehmen will der Familie den Zutritt untersagen lassen, damit keine Beweise für mögliche Gesetzesverstöße beiseite geschafft werden.

Ghosn hingegen fordert, sein persönliches Eigentum an Bargeld, Dokumenten und Kunstobjekten herausholen zu können. Wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht sind in der mit Designermöbeln ausgestatteten Wohnung drei Safes, die Nissan noch nicht öffnen konnte. Ghosns Anwalt in Brasilien, Jose Roberto de Castro Neves, teilte mit, er wisse nichts über die Safes und es sei auch absurd, hier Beweise zu vermuten.

brt/Reuters/dpa