Neue Studie Carsharing setzt sich bisher nicht durch

Braucht bald zumindest in Großstädten niemand mehr ein eigenes Auto? Das glauben viele Anhänger von Carsharing-Modellen. Die Uni Duisburg-Essen sagt jetzt: Tatsächlich steigt der Anteil von Privatautos weiter an.

Elektroautos in einem Carsharing-Projekt: Nur 0,04 Prozent aller Pkw sind Carsharing-Wagen
Roland Weihrauch/ DPA

Elektroautos in einem Carsharing-Projekt: Nur 0,04 Prozent aller Pkw sind Carsharing-Wagen


Auf das eigene Auto wollen viele Deutsche nach wie vor nicht verzichten. Daran haben bislang weder Dieselskandal noch der Klimawandel etwas ändern können. Darauf weist das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen in einer aktuellen Studie hin. Alternative Angebote wie Carsharing würden kaum angenommen, stattdessen steige auch in den Großstädten der Autobestand immer weiter. Im laufenden Jahr kommen bei einem Bestand von 47,1 Millionen Autos demnach 567 Wagen auf tausend Einwohner. Zehn Jahre zuvor waren es bei 41,3 Millionen Pkw noch 504 Autos pro tausend Menschen.

Auch in den eigentlich gut mit öffentlichem Nahverkehr erschlossenen Ballungsräumen legte die Zahl der angemeldeten Autos zu. Beispielsweise in München, Hannover, Leipzig, Braunschweig und Düsseldorf wuchs der Bestand in dem beobachteten Zehnjahreszeitraum stärker als im bundesdeutschen Schnitt von 14 Prozent. Allerdings wurde hier nicht das Bevölkerungswachstum berücksichtigt.

Carsharing-Angebote haben Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer zufolge wenig Erfolg. Der Bestand von 20.200 Fahrzeugen entspreche einem Anteil von 0,04 Prozent aller Pkw. Unter den 2,46 Millionen Carsharing-Fahrberechtigten vermutet der Autoexperte viele "Karteileichen", die ihre Mitgliedschaft nicht aktiv nutzen. Auch in den kommenden Jahren werde das persönlich nutzbare Auto seine Bedeutung behalten, neuartige Abo-Modelle machten es risikoloser und komfortabler.

Die mangelnde Akzeptanz führe zu drastischen Verlusten der Anbieter. Konkrete Zahlen geben die großen Hersteller, die hinter den flexiblen Mietauto-Modellen stehen, nicht bekannt. Doch Experten gehen davon aus, dass keiner der Teilnehmer bislang damit Gewinne erwirtschaftet. Fusionen und Marktaustritte haben in den vergangenen Jahren den Markt bestimmt, heißt es in der Untersuchung des CAR-Instituts.

Den Betrieb eingestellt hätten unter anderem CarUnity von Opel, Multicity von Citroen, Mazda Carsharing und Spotcar. CiteeCar sei insolvent. Daimler und BMW hätten ihre Töchter Car2Go und DriveNow zu Share Now zusammengelegt. Lediglich bei vier Anbietern habe sich nichts verändert.

Der Bundesverband Carsharing kritisierte die Studie als "Polemik mit wissenschaftlichem Anstrich". Carsharing sei seit Jahren ein Wachstumsmarkt, sagte Verbandsgeschäftsführer Gunnar Nehrke. Bundesweit hätten nur drei Prozent der Einwohner über 16 Jahre eine Carsharing-Möglichkeit, in Städten wie Hamburg und Berlin beteiligten sich aber bereits 16 Prozent. "Hier zeigen sich erste Anzeichen, dass Carsharing die Nische verlässt", sagte Nehrke.

Nehrke kritisierte, die Politik habe private Autos und persönliche Dienstwagen jahrzehntelang gefördert, die Industrie "mit ungeheuren Marketing-Budgets" dafür geworben. "Pkw-Besitz ist für viele Deutsche zum Mobilitäts-Paradigma schlechthin geworden." Deshalb fordere der Verband, dass Bund, Länder und Kommunen "auch die flächendeckende Bereitstellung von Carsharing-Angeboten endlich systematisch fördern".

kko/dpa



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