Klage gegen Cathy Hummels "Ich sehe mich als Frauenzeitschrift"

Zum Prozessauftakt gegen Cathy Hummels zweifelt die Richterin an der Argumentation der Klage wegen unerlaubter Werbung - und vergleicht Influencer mit einer Krankheit.

Cathy Hummels am Landgericht München
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Cathy Hummels am Landgericht München


Am ersten Prozesstag gegen Instagram-Berühmtheit Cathy Hummels ließ die Vorsitzende Richterin Monika Rhein in der mündlichen Verhandlung durchblicken, dass sie Zweifel an der Argumentation des klagenden Verbands Sozialer Wettbewerb (VSW) hat. Sie verglich dabei die Influencerin mit einer Frauenzeitschrift.

Traditionelle Medien können in redaktionellen Beiträgen Produktnamen nennen, ohne dass das als unerlaubte Werbung gilt, erläuterte die Richterin. "Haben Sie schon mal "Brigitte Online" gelesen? Da gibt's Verlinkungen ohne Ende." Hummels griff das Argument dankbar auf: "So sehe ich mich, als Frauenzeitschrift", sagte sie nach der Verhandlung.

Der VSW hat die Ehefrau von Fußballspieler Mats Hummels abgemahnt, weil sie in gut einem Dutzend Instagram-Beiträgen für ihre 465.000 Follower die Hersteller ihrer Schuhe und Bekleidung genannt und die Webseiten der Unternehmen verlinkt hatte. Bei diesen "streitgegenständlichen" Beiträgen geht es ausschließlich um Produkte, für die die Spielerfrau nach eigenen Worten keinerlei Gegenleistungen erhalten hat. Dazu zählt ein Pullover der Luxusmarke Miu Miu.

Der in Berlin ansässige Verband wirft ihr jedoch unerlaubte Werbung vor. "Das müsste schon in den einzelnen Beiträgen gekennzeichnet sein", sagte der vom VSW beauftragte Anwalt Franz Burchert.

Cathy Hummels im Gerichtssaal des Landgerichts München
DPA

Cathy Hummels im Gerichtssaal des Landgerichts München

"Früher war Influenza eine Krankheit, heute ist es ein Berufsbild", kommentierte die Vorsitzende Richterin Rhein gleich zu Beginn der Verhandlung. Den Followern sei klar, dass Hummels' Instagram-Account nicht privat, sondern kommerziell sei.

Nicht gestritten wird dagegen um die Werbeverträge, die Hummels mit mehreren Modefirmen abgeschlossen hat. Denn die Instagram-Beiträge zu deren Produkten kennzeichnet die frühere Moderatorin als "bezahlte Partnerschaft". Hummels betonte: "Ich mache das alles ehrlich und transparent." Ihr Argument: ohne Gegenleistung der Hersteller auch keine Werbung.

Der Verband Sozialer Wettbewerb ist unter Wettbewerbsrechtlern für seine Abmahnungen bekannt. Neben Hummels hat der Verband in den vergangenen Monaten auch Fitness-Model Pamela Reif und andere Promis der Influencer-Szene in Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Das Urteil über seine Klage gegen Hummels soll am 29. April fallen.

mal/dpa



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