Vom Gangsta-Rapper zum Start-up-Investor In da Börse

Ob Snoop Dogg, 50 Cent oder Chamillionaire: US-Rapper, die ihre besten Jahre hinter sich haben, investieren ihr Geld gerne in Start-ups. Doch nicht alle haben dabei den richtigen Riecher.

Klarna

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Als am vergangenen Freitag an der New Yorker Börse die Börsenglocke ertönte, regnete pinkfarbenes Konfetti von der Decke, Manager jubelten und lagen sich in den Armen. Sie freuten sich, weil ihr Start-up, der Fahrdienstvermittler Lyft, einen fulminanten Börsengang hinlegte. Der noch jungen Firma gelang der größte Tech-Börsengang seit dem Antritt von Snap vor zwei Jahren, die Aktie stieg direkt zum Start um knapp 10 Prozent.

Zu den großen Profiteuren des Börsengangs zählte dabei ein gewisser Hakeem Seriki, besser bekannt unter seinem Rapper-Künstlernamen Chamillionaire. Der Gangsta-Rapper hatte bereits vor einigen Jahren einen Anteil an der Firma erworben, der jetzt durch den Börsengang ein Vielfaches wert sein dürfte. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass Lyft ein großer Erfolg sein wird", sagte er in einem Interview mit dem TV-Sender CNBC. Seine Lyft-Aktien werde er noch lange halten.

Auch als One-Hit-Wonder ausgesorgt

Chamillionaire hat es damit geschafft, sich neben seiner Musikkarriere ein zweites Standbein aufzubauen und seine Millionen gewinnbringend anzulegen. Mit dieser Strategie ist Chamillionaire nicht allein: Immer mehr Gangsta-Rapper entdecken die Start-up-Branche für sich, um ihr Geld anzulegen. Sie nutzen ihre Berühmtheit, um sich exklusive Zugänge zu Investorenkreisen zu verschaffen und verhelfen ihren Investments zu einer Menge Aufmerksamkeit.

Für Chamillionaire ist es nicht das erste Mal, dass er mit einem Investment einen richtigen Riecher bewies: Vor einigen Jahren hatte er in die Online-Videoplattform Maker Studios investiert, die wenig später für knapp 500 Millionen Dollar an Disney veräußert wurde. Ebenso kaufte er sich bei der auf die Entwicklung autonomer Fahrzeuge spezialisierte Firma Cruise ein, die später von General Motors übernommen wurde. Auch gründete er mit Convoz eine eigene Socialmedia-Plattform.

Wie viel Geld er mit seinen Investments macht, verrät Chamillionaire bis heute nicht, ließ aber in einem Interview durchblicken, dass es um einiges mehr sei, als er je in seiner Karriere als Rapper verdiente.

Dabei dürfte er auch in seiner aktiven Zeit als Rapper nicht zu den Ärmsten gehört haben: Oft reicht es in den USA einen großen Hit zu landen, um bis ans Lebensende ausgesorgt zu haben. Seinen größten Erfolg feierte der Rapper im Jahr 2006 mit seiner mit einem Grammy ausgezeichneten Hit-Single "Ridin", die auch hierzulande in Großraumdiskotheken rauf und runter gespielt wurde. Musikalisch ist es um Chamillionare seitdem eher ruhig geworden, er gilt als One-Hit-Wonder.

Doch auch weitaus erfolgreichere Rapper treiben sich in der Start-up-Szene herum: Erst im Januar sorgte etwa der amerikanische Hip-Hop-Star Snoop Dogg für Aufsehen, als er in den Zahlungsdienstleister Klarna investierte und gleichzeitig als neues Werbetestimonial für das schwedische Start-up verpflichtet wurde. Das Unternehmen veröffentlichte ein Video, in dem der Rapper eine Kette mit der Aufschrift "Smooth Dogg" überreicht bekommt. Eine Anspielung auf das Werbeversprechen Klarnas, Zahlungen besonders "smooth" abzuwickeln.

Klarna wurde 2005 in Stockholm gegründet und ist in 14 Ländern tätig, darunter auch Deutschland. Hierzulande ist die Firma vor allem wegen der Abwicklung von Sofortüberweisungen im Internet bekannt. Konkurrenten der Schweden sind Zahlungsdienstleister wie Paypal, Square und Adyen. Das Unternehmen wird derzeit von Investoren mit 2,25 Milliarden Dollar bewertet und stieg 2015 zum ersten europäischen Einhorn im Finanztechnologiebereich auf. So werden Start-ups genannt, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind.

Für Klarna dürfte sich der Deal mit Snoop Dogg ausgezahlt haben: Mit dem bekannten Rapper als Werbegesicht hat das Finanzunternehmen gute Chancen, mehr aufzufallen und seinem sperrigen Geschäftsmodell ein cooles Image zu verleihen. Denn gerade Bezahlverfahren sind eher schwer mit einem Alleinstellungsmerkmal zu verbinden.

Das Start-up band den Rapper für Jahre an sich und überließ ihm einen "kleinen" Anteil an der Firma, vermutlich auch, weil die noch junge Firma das Werbehonorar von Snoop Dogg sonst nicht hätte stemmen können. "Snoop ist nicht nur eine Rap-Legende, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann mit einem wirklichen Interesse an Technologien, dem Einzelhandel und E-Commerce", teilte Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski mit.

Das Geld für den Klarna-Deal dürfte aus Snoop Doggs Risikokapitalgesellschaft Casa Verde Capital stammen. Seit Jahren investiert der Rapper über diese Gesellschaft vor allem in Cannabis-Unternehmen, wie zum Beispiel den Cannabis-Onlinevertrieb Eaze oder Canopy Growth aus Kanada. Zum Portfolio gehören inzwischen rund 12 Beteiligungen. Er ist selbst bekennender Kiffer.

Der Grund, warum Rapper den Finanzmarkt für sich entdecken, dürfte auf der Hand liegen: Sie wollen ihr Geld vermehren. Denn das war schon immer das Ziel eines jeden US-Rappers - Geld ist in der Szene Statussymbol Nummer Eins. In unzähligen Songs rappen die Künstler davon, wie sie ärmlichen Verhältnissen im Ghetto entflohen sind und heute in Prunk und Protz leben. Sie tragen Goldketten, zeigen in ihren Videos dicke Schlitten und finanzieren eben neuerdings auch Start-ups. "Get Rich or Die Tryin'" heißt das Album, mit dem Rapper 50 Cent vor zwölf Jahren zum Weltstar wurde: "Werde reich oder stirb beim Versuch".

"Überall treffe ich auf Milliardäre"

Zumindest Chamillionaire macht daraus keinen Hehl, mit seinen Firmenbeteiligungen keine hehren Ziele zu verfolgen: "Ich bin jetzt seit ein paar Jahren in der Musikindustrie unterwegs und habe dort eine Menge reicher Leute gesehen, aber keine vermögenden", sagte er in einem Interview mit "Vice". "Jetzt bin ich in der Technologieindustrie gelandet und laufe jeden Tag vermögenden Leuten über den Weg. Überall treffe ich auf Milliardäre. Und sie sind jung. In der Musikindustrie hast du das nicht."

Doch nicht immer gehen die Pläne der ambitionierten Hip-Hop-Stars auf, wie der Fall von 50 Cent zeigt. Lange galt der US-Rapper, der bürgerlich Curtis James Jackson III heißt, laut Wirtschaftsmagazin "Forbes" als einer der fünf reichsten Hip-Hop-Musiker. Rund um seine Marke baute er ein Imperium aus Modemarken und Videospielen auf. Auch in die Getränkemarke Glacéau investierte er und bewarb sie in seinen Songs. Coca Cola kaufte sie schließlich auf, Jackson vervielfachte seinen Einsatz.

Doch mit den Jahren wuchsen ihm seine Beteiligungen über den Kopf, seine Ausgaben überstiegen bei weitem seine Einnahmen. Obwohl seine Rap-Karriere immer weniger Geld abwarf, hatte sich der Rapper in Connecticut ein fast 70.000 Quadratmeter großes Anwesen gekauft - inklusive 21 Schlaf- und 25 Badezimmern, einem Indoor-Pool, ein Fitnessstudio, Squash-Plätze und eine Diskothek.

Nur wenige Jahre später musste 50 Cent Privatinsolvenz anmelden, trotz seiner Investments hatte er Schulden zwischen 10 und 50 Millionen Dollar angehäuft. An diesem Mittwoch gelang es ihm schließlich sein Anwesen mit hohem Verlust zu verkaufen. Jahrelang hatte er die Luxusresidenz für 18,5 Millionen Dollar angeboten, am Ende erzielte er nur einen Verkaufspreis von etwas mehr als zwei Millionen Dollar.

In einem Gerichtsverfahren musste er jüngst zudem zugeben, dass er bei der Angabe seiner Vermögensverhältnisse nicht immer ganz ehrlich war. Nachdem er mit einem Haufen Geldbündel posiert hatte, die das Wort "broke" ("pleite") buchstabierten, gestand er später auf Nachfrage eines Richters: Die Scheine waren bloß Requisiten.



insgesamt 4 Beiträge
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Onkel Drops 04.04.2019
1. Snoop Dogg ist bei cannabiseuren unten durch...
Eigenmarke aromatisiertes Cannabis! aber bei Cannabis Pokalen einen auf Kenner machen !?! vergleichbar mit einem Weinverkoster der die Geschmacksrichtungen lobt, aber gleichzeitig Weinmixgetränke panscht und vertreibt. hoch gehypter sonst was der sich halt gratis gern dicht raucht und selbst Dreck vertickt. andere züchten bis das Endprodukt ganz natürlich seinem Geschmack und Geruch entspricht,das ist Kunst. was drauf zu sprühen ist Künstlich, keine Kunst sondern ganz schön arm.( schließlich bewertet er ja von zig Züchtern deren Werke, ist nah dran an den Profis und macht den geldgierigen Amateur!). nennt man Blender... der nicht Rapper und Musiker/ Cannabis Aktivist/Schauspieler Thomas Chong gab seinen Namen nur für Sorten her die ihm persönlich zusagten... Tommys choice sagt das auch irgendwo aus( von Profis gezüchtet statt gepfuscht !!! geht also doch richtig).
Kezman9 04.04.2019
2. Ihr Spongos...
'In da Börse'?! Alles klar...
Besser_Meyer 04.04.2019
3. Lyft-Aktie
»Seine Lyft-Aktien werde er noch lange halten.« Na dann viel Spass mit der Aktie, die leigt im Moment bei -10%. Wer sowas kauft hat zu viel Geld.
Lucid_2_Win 18.04.2019
4. Still the Rap God
Zum Glück läuft's bei Em noch gut genug, dass er sowas nicht nötig hat. Kamikaze war ein überwiegend gutes Album und ich freue mich schon auf sein nächstes Werk. Ein SSLP2, dass seinem Vorgänger um nichts nachsteht, wäre perfekt aber wohl auch ein Wunder.
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