Tipps von Polizei und Airport Hamburg Reisende sollen Chaos an Flughäfen entgegenwirken

Zu Ferienbeginn werden die deutschen Flughäfen an ihre Leistungsgrenze kommen. Die Menschen hätten »verlernt zu fliegen«, sagt die Bundespolizei – und rät zu guter Vorbereitung.
Reisende an den Sicherheitskontrollen im Hamburger Flughafen: In der Schlange Richtung Urlaub

Reisende an den Sicherheitskontrollen im Hamburger Flughafen: In der Schlange Richtung Urlaub

Foto: Christian Charisius / dpa

Personalengpässe, steigende Coronazahlen und trotzdem eine starke Nachfrage nach Urlaubsreisen: Der erste richtige Reisesommer seit Ausbruch der Coronapandemie bringt die deutschen Flughäfen an die Belastungsgrenze. Dabei stellt die Bundesregierung kurzfristige Abhilfe in Aussicht, Tausende ausländische Aushilfskräfte sollen die Flughäfen unterstützen.

Die Urlaubszeit wirft ihre Schatten bereits voraus: Kurz vor dem Beginn der Sommerferien in Schleswig-Holstein und Hamburg stimmt der Flughafenchef der Hansestadt Michael Eggenschwiler die Passagiere auf längere Wartezeiten ein. Die schnelle Erholung des Flugverkehrs weltweit bringe die Leistungsfähigkeit der Branche an ihre Grenzen. »Da gibt es nichts schönzureden, die Lage ist im Moment sehr, sehr angespannt«, sagte Eggenschwiler: »Wir haben zwei intensive Wochen vor uns.« Die Passagiere müssten sich auf gewisse Wartezeiten einstellen.

Der Helmut-Schmidt-Flughafen erwartet rund 300.000 Passagiere pro Woche, an einigen Tagen bis zu 50.000. Das entspreche 70 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. Stundenweise könnten es jedoch mehr Reisende sein als zu Spitzenzeiten 2019. Besonders großen Andrang erwartet Eggenschwiler an diesem Freitag sowie am Montag und Freitag nächster Woche.

Eggenschwiler forderte die Reisenden zu einer guten Vorbereitung auf. Er empfehle, zweieinhalb Stunden vor Abflug auf dem Flughafen zu sein, oder auch »einen Tick früher«, besonders für Flüge zu den Spitzenzeiten um die Mittagszeit sowie zwischen 16.00 und 18.00 Uhr. Gepäck sollte frühzeitig aufgegeben werden. Die Kontrollen öffneten nun noch früher, nämlich um 03.30 Uhr morgens. Außerdem verwies der Flughafenchef auf den Online-Check-in.

Verlernt zu fliegen?

Der Vizepräsident Bundespolizeidirektion Hannover, Michael Schuol, sagte, viele Menschen hätten »verlernt zu fliegen« und appellierte an die Reisenden, vor allem ihr Handgepäck schon vorher auf verbotene Gegenstände und die vorgegebenen Mengen für Flüssigkeit zu prüfen. Es sei zudem nicht hilfreich, wegen hoher Gepäckgebühren mehrere Handgepäckstücke mitzunehmen, dann dauere alles noch länger.

Personalengpässe bei Fluggesellschaften und Dienstleistern könnten auch am Flughafen BER in Brandenburg die Reiselust trüben. Tenor bei den Unternehmen: Wir sind personell grundsätzlich für den Ansturm aufgestellt – doch unplanmäßige Ausfälle könnten die Abläufe schnell durcheinander bringen.

Flughafen BER: Abflug

Flughafen BER: Abflug

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Mit rund drei Millionen Fluggästen rechnen die BER-Betreiber für die Sommerferien. Der verkehrsreichste Tag werde demnach der Freitag, 8. Juli, sagte Flughafenchefin Aletta von Massenbach am Donnerstag in Schönefeld. »Da erwarten wir rund 80.000 Passagiere.« Der bisherige Spitzentag während der Coronapandemie war demnach mit 77.000 Passagieren der Karfreitag.

Vom Vorkrisen-Niveau sind solche Zahlen noch ein ganzes Stück entfernt. Während der Sommerferien im Jahr 2019 flogen laut von Massenbach rund fünf Millionen Passagiere über die Berliner Flughäfen. Dennoch ist die Situation bei allen Beteiligten angespannt. »Kleinste Disruptionen können dazu führen, dass es zu Verspätungen kommt«, sagte Easyjet-Deutschlandchef Stephan Erler.

Qualifiziertes Personal fehlt

Neben den Personalengpässen machen den Fluggesellschaften auch ein aufgrund des Ukrainekriegs weiter verengter Luftraum sowie die unerwartet stark steigenden Coronazahlen zu schaffen.

Nicht nur bei den Fluggesellschaften, auch bei den angeschlossenen Flughafendienstleistern fehle »qualifiziertes Personal, das ein zügiges Hochfahren der Kapazitäten nach der Krise auf das gewünschte Nachfrage-Niveau ermöglichen würde«, teilte eine Sprecherin von Wisag mit. Der Dienstleister ist eines von drei Unternehmen, die sich am BER im Auftrag der Fluggesellschaften unter anderem um Passagierabfertigungen, Vorfelddienste und Reinigungsarbeiten kümmern.

Kurzfristige Hilfe wegen der Personalengpässe hat die Bundesregierung in Aussicht gestellt: Sie will für Tausende ausländische Aushilfskräfte die Einreise ermöglichen, um auf diese Weise dringend benötigtes Personal zu gewinnen. Doch ob die hauptsächlich aus der Türkei kommenden Aushilfen schon in den Sommerferien bereitstehen, ist fraglich.

Und auch international sind die Belastungen hoch. In Großbritannien hat die Regierung angesichts des Chaos auf den Flughäfen die Fluggesellschaften aufgefordert, »realistischere« Flugpläne aufzustellen und die Passagiere »so früh wie möglich« über Störungen zu informieren. Die Regierung ihrerseits beschleunigte Sicherheitskontrollen an den Flughäfen. Mehr Personal im Ausland zu rekrutieren, lehnte London ab.

In der französischen Hauptstadt Paris fallen derzeit etwa zehn Prozent aller Flüge vom Flughafen Charles de Gaulle (CDG) wegen Streiks aus. Für Freitag werden ähnliche Störungen erwartet, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers ADP.

ptz/dpa/Reuters/AFP
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