Nach rechtsextremer Gewalt US-Bosse verlassen Trumps Industrierat

Merck, Intel, Under Armour: Nach Donald Trumps zögerlicher Distanzierung von Rechtsextremisten verlassen mehrere Unternehmenschefs seinen Industrierat. Es ist nicht die erste Rücktrittswelle in dem Gremium.
Merck-Chef Kenneth Frazier

Merck-Chef Kenneth Frazier

Foto: ERIC THAYER/ REUTERS

Innerhalb weniger Stunden haben sich mehrere Konzernchefs aus einem Industrierat zurückgezogen, der US-Präsident Donald Trump in wirtschaftspolitischen Fragen berät. Auf den Rücktritt des Merck-Chefs Kenneth Frazier am Montag folgten die Unternehmenslenker von Intel   und Under Armour, Brian Krzanich und Kevin Plank. Die Manager reagierten zum Teil direkt auf Trumps zögerliche Verurteilung von rechtsextremer Gewalt in der US-Stadt Charlottesville.

"Ich trete zurück und will damit Aufmerksamkeit auf die ernsthafte Gefahr lenken, die die politische Spaltung für wichtige Themen darstellt", schrieb Krzanich auf seinem Blog. Er wolle "Fortschritte machen, während viele Leute in Washington mehr damit beschäftigt zu sein scheinen, jeden zu attackieren, der nicht mit ihnen übereinstimmt". Auch der Gewerkschaftsverband AFI-CIO erklärte, er prüfe einen Rückzug aus dem Beratergremium.

Bei einem Neonazi-Aufmarsch am Samstag in Virginia war ein mutmaßlicher Rechtsextremist in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren und hatte dabei eine Frau getötet und mehrere Teilnehmer schwer verletzt. Trump geriet daraufhin auch in den eigenen Reihen in die Kritik, weil er die "White Supremacy"-Bewegung zunächst nicht explizit verurteilte. Erst am Montag distanzierte er sich dann doch von Rechtsextremisten.

Trumps erste Reaktion veranlasste Merck-Chef Frazier zum Rückzug, den einzigen Afroamerikaner in dem Beraterstab. Frazier erklärte auf Twitter, die Führung des Landes müsse "zu unseren grundsätzlichen Ansichten stehen" und klar Position beziehen gegen Hass, Fanatismus und eine angebliche Überlegenheit bestimmter Gruppen. Trump erwiderte kurze Zeit später ebenfalls per Twitter, der Merck-Chef werde dann wohl jetzt mehr Zeit haben, die "Abzock-Arzneimittelpreise" zu senken.

In den vergangenen Monaten haben sich bereits mehrere Top-Manager aus dem Beraterstab Trumps zurückgezogen. So legten Tesla-Chef Elon Musk und Disney-Chef Robert Iger ihre Ämter nieder, nachdem Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt hatte. Ex-Uber-Chef Travis Kalanick schied im Protest gegen die Einwanderungspolitik aus.

dab/dpa/Reuters
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