Schwache Energienachfrage in Fernost China bietet Europa überschüssiges Flüssiggas an

Norwegen, Katar – und bald China? In der Energiekrise könnte die Volksrepublik mit LNG-Lieferungen einspringen. Das würde die Abhängigkeit von Russland verringern, hätte aber in mehrfacher Hinsicht auch seinen Preis.
LNG-Tanker im Hafen von Tianjin: Wird Europa nun auch noch bei der Energie abhängig von China?

LNG-Tanker im Hafen von Tianjin: Wird Europa nun auch noch bei der Energie abhängig von China?

Foto: VCG / IMAGO

Durch die Pipeline Nord Stream 1 schickt Russland seit Wochen nur ein Fünftel der möglichen Menge – und ab 31. August soll der Gasfluss für drei Tage erneut ausbleiben. Wieder ist von Wartungsarbeiten die Rede. Doch wie die Energieversorgung sichern? Auch China könnte in der Energiekrise mit LNG-Lieferungen einspringen.

Die Volksrepublik ist der weltweit größte Abnehmer von verflüssigtem Erdgas. Weil die Energienachfrage im eigenen Land, das wirtschaftlich derzeit schwächelt, geringer ausfällt als gedacht, verkauft China einige seiner überschüssigen LNG-Ladungen weiter.

Auf dieses Angebot habe Europa bereits in großem Stil zugegriffen, berichtete die »Financial Times « unter Berufung auf Zahlen des Forschungsunternehmens Kpler. Demnach stiegen die europäischen Flüssiggasimporte im ersten Halbjahr 2022 um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Auch für dieses Gas müssen die Europäer laut dem Bericht jedoch deutlich mehr bezahlen als noch vor einem Jahr. Doch immerhin: Durch die Lieferungen aus Fernost könne Europa wahrscheinlich sein Ziel erreichen, seine Gasspeicher bis November zu 80 Prozent zu füllen, schreibt die Zeitung.

Eine Dauerlösung dürfte das gleichwohl nicht sein. Zum einen, weil das Angebot bei einem Comeback der chinesischen Wirtschaft schrumpfen dürfte. Zum anderen würde sich Europa geopolitisch von einem anderen Land abhängig machen, mit dem – wie derzeit im Fall von Taiwan  – potenziell weitere politische Konflikte drohen.

Darüber hinaus könnte es zu einer Situation kommen, in der Russland mehr Gas nach China exportiert – etwa durch die Power-of-Siberia-Erdgaspipeline – und Europa wiederum dieses Gas zu hohen Preisen kaufen muss.

Seinen Einfluss auf dem weltweiten Energiemarkt dürfte China in jedem Fall ausbauen. Die »Financial Times« warnt bereits: »Während Europa versucht, sich aus seiner Energieabhängigkeit von Russland zu befreien, wird es ironischerweise immer abhängiger von China.«

apr
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