China gegen die USA Angst vor dem großen Wirtschaftskrieg

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos war die Stimmung nervös: Der Konflikt zwischen China und den USA bereitet vielen Topmanagern Sorge. Längst geht es um mehr als Handel und Zölle.
Regierungschefs Xi, Trump

Regierungschefs Xi, Trump

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

Dass George Soros gerne austeilt, ist bekannt. Doch die Worte, die der 88-jährige Investor dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping widmete, sind selbst für seine Verhältnisse hart: Xi sei der "gefährlichste Gegner einer offenen Gesellschaft", warnte Soros in dieser Woche bei einem Abendessen in einem Davoser Nobelhotel am Rande des Weltwirtschaftsforums. Die chinesische Kombination aus einem repressiven Regim

Investor George Soros in Davos

Investor George Soros in Davos

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

e und monopolistischen Technologiekonzernen sei eine "tödliche Bedrohung".

So hart wie Soros formuliert das offiziell sonst niemand in der versammelten Davoser Wirtschaftselite. Doch viele Teilnehmer treibt die Sorge um, dass sich die wirtschaftlichen Konflikte zwischen China und den USA zu einem wirklichen Wirtschaftskrieg auswachsen könnten, der die ganze Welt in Mitleidenschaft zieht.

Langfristig geht es dabei um nicht weniger als die Frage, wer die Kommunikationstechnologien und damit das 21. Jahrhundert beherrschen wird. Kurzfristig könnte ein solcher Konflikt die Weltwirtschaft in eine Krise stürzen.

Diese Gefahr scheint umso größer, da die Konjunktur ohnehin empfindlich abkühlt. Gerade erst hat der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognosen nach unten gesetzt. Für Deutschland erwartet selbst die Bundesregierung mittlerweile nur noch ein Miniwachstum von einem Prozent. Und China musste gerade erst das schwächste Jahr seit drei Jahrzehnten vermelden.

Mit Deutschland und China aber sind zwei Länder in den Abschwung geraten, die in den vergangenen Jahren den Boom angetrieben haben.

"Die Politik darf jetzt keine Fehler machen"

Zwar gehen die meisten Ökonomen bisher davon aus, dass es eher einen normalen Abschwung, als eine heftige Rezession geben wird. Doch vor allem der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China lässt die Experten vorsichtig werden.

Der Streit geht vor allem von US-Präsident Donald Trump aus, dem das amerikanische Handelsbilanzdefizit mit China ein Ärgernis ist. Bis zum 1. März muss es eine Einigung geben, sonst treten US-Strafzölle in Kraft, die China seinerseits mit weiteren Zöllen beantworten würde.

"Das größte Potenzial für Verwerfungen sehe ich in den Handelskonflikten", sagt Axel Weber, Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS und früherer Bundesbankpräsident. "Da werden schon jetzt Investments zurückgestellt und Standortentscheidungen verschoben."

UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber

UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber

Foto: GIAN EHRENZELLER/EPA-EFE/REX

"Die Politik darf jetzt keine Fehler machen - sei es beim Brexit oder im Handelskonflikt", sagt auch Philipp Hildebrand, Vizechef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock. Wenn es zu einer Krise komme, gebe es kaum mehr Reaktionsmöglichkeiten, um gegenzusteuern.

Wie die meisten Teilnehmer in Davos setzt Hildebrand darauf, dass es im Handelsstreit einen Kompromiss vor dem 1. März geben wird. Doch für ihn ist die Diskussion um die Strafzölle nur die Oberfläche eines tiefer sitzenden Konflikts.

"Es geht längst nicht mehr nur um den Handel, sondern um den strategischen Wettbewerb zwischen China und des USA - vor allem in der Digitalwirtschaft", sagt der Schweizer, dessen Arbeitgeber Blackrock weltweit rund sechs Billionen Dollar verwaltet. "Das ist ein grundlegender Konflikt, der auch nicht verschwinden wird, wenn Trump nicht mehr im Amt ist."

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Ähnlich sieht es Jin Keyu. Die chinesische Ökonomin ist so etwas wie ein neuer Star in Davos. Sie hat in Harvard studiert, lehrt mittlerweile an der London School of Economics - und erklärt gerne westlichen Top-Managern, wie China wirklich tickt.

Beim Warenhandel gebe es eigentlich keine wirkliche Konkurrenz mit den USA, sagt Jin. Da hätten sich die beide Staaten immer gut ergänzt. "Bei der Technologie sieht das nun ganz anders aus." Dort sei ein harter Wettbewerb entbrannt.

"Sicherheitsrisiko für den Rest der Welt"

Im Kern geht es darum, welche Großkonzerne künftig die Vorherrschaft gewinnen - und welche politische Folgen das hat. Ob Amazon, Facebook oder Netflix - in der westlichen Welt sind es vor allem amerikanische Unternehmen, die den Alltag vieler Menschen prägen. Zumindest bis jetzt.

Denn chinesische Tech-Riesen, die zu Hause ohnehin dominieren, drängen immer stärker in die Weltmärkte: der Onlinehändler Alibaba etwa oder der IT-Riese Tencent. Dem ebenfalls global aufgestellten Telekommunikationsausrüster Huawei werfen die USA Spionage vor, gegen den chinesischen Konzern ZTE hatten sie zwischenzeitlich Sanktionen erlassen.

Huawei-Manager Richard Yu

Huawei-Manager Richard Yu

Foto: Andy Wong/ dpa

China-Kritiker wie der US-Milliardär Soros sehen in dem Kampf der Konzerne auch ein Ringen um die Freiheit der Menschen. Denn all diese Unternehmen sammeln nicht nur eine Menge Daten, sondern sie pflegen zumindest in China auch enge Beziehungen zur Regierung eines autoritären Regimes.

Wenn Unternehmen wie Huawei und ZTE den neu entstehenden Markt des Mobilfunkstandards 5G dominierten, fürchtet Soros, "wäre dies ein inakzeptables Sicherheitsrisiko für den Rest der Welt". Die USA müssten deshalb viel härter gegen die chinesischen Konzerne vorgehen.

Etwas anders sieht das die Chinesin Jin. "China will ein normales Verhältnis zu den USA", sagt sie. "Aber es will sich nicht den USA unterordnen."

Egal, wie der Konflikt ausgehen mag: Für Europa könnte es so oder so ungemütlich werden. Denn im Wettbewerb um die Digitalherrschaft ist der alte Kontinent weitgehend abgehängt.

"Unter den zehn größten Technologieunternehmen weltweit sind sieben amerikanische und drei asiatische Konzerne - und kein einziger aus Europa", sagt UBS-Manager Weber. Er würde sich wünschen, dass die Politik etwas daran ändert. "Es gehört zu gutem Risikomanagement, sich auch technologisch nicht so abhängig zu machen, wie Europa das derzeit ist."

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