Monopolvorwürfe Chinesische Preiswächter erklären Mercedes für schuldig

Die chinesischen Kartellbehörden arbeiten sich an den ausländischen Autoherstellern ab. Nach Audi wurde nun auch Mercedes Benz für schuldig befunden, Preise für Ersatzteile manipuliert zu haben. Eine Strafe wurde noch nicht verkündet.
Mercedes-Stand auf einer Automesse in Peking: Druck von den Behörden

Mercedes-Stand auf einer Automesse in Peking: Druck von den Behörden

Foto: Adrian Bradshaw/ dpa

Peking - Preiswächter in China haben westliche Hersteller von Premiumautos ins Visier genommen. Der Vorwurf: Die Unternehmen nutzen ihre Monopolstellung, um Preise für Ersatzteile und Dienstleistungen festzulegen. Nun ist auch die Daimler-Tochter Mercedes Benz von den chinesischen Behörden der Preismanipulation für schuldig befunden worden.

Das deutsche Unternehmen habe seine Marktposition ausgenutzt, "um die Preise für Ersatzteile sowie Reparatur- und Wartungsarbeiten in nachgelagerten Märkten zu kontrollieren", sagte der Leiter der Kartellbehörde in der Provinz Jiangsu, Zhou Gao, der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Es handle sich "um einen typischen Fall".

Der Agentur zufolge hätten alle Ersatzteile eines Wagens der C-Klasse zusammen genommen etwa zwölf Mal so viel gekostet wie das fertige Auto. In der Meldung wurde nicht auf eine mögliche Strafe eingegangen. Daimler teilte mit, die behördlichen Untersuchungen liefen noch und der Konzern könne den Vorgang nicht kommentieren. Die Filiale des Unternehmens in Shanghai sowie mehrere Händler waren bereits von Preiswächtern durchsucht worden. Daimler hatte bereits Anfang August von den Ermittlungen gegen Mercedes Benz berichtet und erklärt, die Preise für ausgewählte Ersatzteile ab September um durchschnittlich15 Prozent zu senken.

Zuletzt hatten die chinesischen Behörden die Volkswagen-Tochter Audi und deren chinesischen Partner FAW für schuldig befunden, gegen das Anti-Monopol-Gesetz verstoßen zu haben. Audi hat die Verfehlungen eingestanden und erklärte, das Unternehmen werde "eine Strafe akzeptieren".

Öffentlichkeitswirksam machen die chinesischen Kartellbehörden seit Wochen Druck auf ausländische Fahrzeugbauer. Sie werfen ihnen vor, zu hohe Preise für Ersatzteile, Service oder die Autos selbst zu verlangen. Neben Mercedes und Audi ist auch Chrysler betroffen.

China ist der größte Automarkt der Welt. Der Markt für Oberklasse-Autos wird dort von den drei deutschen Herstellern Audi, BMW und Mercedes dominiert. China ist für die Premiumhersteller also ein enorm wichtiger Absatzmarkt. Entsprechend bemüht sind die Firmen, sich nicht öffentlich mit den Behörden anzulegen.

Firmen klagen bei Handelskammer über Einschüchterung

Offenbar versuchen Unternehmen aber auf Umwegen, auf das harsche Vorgehen der Preiswächter aufmerksam zu machen. So berichtete die "Financial Times" kürzlich, bei der Niederlassung der Europäischen Handelskammer in China seien entsprechende Meldungen von Firmen eingegangen. Demnach berichteten diese auch über "Einschüchterungstaktiken" von chinesischen Beamten.

Laut Handelskammer berichteten Firmen, chinesische Behörden hätten sie gewarnt, Untersuchungen nicht infrage zu stellen, keine Anwälte zu Anhörungen mitzunehmen oder die jeweiligen Handelskammern oder Regierungen einzuschalten.

Der Druck der chinesischen Behörden zeigte bereits Wirkung. Audi, BMW und Daimler hatten Preisnachlässe auf Ersatzteile bekannt gegeben. "China Daily" hatte berichtet, die chinesischen Wettbewerbshüter hätten ihre Ermittlungen auf mehr als tausend Firmen aus der Autobranche ausgeweitet. Auch zahlreiche chinesische Autobauer, Zulieferbetriebe und Händler stehen demnach im Fokus der Untersuchungen der Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC).

Im Jahr 2008 hatte die kommunistisch regierte Volksrepublik das Wettbewerbsgesetz verschärft. Seither haben die Fahnder auch die Befugnis, auf die Preisgestaltung auf den Märkten einzuwirken. Nach Angaben der chinesischen Wettbewerbshüter sind die Ermittlungen gegen ausländische Autofirmen vor drei Jahren eingeleitet worden.

mmq/Reuters/AP
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