Corona-Ausbruch bei Apple-Zulieferer in China Foxconn-Mitarbeiter offenbar hungernd im Werk eingeschlossen

In der größten iPhone-Fabrik der Welt hat es einen Corona-Ausbruch gegeben. Informationen darüber gibt es kaum. Chinas Zensoren sollen Videos gelöscht haben, die eingeschlossene Arbeiter beim Betteln um Lebensmittel zeigen.
Foxconn-Werk in Shenzen (2010): Mehr als 300.000 Beschäftigte

Foxconn-Werk in Shenzen (2010): Mehr als 300.000 Beschäftigte

Foto: STR/ AFP

In einer Fabrik des Apple-Zulieferers Foxconn im chinesischen Shenzen sind nach einem Corona-Ausbruch offenbar zahlreiche Arbeiter unter ungewissen Umständen unter Quarantäne.

Die »Financial Times « berichtete am Donnerstag, Zensoren in China hätten Videos aus sozialen Netzwerken entfernt, die Mitarbeiter beim Betteln um Lebens- und Arzneimitteln zeigen. Zwei Beschäftige hätten der Zeitung zudem bestätigt, dass das Werk es versäumt habe, ausreichend Lebensmittel an die unter Quarantäne stehenden Mitarbeiter zu liefern.

Unklarheit herrscht offenbar auch darüber, wie viele Menschen von dem Ausbruch und den Quarantänemaßnahmen in der größten iPhone-Fabrik der Welt betroffen sind. In dem Werk arbeiten nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP etwa 300.000 Menschen. Während im Internet von zehntausenden Infizierten die Rede war, sprach die Betreiberfirma Foxconn am Mittwoch von einer »kleinen Zahl« an Corona-Fällen. »Die Auswirkungen sind kontrollierbar, die Produktion ist relativ stabil«, versicherte das Unternehmen.

Die Stadt Zhengzhou hatte laut »Financial Times« in den vergangenen drei Tagen lediglich 69 neue Covid-19-Fälle gemeldet. Mehrere Arbeiter hätten der Zeitung jedoch gesagt, dass die tatsächliche Zahl der infizierten Menschen in der Fabrik höher sei als offizielle Schätzungen. Einem anonym zitierten Foxconn-Mitarbeiter zufolge ist die Fabrik seit dem 7. Oktober abgeriegelt. Gearbeitet wird dem Bericht zufolge trotzdem. Um das Werk seien Metallbarrieren errichtet worden.

Produktionsziele: unverändert

Die Arbeiter werden den Angaben zufolge jeden Tag auf Corona getestet und dürfen sich nur im Werk und in ihren Schlafsälen aufhalten. Foxconn habe zudem zusätzliche Bezahlung und kostenlose Mahlzeiten für Mitarbeiter zugesagt, die sich in den nächsten zwei Wochen zum Dienst melden. Foxconn hatte am Mittwoch erklärt, die Produktionsziele für dieses Quartal blieben unverändert.

In China gilt noch immer eine strenge Zero-Covid-Politik. Lockdowns bis hin zu Betriebsschließungen wegen kleiner Ausbrüche des Coronavirus belasten die Wirtschaft. Präsident Xi Jinping hatte dennoch vor kurzem angekündigt, an der bisherigen Corona-Politik festhalten zu wollen. In Shenzen hatte es bereits im Frühjahr einen Corona-Ausbruch gegeben, damals war die Produktion bei Foxconn heruntergefahren worden.

Foxconn ist für Apple ein außerordentlich wichiger Zulieferer. Täglich werden in Shenzen mehrere Hunderttausend iPhones zusammengesetzt. Auf eine Bitte um Stellungnahme habe das US-Unternehmen nicht reagiert, schreibt die »Financial Times«.

sol/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.