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27. November 2017, 03:18 Uhr

Jamón Ibérico

Spanier befürchten höhere Schinken-Kosten

In China steigt die Nachfrage nach Ibérico-Schinken. So sehr, dass im Ursprungsland Spanien nun vor Engpässen und gestiegenen Preisen gewarnt wird.

Noch vor einem Jahrzehnt sei es eine extrem frustrierende Angelegenheit gewesen, in China auf die Suche nach Jamón Ibérico zu gehen: Der Schinken aus Spanien gilt als Delikatesse, und war in der Volksrepublik nicht zuletzt wegen Importregulierungen lange nicht zu bekommen, so berichtet es die spanische Tageszeitung "El País". Doch die Zeiten haben sich geändert - und die Nachfrage nach dem Schinken ist in China zunehmend gestiegen. So sehr, dass in Spanien nun vor Engpässen und deutlichen Preiserhöhungen gewarnt wird.

Der Ibérico-Schinken habe in China inzwischen seinen "angestammten Platz im Markt gefunden, neben Kaviar und Trüffel", zitiert die Zeitung den Export-Chef des spanischen Unternehmens Cinco Jotas, René Lemée, das als eines der ersten mit dem Schinken-Export nach China begonnen habe. Als beste Variante - und bei Chinesen besonders beliebt - gilt der sogenannte Jamón Ibérico de Bellota, der iberische Eichelschinken: Er stammt von freilaufenden, iberischen Schweinen, die in den letzten Monaten ihres Lebens eine strenge Diät befolgen, sie fressen dann vor allem Früchte der Steineiche (mehr dazu lesen Sie hier).

Nach der Schlachtung müssen die Keulen monatelang reifen. Die Herstellung dieses luftgetrockneten Schinkens ist aufwendig - und damit teuer. "Die Preise in Spanien werden definitiv steigen", sagte Roberto Batres gegenüber "El País". Er ist Chef des Unternehmens Shanghái de Delaiberia Gold, das Schinken, Wein und Olivenöl nach China exportiert. "Die Firmen, die mit China handeln, haben nicht genug Jamón Ibérico de Bellota, um die chinesische Nachfrage zu bedienen."

Laut Batres gibt es in China bereits eine Schule, in der Teilnehmern beigebracht wird, wie der Schinken richtig zu schneiden ist (in Spanien eine Kunst für sich). Zudem gebe es einen professionellen Verband. "Das sind Zeichen dafür, wie sehr das Produkt bereits in den heimischen Markt vorgedrungen ist."

Laut "Guardian" könnte der Preis für den Ibérico-Schinken nun um bis zu zehn Prozent steigen. Eine 7,5-Kilo-Keule kostet demnach aktuell zwischen 150 und 600 Euro.

Zwei chinesische Unternehmen haben laut "El País" bereits damit begonnen, rohes, tiefgefrorenes iberisches Schweinefleisch zu importieren und es im Land selbst zu pökeln. Dieser Ibérico-Schinken sei allerdings "extrem salzig", zitiert die Zeitung Batres.

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