Lokale Coronaausbrüche Neue Lockdowns in China treffen Apple-Zulieferer und Disney-Freizeitpark

Das Disney-Resort in Shanghai wurde abrupt geschlossen, Arbeiter fliehen aus der unter Quarantäne stehenden größten iPhone-Fabrik: Chinas Null-Covid-Politik bringt westliche Konzerne in neue Turbulenzen.
Gesperrt: Ein Wachmann steht am Eingang des geschlossenen Freizeitparks Shanghai Disney Resort

Gesperrt: Ein Wachmann steht am Eingang des geschlossenen Freizeitparks Shanghai Disney Resort

Foto: Aly Song / REUTERS

Durch die Welle neuer Corona-Lockdowns in China drohen US-Konzernen Gewinneinbußen. Weil die Maßnahmen ein wichtiges Werk des Apple-Zulieferers Foxconn in der chinesischen Stadt Zhengzhou betreffen, könnte die dortige iPhone-Produktion um bis zu 30 Prozent zurückgehen, sagte ein Insider am Sonntag. Foxconn arbeite daher daran, die Fertigung in seiner Fabrik in der südlichen Stadt Shenzhen auszubauen. Die Auswirkungen auf die Produktion kommen mitten in der vor dem Weihnachtsgeschäft traditionell arbeitsreichen Zeit für Elektronikhersteller.

Zudem machte Disney seinen Freizeitpark in Shanghai kurzfristig dicht. Besucher dürfen das Gelände erst verlassen, wenn sie einen negativen Coronatest vorweisen können. In Videos auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo sind Menschen zu sehen, die in Richtung der bereits verschlossenen Ausgänge eilen. Die Bilder konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden.

In China kursieren seit Monaten Videos von Menschen, die eilig Bürokomplexe und Einkaufszentren verlassen, um dort nicht unter Quarantäne gestellt zu werden. Am Wochenende tauchten in chinesischen Onlinenetzwerken Aufnahmen auf, die Foxconn-Mitarbeiter zeigen sollen, wie sie zu Fuß über Straßen und Felder in ihre Heimatorte zu gelangen versuchen. Auch deren Echtheit konnte zunächst nicht überprüft werden. Am Standort Zhengzhou sind rund 200.000 Arbeiter beschäftigt und stellen dort einen Großteil der weltweit produzierten iPhones her. Insgesamt sorgt Foxconn nach Angaben des taiwanischen Analysedienstes Fubon Research für 70 Prozent der Smartphones von Apple, inzwischen auch mit Produktion in Indien.

Foxconn: »Unter Kontrolle«

Der taiwanische Auftragsfertiger erklärte am Sonntag, die Situation in Zhengzhou werde unter Kontrolle gebracht. Der Konzern koordiniere die Produktion mit anderen Standorten, um den Schaden zu begrenzen. Apple antwortete nicht auf eine Anfrage.

Seit dem 19. Oktober wurden in Zhengzhou, der Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Henan, 264 lokal übertragene Covid-Fälle gezählt. An diesem Datum schloss Foxconn die Werkskantinen und forderte die Beschäftigten auf, in ihren Wohnheimen zu essen. Die Produktion laufe normal weiter, hieß es. Foxconn machte keine Angaben dazu, ob Beschäftigte in Zhengzhou mit Covid-19 diagnostiziert wurden. Die chinesische Coronapolitik erlaubt im Fall von lokalen Infektionsausbrüchen, dass Fabriken weiterbetrieben werden, solange sie ein geschlossenes, von der Außenwelt abgeschirmtes System bilden.

Lockdowns in der Glücksspielmetropole Macau

»Angesichts der anhaltenden Null-Covid-Strategie wird die Wirtschaft noch bis 2023 zu kämpfen haben«, sagte Volkswirt Zichun Huang vom Research-Haus Capital Economics. Eine Abkehr von den strengen Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie sei frühestens 2024 zu erwarten.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte beim Kongress der Kommunistischen Partei Mitte Oktober den rigiden Kurs seiner Regierung bekräftigt. In der Volksrepublik wurden am Sonntag 2898 Infizierte gezählt, im internationalen Vergleich eine geringe Zahl.

Am Wochenende wurden auch über Teile von Macau Lockdowns verhängt, nachdem in der Glücksspielmetropole einige Infektionen entdeckt wurden. Zuvor war die Stadt gut drei Monate coronafrei. Dies brockte den US-Casinobetreibern MGM und Wynn, die auch in Macau Spielbänke unterhalten, an der Wall Street vorbörsliche Kursverluste von bis zu 4,7 Prozent ein.

Die Produktionstätigkeit in China ist angesichts der strengen Coronapolitik der Regierung im Oktober gesunken. Die Behörden gaben den sogenannten Einkaufsmanagerindex (EMI) am Montag mit 49,2 Punkten an. Ein Wert unter 50 bedeutet einen Rückgang der Aktivität im produzierenden Gewerbe.

Im September hatte es nach zwei negativen Monaten wieder einen leichten Anstieg gegeben. Der EMI lag bei 50,1 Punkten. Für Oktober waren Analysten dann von einem leichten Rückgang ausgegangen. Mit 49,2 Punkten fiel er nun stärker aus als erwartet.

ahh/Reuters/AFP
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