Turbo-Globalisierung Chinas Häfen dominieren den Welthandel

Hamburg kommt erst auf Platz 18: Eine interaktive Karte zeigt die größten Containerhäfen der Welt - und Chinas rasanten Aufstieg. Sie erklärt, warum Donald Trumps Strafzölle die Volksrepublik so schwer treffen.

Blanches - Imaginechina/AP

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Neunzig Prozent des internationalen Warenaustausches werden über den Seeverkehr abgewickelt. Und Containerschiffe haben daran einen beträchtlichen Anteil. "Arbeitspferde der Globalisierung" werden sie genannt: Weil durch das System mit den hochstandardisierten Containern die Transportkosten vom Hersteller zum Abnehmer so stark gefallen sind, dass sie kaum noch eine Rolle spielen.

So kostet der Transport eines großen 40-Fuß-Containers mit etwa 10.000 Jeans von Shanghai nach Hamburg zurzeit zwischen 3000 und 3400 US-Dollar. Pro Hose macht das 0,27 bis 0,30 Euro. Viel wichtiger als die Transportkosten sind für den Produktionsstandort andere Faktoren -wie Lohnkosten, Qualität - oder auch Zölle.

Das folgende Ranking der 20 weltgrößten Containerhäfen spiegelt Chinas Aufstieg zur Handels-Supermacht seit Beginn der Globalisierung wider. Klicken Sie in der Karte auf eine Jahreszahl, um die zu diesem Zeitpunkt jeweils führenden Häfen der Welt zu sehen. Gemessen wird die Größe am Umschlag sogenannter 20-Fuß-Standardcontainer (TEU - "Twenty Foot Equivalent Unit"). Sie sind 6,06 Meter lang, 2,44 Meter breit und 2,59 Meter hoch.

Immer größer, immer asiatischer

Die 20 größten Häfen der Welt nach jährlichem Containerumsatz (in TEU = 20-Fuß-Standardcontainer)
Die Zahlen in den Balken zeigen den weltweiten Rang des Hafens unter den Top-20 des Jahres.
Hinweis: Um je alle 20 Häfen zu sehen, zoomen und verschieben Sie die Karte.

China
Quellen: Notteboom/Universität Antwerpen, Bureau of Transportation Statistics, IAPH
  • Im Jahr 1995 ist unter den Top 20 nur ein einziger Hafen der Volksrepublik (lässt man die damalige britische Kronkolonie Hong Kong außen vor). Und dieser Hafen, Shanghai, ist zu dieser Zeit kaum größer als der von Bremerhaven. Hamburg, der größte Hafen Deutschlands, ist damals die Nummer sechs der Erde. Noch.
  • Im Jahr 2001 tritt China der Welthandelsorganisation bei; fortan werden Zollschranken und andere Handelshemmnisse sukzessive abgebaut. Ein Jahr später, 2002, zählen bereits vier chinesische Containerhäfen zu den Top 20. Und: Die sechs größten Häfen der Erde liegen allesamt in Ostasien. Hamburg ist auf Platz neun zurückgefallen, obwohl sich hier der Containerumschlag seit 1995 fast verdoppelt hat. Bremerhaven rangiert auf Rang 17.
  • 2008 offenbart sich der China-Boom deutlich. Sieben Häfen aus der Volksrepublik haben es in das Ranking geschafft, sechs davon sogar in die Top Ten. Die Globalisierung ist lange auf Hochtouren gelaufen, die internationale Finanzkrise hat gerade erst begonnen. In Hafen von Shanghai, mittlerweile Nummer zwei der Erde, ist davon nicht viel zu spüren. Der Containerumschlag ist 18 mal so hoch wie 1995 - und fünfmal so hoch wie zum gleichen Zeitpunkt in Bremerhaven das auf Platz 19 landet. Einziger europäischer Hafen in den Top Ten ist Rotterdam, Hamburg belegt Platz elf.
  • Die jüngsten verfügbaren Daten betreffen das Jahr 2017 - und sind sehr nahe am aktuellen Stand. China ist nun unbestritten der Dreh- und Angelpunkt der globalen Containerschifffahrt: mit neun Häfen unter den Top 20 und vier unter den Top 5. Mittlerweile betreiben Chinas Unternehmen auch die größte Containerflotte der Welt, Schiffe im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar. Die zehn weltgrößten Häfen liegen allesamt in Asien. Shanghai ist jetzt die Nummer Eins - und siebenmal so groß wie Bremerhaven, das mit weiterhin etwa 5,5 Millionen TEU aus den Top 20 geflogen ist. Nur drei europäische Häfen haben es noch in diese Liste geschafft: Rotterdam, Antwerpen und Hamburg. Und nur noch ein US-Hafen ist vertreten - Los Angeles.

China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner

Natürlich besteht die Weltwirtschaft nicht nur aus Warenaustausch; Dienstleistungen spielen eine immer wichtigere Rolle. Und nicht nur Exporte sorgen für Wachstum und Wohlstand, sondern auch der Konsum im Inland. Dennoch zeigt die Karte, wie sehr sich die Globalisierung um die Volksrepublik dreht: Vom Smartphone, das in Shenzhen zusammen gesetzt und nach Los Angeles verschifft wird. Bis zur Werkzeugmaschine aus Baden-Württemberg, die im Container per Lkw nach Hamburg fährt und dort aufs Schiff nach Shanghai geht. Die Volksrepublik ist mittlerweile Deutschlands wichtigster Handelspartner geworden.

Chinas Exporte haben sich zwischen 1995 und 2017 verachtzehnfacht. Die Importe der Volksrepublik haben sich aber um den selben Faktor gesteigert. China und oft auch seine Handelspartner haben von diesem Austausch gut gelebt - und davon profitiert, dass Zölle und andere Hemmnisse abgebaut wurden.

Umso empfindlicher reagiert Chinas Wirtschaft nun auf die Strafzölle aus Amerika - und auf die Gegenmaßnahmen der eigenen Führung in Peking. Im April sind die chinesischen Exporte in die USA im Vergleich zum April 2018 um fast zehn Prozent gefallen; die Importe aus den Vereinigten Staaten sackten gar um gut 30 Prozent ab.

Wenn US-Präsident Donald Trump wie zuletzt am Donnerstag neue Strafzölle auf chinesische Produkte erlässt und so den Handelskrieg eskaliert, wird das Folgen haben: Für die Volksrepublik China. Für ihre Handelspartner, allen voran die USA selbst, aber auch Deutschland. Und auch für die internationale Containerschifffahrt.

insgesamt 52 Beiträge
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Hansespirit 11.05.2019
1. Falsch Zahlen
Die Umscjlagszahlen unter den Bildern können nicht stimmen. 20.000, 10.000 und 7.000 Container? 20 Mio, 10 Mio, 7 Mio dürften realistischer sein.
vulcan 11.05.2019
2.
Tja, und ist das nun alles so erstrebenswert? Beispielsweise uns Jahr für Jahr zig Tausende Tonnen irgendwelchen überflüssigen Müll aus China & Co. ins Land zu holen? Immer mehr und mehr - Sachen, die kein Mensch wirklich braucht. Alles naselang das neueste Smartphone und anderen Kram, zusammengesetzt von armen Schweinen mit 6-Tage-Woche und Zehn- oder Zwölfstundenarbeitstag zum Hungerlohn. Wachstum um jeden Preis...und bis wohin? Irgendwie hätte man meinen sollen, die Menschheit wäre im Jahr 2019 schon mal irgendwie weitergekommen. Ist aber nicht so - der Mensch hat sich selbst versklavt. Profitgier, Rücksichtslosigkeit, Diktaturen übelster Art....alles egal, China ist Deutschlands 'wichtigster' Handelspartner. Irgendwie eklig.
checkitoutple 11.05.2019
3. Was ist daran Verwunderlich?
China mit 1,1Mrd Menschen hat eben ein anderes Produktions Potenzial. Viel schlimmer ist das immer mehr Produktmüll um die Erde kreist was die Beführworter der Globalisierung vergessen ist, dass es kein Unendliches Wachstum geben kann. Bei all der Umwelt Diskussion wird eines immer verschwiegen. Das Wachtum ist der grösste Feind der Umwelt und damit der Menschheit. Ungezügelter Konsum ist für viel mehr Umweltschäden verantwortlich als man es zugeben will. Globalisierung verbunden mit Kapitalismus sind die Hauptursachen der weltweiten zerstöhrung unseres Planeten. China hat reagiert und so ist die Bevölkerungszahl stabil. Das Rad wird sich weiter drehen bis dann die Erde zerstört ist. Aber solange wir den Finger nicjt auf die Hautursache legen und die Idiosche Produktions Ideologie und den Schwachsinn in der Globalisierung stoppen sind wir nicht zu retten. Die Produktion wir optimiert und rationalisiert damit immer weniger Menschen immer mehr Produkte erschaffen. Immer mehr duese Produktw braucht niemand. Das Rwsultat ist das wenige Menschen immer Reicher werden und immer mehr Menschen Arbeitslos sind. Der Kapitalismus ist dabei die Titanik um so näher der Eisberg kommt desto mehr Kohlen werden nachgeschoben.
noalk 11.05.2019
4. Das wird Folgen haben
Na, hoffentlich doch. Für den Klimawandel - nein, nicht den Wandel des Handelsklimas. Vielleicht wird die Menschheit dereinst dem derzeitigen Potus ein Denkmal setzen, weil er sie - ungewollt - sprichwörtlich vor dem Untergang bewahrt hat.
GlobalerOptimist 11.05.2019
5. Trumps Strafzölle die Volksrepublik so schwer treffen
Ich denke, dass ist ein Irrglaube. Die Chinesen haben weit mehr als eine Milliarde eigene Konsumenten. Sie werden über kurz oder lang, die dominierende Kraft. Das ist nicht aufzuhalten, auch ein zerstrittenes Europa und ein wild um sich schlagender US-Präsident stehen auf verlorenen Posten. Die Chinesen wissen das.
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