China-Geschäft UBS-Ökonom stolpert über Schweine-Kommentar

Mit einer Bemerkung über das in China grassierende Schweinefieber hat ein Volkswirt der Großbank UBS große Empörung ausgelöst. Das hatte nicht nur für den Experten Folgen.

Die UBS hat nach dem Kommentar Schwierigkeiten in China
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Die UBS hat nach dem Kommentar Schwierigkeiten in China


Ein unbesonnener Kommentar eines Ökonomen über Schweine hat für die Schweizer Großbank UBS Folgen: Eine chinesische Finanzfirma kündigte ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Institut. Auch für den Volkswirt hat seine Bemerkung ein Nachspiel: Die Bank bat den Ökonomen, eine Auszeit zu nehmen, und prüft weitere Schritte, teilte ein Sprecher mit.

Hintergrund ist ein Kommentar des Chefökonomen der UBS-Vermögensverwaltungssparte, Paul Donovan. Er sprach in einem am Mittwoch veröffentlichten Podcast über höhere Verbraucherpreise aufgrund einer in China grassierenden Krankheit bei Schweinen: "Spielt das eine Rolle? Es ist wichtig, wenn du ein chinesisches Schwein bist. Es ist wichtig, wenn man gerne Schweinefleisch in China isst", sagte er. China wird derzeit vom Afrikanischen Schweinefieber heimgesucht. Seit die Krankheit im August festgestellt wurde, gab es 120 Ausbrüche.

Donovans Worte hatten in der chinesischen Finanzbranche für Entrüstung gesorgt. Der Broker Haitong International, Hongkong-Tochter des chinesischen Brokers Haitong Securities, hatte sogar seine Geschäftsbeziehungen mit der UBS aufgekündigt. "Es gibt keinen klaren Zeitplan, um die Zusammenarbeit wieder aufzunehmen, das ist eine Entscheidung des Managements", teilte das Unternehmen mit.

Entschuldigung teilweise nicht angenommen

Zuvor hatte der Chef des Instituts, Lin Yong, den Schritt über eine Chat-Nachricht angekündigt. Andere Firmen sind diesem Vorbild zunächst nicht gefolgt. China ist für die Schweizer Großbank ein wichtiger Markt, in dem sie sich auch künftig gute Geschäfte erhofft.

UBS hatte sich zwar entschuldigt - doch einige Firmen hatten die Entschuldigung nicht angekommen. Der chinesische Wertpapier-Verband empfahl seinen Mitgliedern, Donovan nicht mehr zu zitieren oder zu Veranstaltungen einzuladen.

Der Vorfall hat auch Folgen für den Ökonomen selbst: Die UBS teilte mit, sie habe den Volkswirt gebeten, eine Auszeit zu nehmen, während sie die Angelegenheit prüfe. "Wir evaluieren, ob weitere Schritte erforderlich sind", teilte ein Sprecher mit. Donovan ließ Anfragen für einen Kommentar unbeantwortet.

brt/Reuters

insgesamt 28 Beiträge
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Anandamid 14.06.2019
1. Man möchte gar nicht wissen
...was auf Schweizer Golfplätzen sonst noch so besprochen wird. Nur so ein spontaner Gedanke.
Beauregard 14.06.2019
2. es ist auf Dauer bestimmt nicht zielführend
wenn sich europäische Firmen durch wirtschaftlichen Druck vom Aussprechen von Wahrheiten abhalten lassen! Weder bei den Chinesen noch den Amerikanern oder den Türken. Mehr Selbstbewußtsein ist gefragt, auch wenn mal ein Geschäft versäumt wird. Als Geschäftsführer einer mittelständischen Firma kann ich nur sagen: Die kommen alle wieder, wenn die Qualität stimmt, denn der Verlust ist beiderseitig. Und das nächste Mal verzichten sie auf den Bluff. Wundert mich eigentlich daß im internationalen Geschäft so oft solche Dilettanten unterwegs sind. Wahrscheinlich Projektsteuerer....:)
Commentatore 24 14.06.2019
3. Political Correctness
Es ist schwierig von Korrektheit zu sprechen, bei einem Job, in dem so viele Psychopathen unterwegs sind.
theos001 14.06.2019
4. Überschrift
Mir ist nicht klar, worin jetzt die Aufregung liegt. Wenn eine Krankheit Schweinen in China zu schaffen macht, hat das Auswirkungen auf den Handel mit Schweinefleisch, richtig? Also auch auf die Preise. Die Aussage des Ökonomen ist demnach korrekt. Niemand kauft freiwillig belastete Nahrungsmittel (solange er davon Kenntnis hat).
muellerthomas 14.06.2019
5.
Was hat er denn nun schlimmes gesagt? Für die globalen Verbraucherpreise hat die Schweinekrankheit in China vermutlich keine Auswirkungen.
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