Absturz in Äthiopien China verbietet Flüge mit Boeing 737 Max 8

Schon wieder eine Boeing 737 Max 8: Beim Flugzeugunglück in Äthiopien mit 157 Toten handelt es sich um den gleichen Maschinentyp wie beim Lion-Air-Absturz in Indonesien. Die chinesischen Behörden ziehen Konsequenzen.

Ein Mann trägt ein Wrackteil der abgestürzten Maschine
AFP

Ein Mann trägt ein Wrackteil der abgestürzten Maschine


China erlaubt vorerst keine Flüge von Maschinen des Typs Boeing 737 Max 8. Chinesische Fluglinien seien angewiesen worden, Flüge mit der Boeing einzustellen, bis Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden können, teilte die Luftfahrtbehörde CAAC des Landes mit.

Grund seien "gewisse Ähnlichkeiten" zwischen dem jüngsten Absturz einer Passagiermaschine dieses Typs in Äthiopien und dem Absturz einer Lion-Air-Maschine 737 Max 8 im Oktober in Indonesien, bei dem 189 Menschen ums Leben gekommen waren. Auch Äthiopien teilte mit, vorerst keine Boeing 737 Max mehr starten zu lassen. Zuvor hatte Ethiopian Airlines erklärt, "diese Maschinen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme am Boden zu belassen."

Bei dem Absturz der Boeing 737 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines waren am Sonntag alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Die Maschine, die von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die kenianische Hauptstadt Nairobi fliegen sollte, war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start abgestürzt. Nach Angaben der Airline waren unter den Todesopfern aus 35 Ländern unter anderem 32 Kenianer, 18 Kanadier, 9 Äthiopier sowie jeweils 8 US-Amerikaner, Italiener und Chinesen.

Experten haben inzwischen mit der Identifizierung der Opfer und der Klärung der Unglücksursache begonnen. In den weitverstreuten Trümmern des Flugzeugs suchen Helfer nach den Blackboxes - den Flugschreibern mit den Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche.

Video: 157 Tote bei Flugzeugabsturz in Äthiopien

REUTERS

Zahl der deutschen Opfer noch unklar

Das Auswärtige Amt bemüht sich derweil weiterhin um Klärung, wie viele Deutsche an Bord des Jets waren. Einer Auflistung der Airline zufolge waren fünf Deutsche an Bord der Maschine - sowie viele weitere Europäer. Das US-Außenministerium bestätigte am Abend, dass "mindestens acht Amerikaner" an Bord waren.

Die Maschine auf Flug ET 302 stürzte nach Angaben der Fluggesellschaft nahe der Stadt Bishoftu ab, etwa 50 Kilometer südöstlich der äthiopischen Hauptstadt. Kurz nach Abflug habe der erfahrene Pilot einen Notruf abgesetzt und daraufhin die Freigabe zur Rückkehr erhalten, sagte der Chef der Fluggesellschaft, Tewolde GebreMariam.

Wrackteile der abgestürzten Boeing 737 Max 8
STR/EPA-EFE/REX

Wrackteile der abgestürzten Boeing 737 Max 8

Die neue Maschine war zuletzt am 4. Februar gewartet worden. Ein Routine-Check unmittelbar vor dem Start am Sonntag habe keine Probleme aufgezeigt, sagte GebreMariam. Seit dem Kauf des Flugzeugs Ende vergangenen Jahres sei es rund 1200 Stunden im Einsatz gewesen. Der Pilot hatte seit 2010 für die Fluggesellschaft gearbeitet.

Boeing will Experten nach Äthiopien schicken

Auch bei dem Absturz der Lion-Air-Maschine im Oktober in Indonesien hatte es sich ebenfalls um eine fast nagelneue Maschine des Typs Boeing 737 Max 8 gehandelt - sie stürzte nur elf Minuten nach dem Start ins Meer.

Boeing äußerte sich zunächst nicht zu den beiden Unfällen. In einer Mitteilung auf der Website von Boeing sprach der Hersteller den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte an, Experten nach Äthiopien zu entsenden. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen. Vor Ort war Ethiopian Airlines zufolge bereits am Sonntag eine Sonderkommission von Experten der Flugsicherung, des Transportministeriums und der Fluggesellschaft gebildet worden.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen unter den Opfern

Unter den Opfern in Äthiopien sind nach Angaben von Uno-Generalsekretär António Guterres auch Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Genaue Zahlen oder Details nannte Guterres in einer Mitteilung am Sonntag allerdings nicht. Das Unglück mache ihn "zutiefst traurig", sagte Guterres weiter und drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Von der Internationalen Organisation für Migration hieß es, dass nach ersten Erkenntnissen 19 Mitarbeiter von Uno-Organisationen umgekommen sein könnten. An diesem Montag beginnt in Nairobi eine Uno-Umweltkonferenz, bei der Staats- und Regierungschefs, Umweltminister und Experten aus aller Welt erwartet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich in einem Kondolenztelegramm an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed bestürzt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb: "Der Tod so vieler Menschen an Bord erfüllt mich mit tiefer Trauer."

wal/dpa-AFX/dpa



insgesamt 153 Beiträge
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Seite 1
Supertramp 11.03.2019
1. Die Fehlkonstruktion von Boeing sollte weltweit ein Startverbot bekommen
solche Boeing Fehlkonstruktionen im Bereich der Flügel muss erst mal vom Hersteller behoben werden. Try and error American Style ist in der Luftfahrt nicht tolerabel
john_doo 11.03.2019
2. So sieht ein ...
... Embargo aus.
haiti 11.03.2019
3. Glück gehabt ...?
Wir sind Sa. Abend Teneriffa > Köln geflogen. Hatten 1,5 h Verspätung. Grund war laut Crew ein elektronischer Defekt an einer Maschine, die dann ausgewechselt wurde. Beide Maschinen waren 737-800. Die Crew wies ungewöhnlich intensiv auf die Dinge hin, die bei einer Notlandung zu beachten seien. Und mehr als gewöhnlich bat sie um das Abschalten von Geräten und Flugmodus, etc. Wir kamen in Köln heil an. Später erfuhren wir von Addis.
skygirl 11.03.2019
4. Aktionismus
ohne genaueres über den gestrigen Unfall zu wissen, ist das Vorgehen der Chinesen zum jetzigen Zeitpunkt nur als blinder Aktionismus zu beschreiben. Man sollte nicht vergessen, dass der A320 im selben Zeitraum (zwei Jahre nach Einflottung) ebenso zwei Abstürze zu verzeichnen hatte.
thequickeningishappening 11.03.2019
5. Tit for Tat
Wirtschaftsstellvertreterkrieg! Davon ab muessen Die Ursachen untersucht werden.
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