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10. Februar 2015, 12:22 Uhr

Milliardendeal

Chinesen kaufen Netzers Sportrechtefirma

Die Schweizer Firma Infront ist eine Größe in der Fußballwelt. Sie vermarktet die Fernsehrechte von Fifa und DFB, im Management sitzen Günter Netzer und der Neffe von Sepp Blatter. Nun wird Infront von einem chinesischen Konzern geschluckt.

Peking/München - Einer der größten Sportrechtehändler der Welt ist künftig in chinesischer Hand. Für den Kaufpreis von 1,05 Milliarden Euro übernimmt die Dalian-Wanda-Gruppe die Schweizer Firma Infront, die unter anderem die Fußball-WM vermarktet. Das teilten beide Unternehmen am Dienstag mit.

Wanda erhält durch den Deal 68,2 Prozent der Anteile an Infront. Den Rest übernehmen drei weitere Investoren. Verkäufer ist der europäische Finanzinvestor Bridgepoint, der Infront vor mehr als drei Jahren für 550 Millionen Euro gekauft hatte.

Infront ist eine Größe in der Fußballwelt. Das im Schweizer Steuerparadies Zug ansässige Unternehmen vermarktet unter anderem Fernsehrechte des Fußballweltverbands Fifa, der Fußballverbände von Deutschland und Italien, der Klubs Werder Bremen, 1. FC Köln sowie AC Mailand und Inter Mailand. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Infront einen Umsatz von 800 Millionen Euro.

Chef von Infront ist Philippe Blatter, ein Neffe des umstrittenen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. Zum Top-Management gehört außerdem der Sport-Kommentator und frühere Fußballprofi Günter Netzer.

Wanda gilt als Chinas größter Immobilienkonzern und hält außerdem die größte Kinokette des Landes. Firmenchef Wang Jianlin ist einer der reichsten Chinesen. Zu dem Konzern gehören unter anderem Hotels, Einkaufszentren und der britische Jacht-Produzent Sunseeker.

Die Wanda-Gruppe treibt derzeit eine aggressive Expansion im Ausland voran. Erst vergangenen Monat hatte sie für 45 Millionen Euro Anteile am spanischen Fußballmeister Atlético Madrid übernommen. Den neuen Vorstoß in das Sportgeschäft will Wanda unter anderem dazu nutzen, Chinas Bewerbungen für große, internationale Sportereignisse zu unterstützen. Peking sowie Almaty in Kasachstan sind die letzten verbliebenen Bewerber für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022.

stk/dpa/Reuters/AFP

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