Trotz deutlichen Wirtschaftswachstums Chinas Notenbank senkt Schlüsselzins

Die chinesische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen, aber schwächer als zuvor. Nun bedroht auch noch die Omikron-Variante das Land, die Notenbank reagiert mit der stärksten Zinssenkung seit fast zwei Jahren.
Hochgeschwindigkeitszüge in Nanjing: Erholung der chinesischen Wirtschaft hat sich verlangsamt

Hochgeschwindigkeitszüge in Nanjing: Erholung der chinesischen Wirtschaft hat sich verlangsamt

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VCG / VCG / Getty Images

Die Wirtschaft in China hat im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. Wie das Statistikamt mitteilte, lag das Wachstum im vorigen Jahr bei robusten 8,1 Prozent. Auch im letzten Quartal 2021 wuchs die Wirtschaft schneller als erwartet, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.

Dennoch fürchten Ökonomen, dass es dieses Jahr weniger gut für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt laufen könnte. Denn die Dynamik schwächt sich ab – verglichen mit dem Rekordzuwachs von 18,3 Prozent im ersten und 7,9 Prozent im zweiten Quartal ist die Wachstumsrate längst nicht mehr so üppig.

Die chinesische Zentralbank reagierte entsprechend mit der ersten nennenswerten Zinssenkung seit April 2020. Sie senkte den Zinssatz für einjährige Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken um 0,1 Prozentpunkte auf 2,85 Prozent. Zugleich wurde der Zins für einwöchige Wertpapiergeschäfte im gleichen Ausmaß auf 2,1 Prozent gesenkt. Darüber hinaus gab die Notenbank zusätzliche Liquidität in das Finanzsystem.

Exporte stützen Chinas Wirtschaft

Zuletzt waren es vor allem die starken Exporte, die Chinas Wachstum stützten. Doch der Außenhandel kann auf Dauer andere Probleme nicht allein ausgleichen: Der Immobilienmarkt hat sich abgekühlt. Ihn belasten Unsicherheiten wie die Krise um den mit mehr als 300 Milliarden Dollar verschuldeten Immobilienkonzern Evergrande. Die Regierung arbeitet weiter daran, die hohe Verschuldung von Unternehmen zu reduzieren. Auch gestiegene Rohstoffkosten und Energieknappheit wirkten sich zuletzt negativ auf die Konjunktur aus.

Hinzu kommt: Das starke Wachstum auf Jahressicht erklärt sich vor allem mit der niedrigen Vergleichsbasis durch die Pandemie im Vorjahr. Mit einer Null-Covid-Strategie, Massentests, Quarantänen und Einreisebeschränkungen hatte das weltweit bevölkerungsreichste Land das Virus aber auch schneller in den Griff bekommen als die meisten anderen Staaten.

Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr dürfte der weitere Verlauf der Pandemie werden. Die Regierung in Peking setzt dabei mehr denn je auf Abschottung. Landesweit wurden zuletzt täglich zwar nur rund 150 Fälle gemeldet – in einem Land mit 1,4 Milliarden Menschen. Doch abgesehen davon, dass es in China an unabhängiger Berichterstattung mangelt, bereitet die Verbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante der Regierung Sorgen. Die Variante war nach offiziellen Angaben vergangene Woche erstmals auch in China entdeckt worden.

Experten fürchten, dass es für Chinas wirtschaftliche Entwicklung schwerwiegende Folgen haben könnte, falls es landesweit in vielen Regionen zu Lockdowns kommt, die Lieferketten unterbrechen und Fabriken lahmlegen würden. Die US-Investmentbank Goldman Sachs warnte, ein großer Ausbruch könne in China schwerwiegende Folgen für die Konjunktur haben – und kürzte ihre Prognose für das chinesische Wachstum vergangene Woche auf 4,3 Prozent im laufenden Jahr. Auch die Weltbank kürzte ihre Prognose zuletzt von 5,3 auf 5,1 Prozent.

apr/dpa