Alle Aktien im Plus Chinas neue Technologiebörse startet mit Kursfeuerwerk

An diesem Montag startete die erste chinesische Technologiebörse - und das Ausmaß der Kurssprünge hat selbst gestandene Börsenexperten überrascht: Alle 25 Aktien legten sofort um mehr als 100 Prozent zu.

Eröffnung der chinesischen Technologiebörse Star Market
REUTERS

Eröffnung der chinesischen Technologiebörse Star Market


Die chinesische Technologiebörse Star Market hat ein fulminantes Debüt gefeiert: Das nach dem Vorbild der US-Technologiebörse Nasdaq modellierte Segment für wachstumsstarke chinesische Firmen startete am Montag mit 25 Unternehmen aus Branchen wie Computerchip- oder Medizintechnik. Alle 25 Unternehmen legten am ersten Handelstag um mehr als 100 Prozent zu. Der Börsenwert der Unternehmen summierte sich auf umgerechnet knapp 40 Milliarden Euro.

Überflieger war der Halbleiterhersteller Anji, dessen Papiere 400 Prozent über ihrem Ausgabepreis notierten. Damit übertrifft der Kurs den Gewinn je Aktie um das 242-fache. Zum Vergleich: Im US-Index Nasdaq liegt das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) derzeit bei etwa 24 und im deutschen Technologieindex TecDax bei rund 28. Das KGV dient als Gradmesser, ob eine Aktie günstig oder teuer bewertet ist.

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Die Titel des Anlagenbauers Suzhou Harmontronics brachen dagegen zunächst um 30 Prozent ein. Bei Börsenschluss hatten sie ihren Ausgabepreis allerdings fast verdoppelt.

"Es ergibt keinen Sinn, im Augenblick zu kaufen"

"Die Kurssprünge sind verrückter, als wir erwartet hatten", sagte Stephen Huang, Manager beim Vermögensverwalter Shanghai See Truth. "Das sind gute Unternehmen, aber die Bewertungen sind zu hoch. Es ergibt keinen Sinn, sie im Augenblick zu kaufen." Er rate dazu, die Entwicklung mindestens einen Monat zu beobachten und erst dann eine Kaufentscheidung zu treffen.

Star Market gilt als bislang kühnste Kapitalmarktreform Chinas. Anders als in anderen Segmenten wird der Ausgabepreis allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt und nicht von staatlichen Vorgaben beeinflusst. Auch bei Timing und Emissionsvolumen haben Behörden kein Mitspracherecht.

hej/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
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Watschn 22.07.2019
1. In bes. Börsensituationen hat die chin. Regierung ihre Finger drin....
Das nimmt ja kaum einer für bare Münze, das am 1. Tag ALLE chinesischen Börsenaspiranten mind. um 100% zulegten. Selbst habe ich festgestellt, dass exakt bei Trumps Zollerhöhungsankündigung, (nach Chinas ca. ausgehandelten 90%-Verhandlungsresultat-Rückzieher im April) die Werte der massgebl. Shenzen-Börse des CSI300 -Index nie über 11% abstürzten. Oft lauteten die Verluste so um die , -7,8%, -8%, -9,7%, -10%, -10,1%, -10,3%, -10,6%, -10,2%, -10,5%, -10,7%, 10,8%, -10,4% usw. Sehr aufschlussreich. Es will doch keiner behaupten, dass solche Kurse auf Anweisung der chin. Regierung nicht getürkt sind. Ich will nicht sagen, dass generell getürkt wird, jedoch bei stark eingreifenden Ereignissen oder extremen Auschlägen ist es ziemlich offensichtlich. Selbst würde ich NIE in chinesische Einzelwerte an festländischen chin. Börsen investieren. (Ausgenommen in einen breit gesteuten Index wie CSI300, MSCI China, oder MSCI Emerging Market mit ca. 30% China, aber erst nach stärkeren Einbrüchen, und Alibaba, welches den Sitz ausserhalb Chinas hat.). Sonst sind mir die chines. Börsen zu suspekt u. zu Regierungs-gepampert.
spon-4bq-dd9r 22.07.2019
2. Chinesische Einzeltitel direkt an der chinesischen Börse
kannst du auch gar nicht selbst kaufen. Es gibt chinesische Unternehmen, die auch für ausländische Investoren zugänglich sind aber immer über andere Börsenplätze wo sie doppelt gelistet sind. zB. Alibaba, Tencent in USA an der NASDAQ-NYSE und sicher die meisten in HK. Zu dem neuen Marktsegment aus dem Artikel bekommst du als Nichtchinese vllt. irgendwann Zugang über ETFs, welche die Kursentwicklung synthetisch abbilden --> da das aber immer nur über lokale Broker geht würde ich solchen Derivaten null,Komma,null trauen. Für ausländische accounts, auch von institutionellen Kunden, wird garantiert Kursschnitt gemacht. (das ist die simpelste Methode des Kursbetrugs und in intransparenten Märkten einfach Standard) Weitere Beispiele wäre Russland und Naher Osten.
mariomeyer 22.07.2019
3. Yo!
Wer hat denn hier zugeschlagen? Institutionelle Investoren? Kleinanleger? Alle? Auf den ersten Blick sieht es für mich so aus, als suchte das Kapital in der Volksrepublik China händeringend nach Anlagemöglichkeiten, weshalb es jede Möglichkeit nutzt, die sich ihm bietet. Oder wie lässt sich das sonst erklären?
ooda_maddinoo 22.07.2019
4. Gambling
Nach meiner Erfahrung im oft ländlichen China sind die Chinese leidenschaftliche Gambler. Da wird wohl der Taxifahrer und die Hausfrau einen Kredit von 10000 RMB aufgenommen haben und am ersten Tag investiert haben. Die Kursgewinne werden sofort Begeisterung finden und es wird ein Herden verhalten eintreten. Mal gespannt wie lange das hält.
dieter.zuckermann 22.07.2019
5.
@watschn Was soll an der Zahl 11 besonders sein? Sie machen daraus irgendwas mystisches. Die Chinesische Börse entwickelt sich eben allgemein gut. Da konnte auch Trump nichts dagegen machen. Dass diese Börse sich besser entwickelt, das war absehbar. Da ist nichts verdächtiges. Die Zahlen mögen krass wirken. Verdächtig ist jedoch nichts dabei. Vielleicht kleine Marktübertreibung. Aber auch daran gibt es nichts verdächtiges. Der Markt übertreibt oft. In beide Richtungen. Vor allem in China. Später gibt es kleine Korrekturen.
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