Werftenkrise Chinesischer Eigner von MV Werften bereitet eigene Insolvenz vor

Erst beantragten die MV Werften in Wismar Insolvenz, nun erwägt auch der Mutterkonzern, Genting Hongkong, diesen Schritt. Was das für den deutschen Standort bedeuten würde, ist noch unklar.
»Global Dream« in einer Halle der MV Werften in Wismar: Wird das größte Kreuzfahrtschiff der Welt je fertig gebaut?

»Global Dream« in einer Halle der MV Werften in Wismar: Wird das größte Kreuzfahrtschiff der Welt je fertig gebaut?

Foto: ANNEGRET HILSE / REUTERS

Die Zukunft der MV Werften bleibt unsicher – und damit auch, ob das weltgrößte Kreuzfahrtschiff »Global Dream« in Wismar fertig gebaut wird. Der Eigner der insolventen MV Werften, Genting Hongkong, erwägt einen Antrag auf vorläufige Liquidierung am zuständigen Gerichtshof in Bermuda, wie das Unternehmen nun bekannt gab.

Damit wäre der Mutterkonzern der MV Werften selbst zahlungsunfähig. Als Reaktion auf diese Mitteilung wurde der Handel mit Genting-Aktien an der Hongkonger Börse ausgesetzt.

Der asiatische Tourismuskonzern, der unter anderem Kreuzfahrten anbietet, ist wegen der anhaltenden Coronapandemie in Schwierigkeiten geraten. Davon ist auch seine Tochtergesellschaft MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern betroffen, wo Genting bisher Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf bauen ließ.

Landesregierung sieht sich bestätigt

Das Bundesland weigert sich seit einem Monat, einen im Sommer vereinbarten Hilfskredit in Höhe von 78 Millionen Euro an Genting auszuzahlen. Zu Wochenbeginn wies das Landgericht Schwerin einen Eilantrag von Genting gegen das Land ab. Der Konzern habe eine existenzielle Notlage nicht nachvollziehbar darlegen können, so die Begründung.

Welche Folgen ein Antrag auf vorläufige Liquidierung von Genting für die MV Werften haben könnte, ist offen. Der vorläufige Insolvenzverwalter der MV Werften, Christoph Morgen, will die »Global Dream« gerne fertig bauen lassen und an Genting verkaufen, für dessen Bedürfnisse sie konzipiert wurde. Das Schiff, das knapp 10.000 Passagieren Platz bieten soll, liegt zu 75 Prozent fertig in der Werft in Wismar. Insolvenzverwalter Morgen ließ über einen Sprecher zu möglichen Schritten von Genting ausrichten: »Wir beobachten das.«

Für die MV Werften mit ihren rund 2000 Beschäftigten war bereits am Montag vergangener Woche Insolvenz beantragt worden. Wenige Tage später, am Freitag, sprach Morgen laut seinem Sprecher zuletzt mit Spitzenvertretern von Genting. Anschließend berichtete der Verwalter von einer guten und konstruktiven Atmosphäre. Man werde nach Lösungen für die Finanzierung suchen, weitere Gespräche seien geplant.

Die Landesregierung ist angesichts der Liquidierungs-Überlegungen bei Genting der Auffassung, dass es richtig war, den Kredit nicht auszuzahlen. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer und Finanzminister Heiko Geue (beide SPD) erklärten: »Das Land sieht sich durch die Ankündigung Gentings in seiner Skepsis bestätigt, dass das Darlehen in Höhe von 78 Millionen Euro in der jetzigen Situation nicht ausgereicht hätte, um diese Entwicklung zu verhindern.« Die durch die Coronapandemie verursachten Probleme erschienen größer als das zugesagte Darlehen.

Die mitregierende Linke äußerte sich ähnlich. »Die Probleme sind vielschichtig, die Liquiditätslücke offenbar viel größer«, sagte die Fraktionsvorsitzende Jeannine Rösler. »Dass Genting Hongkong bisher nicht bereit war, eine Garantie für die Abnahme der »Global Dream« abzugeben, untermauert diese Einschätzung.«

Genting will nach eigenen Angaben weiter versuchen, kurzfristig Geld aufzutreiben, inklusive einer Liquiditätsreserve von 81 Millionen US-Dollar, die ebenfalls Teil der Finanzierungsvereinbarung des Kreuzfahrtschiffes sei. »Bisher hat keine der beteiligten Banken einer Auszahlung zugestimmt«, teilte das Unternehmen mit.

mamk/dpa-AFX