Lobbyismus Österreichs Ex-Kanzler Kern bekommt Wirtschaftsposten in Moskau

Christian Kern, ehemaliger Regierungschef Österreichs aus den Reihen der SPÖ, rückt in den Aufsichtsrat der russischen Staatsbahn auf. Er wird in Moskau nicht nur wegen seiner fachlichen Expertise geschätzt.

Damaliger Kanzler Kern im Juni 2017 mit Wladimir Putin beim Sankt Petersburger Wirtschaftsforum
Dmitry Lovetsky / AP

Damaliger Kanzler Kern im Juni 2017 mit Wladimir Putin beim Sankt Petersburger Wirtschaftsforum


Der frühere österreichische Bundeskanzler Christian Kern ist bei der russischen Staatsbahn RZD in den Aufsichtsrat berufen worden. Der 53 Jahre alte Manager war in der Vergangenheit auch Chef der staatlichen Österreichischen Bundesbahnen. Er wird in Russland allerdings nicht nur wegen seiner unbestrittenen fachlichen Expertise geschätzt - sondern auch, weil er die von der EU wegen des Ukraine-Kriegs gegen Russland verhängten Sanktionen kritisch sieht.

Kern, der auch Chef der SPÖ war, stand der Regierung Österreichs von Mai 2016 bis Dezember 2017 vor. Im RZD-Aufsichtsrat hatte in der Vergangenheit auch der frühere Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, gesessen.

Beim Petersburger Wirtschaftsforum ließ Kern 2017, damals noch Bundeskanzler Österreichs, Kritik an den EU-Sanktionen gegen Russland durchklingen. Während seiner Kanzlerschaft wurde zudem die Einrichtung des Sotschi-Dialogs in die Wege geleitet. Das österreichisch-russische Forum in der Schwarzmeerstadt Sotschi soll zur Stärkung der bilateralen Beziehungen und dem zivilgesellschaftlichen Austausch zwischen den beiden Ländern beitragen. Offiziell gestartet wurde der Sotschi-Dialog im Mai 2019.

Enge Verbindungen österreichischer Politiker zu russischen Großkonzernen sind keine Seltenheit. So sitzt etwa Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) seit Kurzem im Aufsichtsrat des russischen Mineralölkonzerns Lukoil. Der 74-Jährige war von Februar 2000 bis Januar 2007 Kanzler und führte dabei jeweils rechtskonservative Kabinette an.

In Deutschland besonders bekannt ist vor allem das Russland-Engagement von Gerhard Schröder (SPD), der Lobbyarbeit für die Gazprom-Tochter Nord Stream 2 sowie für den staatlichen Ölkonzern Rosneft macht.

beb/dpa



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joes.world 17.07.2019
1. Obacht
Es sollte verboten sein, dass wichtige Politiker nach ihrer aktiven Laufbahn bei ausländischen Staaten (oder Firmen dieser Staaten) anheuern. Denn gleich ob Schröder und nun Kern - man weiß nie, ob diese Personen nur, nach ihrer politischen Karriere, endlich mal so wirklich viel Geld machen können, weil sie vielleicht zuvor für ausländische Mächte Gutes getan haben. Außerdem sind diese Peronen heute noch Geheimnisträger! Sie haben an EU-Ratsversammlungen mitgetan. Sie wissen genau, was dort wie besprochen wurde. Und Putin ist alles, nur nicht dumm. Der bezahlt Leute nicht gut ohne Grund. Entweder hat der Ösi-Kanzler ihm schon Dienste in seiner aktiven Zeit erwiesen, oder Putin erwartet sich noch Infos von ihm. Nie vergessen. Putin kommt vom Geheimdienst, seine Spezialität ist es, so viele Infos über andere Staaten zu bekommen, wie es nur geht. Und da fürchten sich die Medien bei uns über die Trolle Putins. Dass die Wahlen beeinflussen könnten. UNd übersehen völlig, dass Geheimnisträger der EU bei Putin viel Geld bekommen. Sicher nicht umsonst. Wer folgt den beiden noch? Altkanzler Kurz nach seinem Sturz wohl noch nicht. Weil er zu kurz im Amt war, um viel zu wissen. Aber Merkel wäre ein lohnendes Ziel. Wann werden so unmoralische know how Transfers gestoppt?!!!!
rosenrot367 17.07.2019
2. Super
Nach Kanzler Schröder geht noch ein Ober-Sozialdemokrat nach Moskau! Finde ich super, dass die Herren Schröder und Kern nun ihre Kohle in Moskau abholen und mehr Zeit an der Moskwa verbringen und nicht an der Leine bzw. an der Donau. Blöde nur, dass es in dieser Welt nixxxx umsonst gibt - Putin weiß schon, was er an den beiden hat!!
maxmarius 17.07.2019
3.
Zitat von joes.worldEs sollte verboten sein, dass wichtige Politiker nach ihrer aktiven Laufbahn bei ausländischen Staaten (oder Firmen dieser Staaten) anheuern. Denn gleich ob Schröder und nun Kern - man weiß nie, ob diese Personen nur, nach ihrer politischen Karriere, endlich mal so wirklich viel Geld machen können, weil sie vielleicht zuvor für ausländische Mächte Gutes getan haben. Außerdem sind diese Peronen heute noch Geheimnisträger! Sie haben an EU-Ratsversammlungen mitgetan. Sie wissen genau, was dort wie besprochen wurde. Und Putin ist alles, nur nicht dumm. Der bezahlt Leute nicht gut ohne Grund. Entweder hat der Ösi-Kanzler ihm schon Dienste in seiner aktiven Zeit erwiesen, oder Putin erwartet sich noch Infos von ihm. Nie vergessen. Putin kommt vom Geheimdienst, seine Spezialität ist es, so viele Infos über andere Staaten zu bekommen, wie es nur geht. Und da fürchten sich die Medien bei uns über die Trolle Putins. Dass die Wahlen beeinflussen könnten. UNd übersehen völlig, dass Geheimnisträger der EU bei Putin viel Geld bekommen. Sicher nicht umsonst. Wer folgt den beiden noch? Altkanzler Kurz nach seinem Sturz wohl noch nicht. Weil er zu kurz im Amt war, um viel zu wissen. Aber Merkel wäre ein lohnendes Ziel. Wann werden so unmoralische know how Transfers gestoppt?!!!!
Ich finde auch, dass diese Tätigkeiten bedenklich sind. Was ich mir aber (komischerweise) nicht vorstellen kann ist, dass Merkel einen solchen Job annehmen würde. Bin mal gespannt, Angebote wird sie sicherlich bekommen.
dieter.zuckermann 17.07.2019
4.
@joes world Sollen dann alle Politiker nach dem Abgang arbeitslos melden? Ein Ex-Bundeskanzler wird mit Sicherheit viel Kompetenz zu bieten haben, er wird mit Sicherheit nicht bei einem Tante Emma Laden um die Ecke arbeiten. Diese Leute wechseln danach zu Top-Konzernen. Davon haben wir nicht viele in Deutschland. Da ist es selbstverständlich dass der einer oder anderer beim ausländischen Topkonzern eine Stelle findet. Wieso listen sie hier nur diejenigen auf, die bei russischen Konzernen eine Arbeit finden? Da fängt Rassismus bereits an. Aber ganz klar. Betrifft jetzt weniger Sie, mehr die Medien. Joschka Fischer und Merz arbeiten beide bei amerikanischen Konzernen. Wieso ist das jetzt anders? Auch frühere Bundeskanzler haben mit Sicherheit bei amerikanischen Konzernen gearbeitet. Frage ist wieso es hier auf einmal nicht berichtet wird. Und gerade bei russischen Konzernen geht die Arbeit doch in Ordnung. Gegen RZB ist sowieso nicht einzuwenden. Gegen NordStream 2 sogar noch weniger. Das liegt im Deutschen Interesse. Was weniger im Deutschen Interesse liegt, wenn irgendwelche ehemalige Außenminister eine Gasleitung wie Nabucco voranbringen wollen. Diese Leitung war im Interesse der USA und nicht im Interesse Europas. Da ist es fragwürdig wenn ein ehemaliger Außenminister mit seinem Wissen hier seine Arbeit anfängt. Hier muss man auf die Finger schauen. Irgendein ehemaliger Bundeskanzler aus Österreich, der bei RZB anfängt, das ist doch langweilig. Vor allem, dass es zu seiner früheren Tätigkeit passt. Geht völlig in Ordnung und ich sehe nicht, wieso darüber geschrieben wird. Über Joschka Fischer hätte man eher schreiben sollen. Aber da hat man irgendwie still gehalten.
adieu2000 17.07.2019
5. Was für ein paranoider Quatsch!
Hier geht es wie im Westen nur um Wirtschaftsinteressen, und wenn diese Politiker bei westlichen Großkonzernen anheuern, ist das genauso problematisch, selbst im Innland ist Vitamin B für Unternehmen und Ex Politiker genauso interessant, siehe Herr Pofalla, er profitiert, die Bahm profitiert, profitiert hier auch der Bahnkunde oder der Steuerzahler? Alles nur fortgesetztes Putin Bashing, aber die Wenigsten wissen warum Putin in Russland so beliebt, und im Westen so geschmäht wird, er hat den Ausverkauf seines Landes an Glücksritteraus dem Eesten gestoppt und viele anrüchige Geschäfte zurück gedreht.
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