Machtkampf bei der Deutschen Bank Chaostruppe im Bankenturm

In der Deutschen Bank herrscht Alarm. Der Machtwechsel an der Spitze von Deutschlands wichtigstem Finanzunternehmen verläuft unseriös. Verantwortlich dafür ist vor allem der Mann, der eigentlich alles unter Kontrolle behalten soll: Aufsichtsratschef Clemens Börsig.

Deutsche-Bank-Spitzen Börsig (links) und Ackermann: Schmutziger Machtkampf
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Deutsche-Bank-Spitzen Börsig (links) und Ackermann: Schmutziger Machtkampf

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Es gab mal eine Zeit, da galt die Deutsche Bank als seriös. In den beiden Türmen an der Frankfurter Taunusanlage liefen die Fäden der bundesrepublikanischen Wirtschaftsmacht zusammen, hier wurden Pläne für die gesamte Deutschland AG geschmiedet, wie man das verzweigte Netz der heimischen Großkonzerne damals nannte. Und nichts davon, was hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, drang nach außen. Auch nichts von den schmutzigen Deals, die es damals auch schon gab.

Diese Ära ist eigentlich erst seit ein paar Jahren vorbei, doch es scheint, als läge eine Ewigkeit zwischen der feinen Bank von damals und dem Chaos, das heute in den oberen Etagen der beiden Türme herrscht. In der Führung des Instituts wird mit schmutzigen Mitteln ein Kampf um Macht und Posten geführt. Gegen das, was dort passiert, ist der nordrhein-westfälische Landtag ein Hort der Stabilität.

Da wird der Abgang der Vorstände Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti per "Bild"-Zeitung gemeldet, noch bevor der Aufsichtsrat darüber entschieden hat. Und einer der vorgesehen Nachfolger, der Amerikaner William Broeksmit, muss kurz vor seiner offiziellen Nominierung zurückziehen, weil er die Anforderungen der deutschen Bankenaufsicht nicht erfüllt. Eine ganze Woche lang wird halböffentlich gekämpft und getratscht, ohne dass die Deutsche Bank dazu offiziell auch nur ein Wort sagt. Das ist nicht nur eine Kommunikationskatastrophe.

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Machtkampf bei der Deutschen Bank: Wer aufsteigt, wer gehen muss
Die Hauptschuld daran trägt der Mann, der in den vergangenen Jahren für die Auswahl des Spitzenpersonal zuständig war: der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig. Er muss nicht nur die aktuellen Indiskretionen verantworten, die der Bank schaden, sondern hat auch in den vergangenen Jahren gleich mehrere schwere Fehler gemacht. 2009, als die Bank erstmals nach einem Nachfolger für Vorstandschef Josef Ackermann suchte, schlug Börsig sich kurzerhand selbst vor. Nur um das zu verhindern, willigte Ackermann ein, doch noch ein bisschen länger Chef zu bleiben.

Auch bei Börsigs zweitem Versuch im vergangenen Sommer ging so ziemlich alles schief, was schiefgehen konnte. Ackermanns Wunschkandidaten, den Ex-Bundesbankchef Axel Weber, hielt der Aufsichtsratschef so lange hin, bis Weber entnervt aufgab und zur Konkurrenz wechselte. Nach einem schmutzig geführten Machtkampf musste Börsig schließlich seinen eigenen Rückzug zum Mai ankündigen, setzte aber im Gegenzug seine eigenen Leute durch: den Deutschen Jürgen Fitschen und den Inder Anshu Jain. Sie sollten als Doppelspitze das schaffen, was ihrem Vorgänger Ackermann immer recht gut gelungen war: das fragile Gebilde aus Londoner Investmentbankern und deutschen Bankiers alter Schule auszubalancieren.

Deutsche-Bank-Mitarbeiter bewegen täglich Milliarden von Euro

Mittlerweile sieht es so aus, als sei auch der Plan mit der Doppelspitze gescheitert, noch bevor die beiden neuen Chefs offiziell ihr Amt angetreten haben. Selbst jetzt, wo klar ist, dass der umstrittene Jain-Jünger Broeksmit nicht in den Vorstand aufrücken wird, tragen die Personalrochaden noch immer die eindeutige Handschrift des Inders. Hätte die Bank nicht längst offiziell verkündet, dass Fitschen sein Co-Chef werden soll, man würde es nicht glauben.

Das Problematische daran ist nicht, dass künftig ein Trupp von Ausländern das größte deutsche Geldhaus führen wird - wie manch konservative Banker oder Politiker argwöhnen. Die wirkliche Gefahr besteht darin, dass das Gleichgewicht innerhalb der Bank verlorengeht, wenn die Investmentbanker so eindeutig die Oberhand über den Rest des Konzerns gewinnen.

Das muss im Übrigen nicht nur all jene interessieren, die bei der Deutschen Bank arbeiten oder ein Konto dort haben. So ganz egal kann es niemandem sein, was in den Frankfurter Türmen passiert. Schließlich ist die Deutsche Bank das letzte bedeutende Kreditinstitut, das am Standort Deutschland übriggeblieben ist. Mit ihren weltweiten Geschäften bewegen die Mitarbeiter täglich Milliarden von Euro. Und die Finanzkrise hat sehr deutlich gezeigt, wer dafür am Ende einspringen muss, falls etwas schiefgeht: die Steuerzahler.

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Seite 1
franko_potente 16.03.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSIn der Deutschen Bank herrscht Katastrophenalarm. Der Machtwechsel an der Spitze von Deutschlands wichtigstem Unternehmen verläuft chaotisch und unseriös. Verantwortlich dafür ist vor allem der Mann, der eigentlich alles unter Kontrolle behalten soll: Aufsichtsratschef Clemens Börsig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,821778,00.html
meingott, ruiniert diese Bank nicht. Vörsig ist untragbar und hat schon als CRO versagt. Jain ist ebenso eine Fehlbesetzung, und zwar nciht, weil er nciht Deutscher ist, sondern einInvestmentbanker ohen CRO. Börsig unfähig, Bänzinger abgesägt. Wo soll das hinführen? Börsig war übrigens aucb ei Hedelberg Druck, zusammen mit einem wohlbekannten Bahnmanager, die Geschäftszhalne aus deren beider Zeit sprechen Bände.
verleitnix 16.03.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSIn der Deutschen Bank herrscht Katastrophenalarm. Der Machtwechsel an der Spitze von Deutschlands wichtigstem Unternehmen verläuft chaotisch und unseriös. Verantwortlich dafür ist vor allem der Mann, der eigentlich alles unter Kontrolle behalten soll: Aufsichtsratschef Clemens Börsig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,821778,00.html
Deutschlands wichtigstem Unternehmen? Das ich nicht lache! Die nehmen sich nur wichtig. Unternehmen die reale Werte schaffen, das sind die wichtigsten Unternehmen in diesem Land. Geld aus Geld zu schaffen, ist letztendlich nur für die Umverteilung der Vermögen von Arm nach Reich verantwortlich und somit eine Gefahr für die Demokratien der Welt.
o.b.server 16.03.2012
3. ...
Wer unmoralische und unseriöse Ertragsziele von 25 % vor Steuern ausgiebt, der muss sich nicht wundern, wenn die Investmentbanker den Laden übernehmen. Im regulären Bankgeschäft sind solche Renditen jedenfalls nicht zu erzielen.
helldorf 16.03.2012
4.
Zitat von sysopREUTERSIn der Deutschen Bank herrscht Katastrophenalarm. Der Machtwechsel an der Spitze von Deutschlands wichtigstem Unternehmen verläuft chaotisch und unseriös. Verantwortlich dafür ist vor allem der Mann, der eigentlich alles unter Kontrolle behalten soll: Aufsichtsratschef Clemens Börsig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,821778,00.html
Als alles noch hinter verschlossenen Tueren passiert verlangt man Transparenz von den "feinen Bankern", wenn die Banker transparenter handeln wirft man Ihnen vor eine Chaotentruppe zu sein. Vielleicht sollten die achso allwissenden Superhelden vom Spiegel sich mal wieder darauf besinnen was verantwortliche Berichterstattung ist und damit aufhoeren jedem alles im Mund umzudrehen und nur destruktive Artikel ueber die Bankenwelt zu schreiben. Kritisch zu schreiben ist eine Sache - das was Spiegel Online macht ist etwas Anderes - naemlich das was man von der Bild vor 20 Jahren erwartet hat!
weißbrot 16.03.2012
5. .
Zitat von o.b.serverWer unmoralische und unseriöse Ertragsziele von 25 % vor Steuern ausgiebt, der muss sich nicht wundern, wenn die Investmentbanker den Laden übernehmen. Im regulären Bankgeschäft sind solche Renditen jedenfalls nicht zu erzielen.
Was ist daran unmoralisch und unseriös? Diese 25% sind weder Umsatzrendite noch Gesamtkapitalrendite noch Dividende (auch bei einer 100% Gewinnausschüttung nicht). Mein Nachbar ist selbständiger Architekt und hat eine Eigenkapitalrendite von 200%. 40.000€ Eigenkapital und 80.000€ Gewinn. So ein Schuft.
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