Festredner beim Tag des Handwerks Clemens Tönnies empört mit rassistischen Aussagen

Bei einer Rede fabulierte Clemens Tönnies über "die Afrikaner" und deren Fortpflanzung. Nach heftiger Kritik räumt der Unternehmer und Fußballfunktionär ein: das war "unangebracht und falsch".

Clemens Tönnies im Juni
Tim Rehbein/ DPA

Clemens Tönnies im Juni


Als Fußballfunktionär und Fleischproduzent weiß Clemens Tönnies um die Macht seiner Worte. Umso erschreckender ist, was der der 63-jährige Unternehmer beim Tag des Handwerks in Paderborn von sich gab.

Vor 1600 Gästen kritisierte er als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel. Dabei stellte er aber auch einen angeblichen Zusammenhang von Energieversorgung, Klimawandel und Überbevölkerung in Afrika her.

Statt die Abgaben zu erhöhen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, sagte er der "Neuen Westfälischen" zufolge. Und: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

"1000-prozentig hinter Vereinswerten"

Bei Twitter sorgten die Äußerungen für heftige Reaktionen. Der in Bielefeld geborene Cartoonist und Zeichner Ralph Ruthe bezeichnete sie als "rassistische Kackscheiße". In den sozialen Netzwerken forderten zahlreiche User den Rücktritt des Aufsichtsratschefs des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04.

Inzwischen hat sich Tönnies entschuldigt. "Ich möchte meine Aussage zum Thema Auswirkungen beim Klimawandel richtigstellen. Ich stehe als Unternehmer für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. Meine Aussage zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tun mir leid. Das war in Inhalt und Form unangebracht und falsch", ließ er per Twitter und über einen Unternehmenssprecher mitteilen.

Tönnies ist Mitgesellschafter beim größten deutschen Schlachtbetrieb gleichen Namens. Die Gruppe mit weltweit rund 16.000 Mitarbeitern hat 2018 mit dem Schlachten von Schweinen und Rindern einen Umsatz von 6,65 Milliarden Euro erzielt. In dem Unternehmen herrscht derzeit ein erbitterter Streit über die Zukunft des Familienbetriebs. Neffe Robert Tönnies will ihn verkaufen, Clemens Tönnies lehnt dies ab. Das Verhältnis der beiden gilt als zerrüttet.

In der Öffentlichkeit bekannt ist Tönnies vor allem als Schalke-Boss. In dieser Funktion stehe er "1000-prozentig hinter unseren Vereinswerten", wird Tönnies in einer Vereinsmitteilung zu seinen Aussagen auf dem Handwerkstag zitiert. "Dazu gehört der Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung" Seine Aussage sei "falsch, unüberlegt und gedankenlos" gewesen und habe nicht dem Schalke-Leitbild entsprochen.

apr/dpa/sid



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