Co-Chef der Deutschen Bank Fitschen wettert gegen politische Eingriffe

Investmentbanking ist wichtig für das Wirtschaftswachstum, Größe schützt Banken vor Krisen - das ist das Credo von Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank. Nun warnt er die Politik vor einer schärferen Regulierung der Finanzbranche.

Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank: Warnung vor Einschnitten
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Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank: Warnung vor Einschnitten


Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank hat genug von politischen Eingriffen, das wurde am Montag deutlich: Weitere Einschnitte könnten zu einer Belastung für die Realwirtschaft werden, warnte Co-Chef Jürgen Fitschen am Montag bei einer Finanzkonferenz in Frankfurt am Main. Die Politik sollte vor allem ihre Pläne zur Finanztransaktionsteuer sowie zu einer stärkeren Trennung des Investmentbankings vom klassischen Bankgeschäft aufgeben. "Das schadet der Realwirtschaft", sagte Fitschen. "Der Traum von einem lokalen Bankgeschäft wird der Globalisierung nicht gerecht."

Fitschen verteidigte das Geschäftsmodell der Deutschen Bank mit einem starken Privatkundengeschäft auf der einen Seite und dem Investmentbanking auf der anderen Seite. Wenn das getrennt werde, müssten die Kunden die Zeche etwa in Form höherer Zinsen zahlen. "Es wird immer so getan, als ob alles Übel vom Investmentbanking kommt", sagte Fitschen. Die Institute hätten aber aus den Exzessen vor der Finanzkrise gelernt und etwa den Eigenhandel eingestellt. Nun sei es an der Zeit, die Bedeutung des Investmentbankings als Voraussetzung für mehr Wirtschaftswachstum zu betonen. "Es wird nicht allein über Einlagen- und Kreditgeschäft funktionieren."

Fitschen warnte davor, die Banken zu einem weiteren Schrumpfkurs zu drängen. Dies werde nicht zu mehr Stabilität führen. Im Gegenteil schütze Größe vor Krisen. Die US-Großbank JP Morgan habe zuletzt gezeigt, dass sie auch erhebliche Rückschläge wie einen milliardenschweren Spekulationsverlust sowie Rekordzahlungen für rechtliche Vergleiche wegstecken kann, ohne ins Wanken zu geraten.

Fünf Jahre nach der Finanzkrise sei das System durch verschärfte Kapitalvorschriften bereits deutlich stabiler geworden, erklärte Fitschen. "Wenn wir auch noch die europäische Bankenunion vernünftig umsetzen, dann möchte ich den hören, der sagt, dass das immer noch nicht genug ist", sagte Fitschen. Für den Konflikt zwischen Sicherheit und Attraktivität in der Bankenbranche fand Fitschen einen Vergleich mit Autos: "Wenn Sie ein Auto bauen, das nur 20 km/h fährt, haben Sie wahrscheinlich ein sicheres Auto - aber versuchen Sie mal, das zu verkaufen."

nck/dpa

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FKassekert 18.11.2013
1. Nichts aus den Krisen gelernt
daher keine weiteren Steuergelder fuer die Bankster und alles was bisher eingesetzt wurde zurueckzahlen - basta! Bankster sollen und muessen endlich bluten, damit sie verstehen lernen!
pepe_sargnagel 18.11.2013
2.
Zitat von sysopDPAInvestmentbanking ist wichtig für das Wirtschaftswachstum, Größe schützt Banken vor Krisen - das ist das Credo von Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank. Nun warnt er die Politik vor einer schärferen Regulierung der Finanzbranche. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/co-chef-der-deutschen-bank-fitschen-wettert-gegen-politische-eingriffe-a-934220.html
Selbstverständlich fürchtet der KOnzernlenker, dass die Kunden "die Zeche über höhere Zinsen bezahlen". Dann merken sie direkt im Geldbeutel, welche Bank für sie die beste ist: Nämlich die mit den höchsten Sparzinsen und geringsten Kreditzinsen. Lieber ist wohl jedem Konzern, wenn der Bürger gezwungen wird Abermilliarden so an Banken zu verschieben, dass er es nicht direkt im Geldbeutel merkt. Das passiert gerade - Die Ersparnisse und die Wirtschaftsleistung ganzer Generationen wurden eben indirekt an die Banken verschoben! Das ist für Banken viel leichter, weil sie so keinen Wettbewerb fürchten müssen. Ich verstehe schon, dass Großkonzerne mit Qualis-Monopolen oder Kartelle kein echtes Interesse an einer funktionierenden Marktwirtschaft haben. Diese würde die marktwirtschaftlichen Regeln der Konkurrenz und der Haftung beinhalten. Soetwas wollen doch nur die "Deppen der Nation"
Strothi 18.11.2013
3. Schadet der Realwirtschaft ?
Wo bittet dient Investmentbanking der Wirtschaft ? Beim Investmentbanking wird Geld angelegt und neu verteilt und nichts (!) produziert. Im Gegenteil, durch die Geldanlagen und deren Gewinn wird Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen, da dies nicht mehr für den Konsum zur Verfügung steht. Investmentbanking wird von reichen Institutionen und Personen genutzt, um Ihren Reichtum zu mehren. Das kann nicht der Realwirtschaft dienen, das dient den oberen 10 %.
nemensis_01@web.de 18.11.2013
4. Oha,
in der Krise konnte ihm die Einmischung gar nicht schnell genug und vor allen Dingen reichhaltig genug gehen. Schade, dass wir unfähige Politiker haben. Jede schwäbische Hausfrau hätte damals zwar auch geholfen, aber sie hätten alles auf Heller und Pfennig zurückzahlen müssen. Bei uns kommen sie so raus und sobald die Bude wieder läuft und die Geschäfte brummen, bashen sie wie eh und je.
pepe_sargnagel 18.11.2013
5.
Zitat von StrothiWo bittet dient Investmentbanking der Wirtschaft ? Beim Investmentbanking wird Geld angelegt und neu verteilt und nichts (!) produziert. Im Gegenteil, durch die Geldanlagen und deren Gewinn wird Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen, da dies nicht mehr für den Konsum zur Verfügung steht. Investmentbanking wird von reichen Institutionen und Personen genutzt, um Ihren Reichtum zu mehren. Das kann nicht der Realwirtschaft dienen, das dient den oberen 10 %.
So ganz stimmt das nicht. Aber es darf angenommen werden, dass die Vergütung und Boni für die "Verwalter" dem Wirtschaftskreislauf entzogen werden. Den Rest legen sie schon an - vorwiegend in planwirtschaftliche Elemente wie bspw. den Ökostrom, denn da ist eine Rendite sicher. Auch das Netzentgelt garantiert eine fixe Verzinsung - und falls nicht, dann findet sich kein Investor. Das aber ist auch logisch, weil der Investor ja auch nicht zu viel Risiko gehen möchte, um die Boni nicht zu gefährden und um ein Abwandern der Kunden zu vermeiden. Das Problem ist nur, dass man so auf Druck der Geldgeber in die Planwirtschaft abdriftet ohne es zu bemerken. Gewollt ist es aber von den Geld-Eliten! Dabei predigen genau die den Markt... Verwundert mich nicht mehr. Markt ist ihnen ein Graus, wenn man sich an sicheren Zahlungen (auf Kosten anderer) orientieren kann und Monopolstellungen wünscht. Es ist ein klassischer Interessenkonflikt - aber die Geschichte lehrt, dass diese Systeme nicht endlos bestehen und beispiellos scheitern. Insofern wird es die Erde nicht stören - die wird sich weiterdrehen.
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