Megabörsengang von Coinbase Der Mann, der die Schaufeln für den Bitcoin-Goldrausch verkauft

Der Krypto-Handelsplatz Coinbase geht an die Börse. Firmengründer Brian Armstrong verspricht, den Bitcoin für jedermann handelbar zu machen – und wird damit nun wohl selbst zum Multimilliardär.
Coinbase-Gründer Armstrong: Milliardenschweres Börsendebüt durch die Hintertür

Coinbase-Gründer Armstrong: Milliardenschweres Börsendebüt durch die Hintertür

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Steven Ferdman / Getty Images

Schnelles Geld, spektakuläre Diebstähle und kein Sheriff weit und breit: Die Welt des Bitcoins erinnert mitunter an den Wilden Westen.

Mitten in dieser Goldgräberstimmung baute Brian Armstrong 2012 die Krypto-Handelsbörse Coinbase auf: »Wir verkaufen Hacken und Schaufeln in einem Goldrausch«, sagte er dem britischen »Economist«. Armstrong machte Coinbase zur größten Krypto-Währungsbörse in den USA.

Jetzt herrscht Goldgräberstimmung an der New Yorker Technologiebörse NASDAQ. Dort will Coinbase am Mittwoch mit einem sogenannten Direct Listing aufs Börsenparkett. Gemessen am Referenzpreis der Aktien ist Coinbase rund 68 Milliarden Dollar wert. Analysten trauen Coinbase sogar eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar zu – ein aberwitziger Preis für ein Unternehmen mit 56 Millionen Kunden und gut 1700 Mitarbeitern.

Verkörpert Coinbase die ultimative Blase, wie Kritiker befürchten – oder wird das Unternehmen zur festen Größe in der Finanzwelt der Zukunft, wie seine Fans hoffen? Die schwindelerregende Bewertung erklären Analysten mit dem Hype um Kryptowährungen wie dem Bitcoin, für den sich zunehmend auch Profi-Anleger interessieren. Das Ergebnis erinnert an ein Perpetuum mobile: Steigt der Bitcoin-Kurs, dann steigt der Marktwert von Coinbase – und umgekehrt. Allein seit Ende September hat sich die Bewertung laut Daten der Agentur Reuters nahezu verdreizehnfacht.

Davon profitiert Firmenchef Armstrong auch persönlich. Der Gründer hält knapp 40 Millionen Coinbase-Aktien, die mit 10 bis 15 Milliarden Dollar bewertet werden. Da es bei dem Börsengang keine Sperrzeit gibt, könnte der Coinbase-Chef die Papiere sofort losschlagen. Dabei gehört der Amerikaner dank üppiger Aktienoptionen schon jetzt zu den bestbezahlten Firmenchefs der Welt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schätzte sein Gehalt auf eine Million Dollar pro Tag.

Argentinien als mahnendes Beispiel

Armstrong wurde 1983 in der Nähe von San José in Kalifornien geboren. Die Eltern arbeiteten als Ingenieure. Schon auf dem Schulhof soll er Geschäftssinn gezeigt haben, als er Süßigkeiten an Klassenkameraden weiterverkaufte. An der Uni gründet er ein Start-up, das Studenten und Tutoren zusammenbringt. Bei einem Auslandsjahr in Argentinien will Armstrong dann begriffen haben, wie instabil ein Finanzsystem sein kann: »Es war eine interessante Erfahrung, ein Finanzsystem in einem anderen Land zu sehen, das eine Hyperinflation durchlebt hat«, sagte er dem »Forbes Magazine«.

Es ist eine Legende, an die Bitcoin-Anhänger unmittelbar anknüpfen können. Denn die Bitcoin-Software wacht darüber, dass es nie mehr als knapp 21 Millionen Bitcoins geben kann – ein eingebauter Inflationsschutz. Vom Bitcoin erfuhr Armstrong zum ersten Mal im Jahr 2010, als er seine Eltern über die Weihnachtsfeiertage besuchte.

Schnell wittert Armstrong, der damals noch für den Wohnungsvermittler Airbnb arbeitet, ein Geschäftsmodell: Bitcoins zu handeln, war ziemlich kompliziert. Und so schreibt er in seiner Freizeit eine Software, die Kauf und Handel von Bitcoins vereinfachen soll. Dabei hilft ihm Fred Ehrsam, ein ehemaliger Trader bei der Investmentbank Goldman Sachs. Das Duo kann Risikokapitalgeber davon überzeugen, 150.000 Dollar in die Idee zu stecken. Coinbase, so der Pitch für das Silicon Valley, sei wie »Gmail für Bitcoin« – so einfach, dass es jeder benutzen kann.

Der Chef erklärt Coinbase zur »apolitischen Firma«

Armstrong schafft es, bei US-Aufsehern die notwendigen Lizenzen für seinen Handelsplatz zu erhalten. Und er findet namhafte Partner wie die Kreditkartenfirma Visa oder den Autobauer Tesla. Zur guten Vorbereitung kommt wohl auch eine Portion Glück. Von spektakulären Bitcoin-Diebstählen, die das Schicksal von Börsenrivalen wie Mt.Gox besiegelten , blieb Coinbase bislang verschont.

Ärger gab es trotzdem. Für Kontroversen sorgte etwa ein Blogpost von Armstrong , in dem er Coinbase zur »missionsbasierten Firma« mit einer »apolitischen Kultur« erklärte. Politische und soziale Streitthemen sollten demnach auf der Arbeit nicht mehr diskutiert werden. Mitarbeitern blieb eine Woche Bedenkzeit: Wer nicht einverstanden war, musste gehen – gegen eine üppige Abfindung.

Und erst im März verdonnerte die US-Börsenaufsicht CFTC Coinbase zu einer Millionenstrafe  wegen der Übermittlung von »falschen, irreführenden oder inkorrekten Handelsdaten« und der Marktmanipulation mit sogenannten »Wash Trades« beim Bitcoin. Dabei wird ein Finanzinstrument gekauft und sofort wieder verkauft, ohne dass es tatsächlich den Besitzer wechselt. So scheint es, als herrsche rege Handelsaktivität – eine Börse kann dadurch für andere Investoren attraktiver wirken. Der Coinbase-Börsengang wurde um einige Wochen verschoben.

Bitcoin-Kurs

Die 6,5-Millionen-Dollar-Strafe dürfte Coinbase wohl aus der Portokasse bezahlt haben: Im ersten Quartal des Jahres profitierte die Börse massiv vom steigenden Bitcoin-Preis. Unterm Strich stand laut Firmenangaben ein Gewinn von mindestens 730 Millionen US-Dollar . Coinbase will international expandieren – und sucht dabei auch Personal in Deutschland .

Das Schicksal der Börse und ihres Chefs ist untrennbar mit dem der Kryptowährungen verknüpft: 96 Prozent der Coinbase-Einnahmen stammen aus Handelserlösen. Fällt der Bitcoin-Kurs, dann sinken auch die Einnahmen. Zugleich versuchen aggressive Wettbewerber, Coinbase mit niedrigeren Handelsgebühren Marktanteile abzujagen. Dazu kommt die Sorge vor einer schärferen Regulierung von Kryptowährungen. Die Liste der möglichen Risiken im Wertpapierprospekt umfasst mehr als 50 Seiten .

Falls die Sache schiefgeht, hat der Coinbase-Chef noch ein zweites Standbein: In seiner Freizeit betätigt er sich als Musikproduzent. Gerade hat er mit einem DJ einen Song als Non Fungible Token (NFT) zum Verkauf gestellt – das sind einzigartige Inhalte, die ihrem Besitzer über die Blockchain, eine dezentrale Datenbank, zugeordnet werden können. (Eine ausführliche Erklärung des Phänomens finden Sie hier).

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Die Botschaft war wohl kein Zufall: »Der Song handelt davon, dass es immer viele Zweifler und Hater auf dem Weg gibt, wenn man etwas Neues aufbaut«, twitterte Armstrong. »Ignoriere sie und vertraue deinem Bauchgefühl.«

Für den Song wurden zuletzt umgerechnet knapp 20.000 Dollar geboten, zahlbar in der Kryptowährung Ether. Auch die lässt sich bei Coinbase handeln.