Commerzbank Berlin lässt US-Investor auflaufen

Der Bund brüskiert Commerzbank-Großaktionär Cerberus: In einer Kampfabstimmung des Aufsichtsrats wurde Ex-LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter zum neuen Chefkontrolleur gewählt - dem die Amerikaner zuvor die Eignung absprachen.
Hans-Jörg Vetter: Der frühere Chef der LBBW wird Chefkontrolleur der Commerzbank - doch Cerberus wollte den Manager nicht

Hans-Jörg Vetter: Der frühere Chef der LBBW wird Chefkontrolleur der Commerzbank - doch Cerberus wollte den Manager nicht

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Der Bund brüskiert Commerzbank-Großaktionär Cerberus. Der ehemalige LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter (67) wurde am Montagnachmittag zum neuen Commerzbank-Aufsichtsratschef gewählt. Die Wahl stehe unter der Bedingung der noch ausstehenden gerichtlichen Bestellung zum neuen Mitglied des Gremiums, die in den nächsten Tagen erwartet werde, teilte die Commerzbank am Montag mit. Vetter ist der Kandidat des Bunds, der mit 15,6 Prozent die meisten Anteile an der Krisenbank hält.

Der zweite Großaktionär Cerberus hatte zuvor mit einer öffentlichen Attacke versucht, die Personalie zu verhindern. "Wir haben ernsthafte Zweifel, dass Hans-Jörg Vetter die richtige Person für diese Aufgabe ist und über die richtige Erfahrung hierfür verfügt", schrieb der Finanzinvestor in einem Brief an die Commerzbank-Aufsichtsräte. Es gebe Alternativen zu Vetter. "Cerberus hat mindestens zwei Kandidaten identifiziert, die die notwendigen Qualifikationen haben, um die Rolle des Vorsitzenden zu besetzen und die aller Vermutung nach auch das Vertrauen aller wichtigen Interessengruppen genießen würden." Die Namen der Kandidaten nannte Cerberus nicht.

Die Personalie droht den Konflikt innerhalb der Großbank noch zu vertiefen. Die Wahl eines neuen Aufsichtsratschefs war notwendig geworden, weil Amtsinhaber Stefan Schmittmann (63) auf Druck von Cerberus seinen Rücktritt angekündigt hatte. Der US-Investor hatte Schmittmann wie auch Vorstandschef Martin Zielke (57) öffentlich Führungsschwäche vorgeworfen. Auch Zielke hat daraufhin seinen Rücktritt angekündigt, wird nun aber voraussichtlich noch warten, bis Vetter einen Nachfolger für den CEO-Job gefunden hat.

Der Präsidial- und Nominierungsausschuss empfahl dem Aufsichtsrat am frühen Montagnachmittag gegen Cerberus' Willen, dem zuständigen Gericht die Bestellung von Vetter als neues Aufsichtsratsmitglied vorzuschlagen.

Vetter - der Bank-Sanierer

Vetter stand von 2009 bis 2016 an der Spitze der LBBW. Er hatte die Landesbank saniert, nachdem sie in der Finanzkrise 2008 wegen hochriskanter Kreditgeschäfte ins Schlingern geraten war und mit Geldspritzen und Garantien ihrer staatlichen Eigner gerettet werden musste. Davor sanierte er die Bankgesellschaft Berlin.

Cerberus sprach dem Landesbank-Veteranen, der bislang kein börsennotiertes Institut geleitet hat, die nötige Erfahrung ab. "Die schwierige Situation der Commerzbank erfordert einen Aufsichtsrat und insbesondere einen Aufsichtsratsvorsitzenden, der den notwendigen, tief greifenden Restrukturierungsprozess der Bank mit initiieren und überzeugend begleiten kann", schrieb Cerberus. Besonders wichtig sei die Fähigkeit, mit allen Interessengruppen konstruktiv zusammenzuarbeiten und eine Strategie umzusetzen, die die Commerzbank wieder zu einem relevanten und profitablen Akteur auf dem deutschen Bankenmarkt mache.

Zudem monierte der Finanzinvestor, dass er in die Suche nach einem Nachfolger für Schmittmann nicht eingebunden worden sei. Der mit fünf Prozent nach dem Bund (15,6 Prozent) zweitgrößte Aktionär sei davon ausgegangen, "dass der Aufsichtsrat die wesentlichen Interessengruppen zumindest in gewissem Umfang in seine Entscheidungen über Neubesetzungen einbeziehen wird. Dies scheint bisher nicht der Fall zu sein." Einen Vertreter im Aufsichtsrat hat der US-Investor bislang nicht.

Vorstandschef Zielke sehnt Job-Ende herbei

Cerberus hatte im Juni eine öffentliche Kampagne gegen die Commerzbank-Führungsspitze gestartet. Mit seiner Kritik an den wenig ambitionierten Plänen für den Konzernumbau sprach er vielen Investoren aus dem Herzen. Diese führte vor einem Monat zu den Rücktrittsankündigungen von Aufsichtsratschef Schmittmann und Vorstandschef Zielke. Seitdem sucht die Bank einen Ausweg aus der Führungskrise.

Schmittmann scheidet nach der Sitzung am heutigen Montag aus dem Amt, Zielke bleibt längstens bis Ende des Jahres an Bord. Bis zur Berufung eines Nachfolgers führt Zielke die Geschäfte weiter. Bis zur gerichtlichen Bestellung Vetters wird der stellvertretende Aufsichtsratschef, Betriebsratschef Uwe Tschäge (53), das Gremium leiten.

Der Doppelrücktritt traf die Commerzbank mitten in der Debatte über den künftigen Kurs und eine neue Strategie. Der seit Mai 2016 amtierende Zielke hatte nach der Kritik von Cerberus eingeräumt, dass die im vergangenen Herbst beschlossenen Maßnahmen nicht durchschlagend genug waren, um das Institut im Zinstief profitabler zu machen. Auf dem Tisch liegen dem Vernehmen nach Pläne, Stellenabbau und Filialschließungen deutlich zu verschärfen. Zielke hatte erklärt, er wollen "den Weg für einen Neuanfang freimachen". Die Bank brauche "eine tief greifende Transformation" und dafür einen neuen Vorstandschef, "der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekommt".

Die Coronakrise verdarb der Commerzbank auch den Start ins Jahr 2020 und lässt das Gewinnziel für das Gesamtjahr wackeln. Analysten rechnen sowohl in diesem Jahr als auch 2021 unter dem Strich mit einem Verlust bei dem Frankfurter Institut. Für das zweite Quartal erwarten die Experten einen kleinen Gewinn. An diesem Mittwoch (5.8.) legt das Geldhaus Zahlen für das zweite Quartal vor.

mg/ak/Reuters, dpa-afx